BMW und Mercedes im Wettbewerb Elektro-Duell der Auto-Giganten: Mit dem i3 setzt BMW Mercedes unter Druck

Neues Design, großes Interesse: Mit dem neuen i3 verstärkt BMW die Präsenz im Kernsegment der eigenen Marke. Foto: Klaus Köster

Die Mittelklasse ist für Mercedes und BMW enorm wichtig – beide verkaufen hier den größten Teil ihrer Autos. Nun prescht BMW mit dem i3 vor. Die Antwort von Mercedes folgt in Kürze.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Es ist eine beispiellose Modelloffensive, die Mercedes-Chef Ola Källenius angekündigt hat: Rund 40 neue Modelle sollen bis Ende 2027 auf den Markt kommen – etwa so viele wie beim Münchner Premium-Rivalen BMW.

 

Wie eng sich diese beiden deutschen Wettbewerber verfolgen, zeigt ein besonders spannendes Duell um die Elektrifizierung der Mittelklasse. Hier geht BMW mit dem neuen i3 in Vorlage und setzt die Stuttgarter unter Druck. Mercedes will mit einer neuen C-Klasse antworten, die erstmals auch vollelektrisch angeboten werden soll.

Mercedes punktete mit dem CLA. Direkter i3-Wettbewerber ist die C-Klasse. Foto: Mercedes-Benz AG

Beim i3 handelt es sich um die vollelektrische Variante des BMW 3er. BMW sorgt mit einer Reichweite von bis zu 900 Kilometern nach dem europäischen WLTP-Standard für Aufsehen. Dieser Wert ist zwar oft höher als die Reichweite in der Praxis, gilt aber als gut geeignet für einen Vergleich, bei dem BMW einen neuen Maßstab setzt.

Der i3 ist das zweite Modell der „Neuen Klasse“, mit der BMW seine Modellstrategie grundlegend verändert. Sie ist die verbindende Klammer für Technologien, Produktionsverfahren sowie Design- und Bedienkonzepte, die über alle Produkte hinweg ausgerollt werden.

BMW: Info-Band unter der gesamten Windschutzscheibe

Auffällig ist die „Panoramic Vision“ – ein Head-up-Display, das sich als schwarzes Band über die gesamte Breite der Frontscheibe zieht. Es ersetzt das bisherige Armaturenbrett und zeigt neben der Geschwindigkeit zahlreiche weitere Informationen an. Das lässt das Innere aufgeräumt erscheinen und verbessert den Fokus des Fahrers auf das Verkehrsgeschehen.

Ein durchgängiges – jedoch sehr schmales – Display befindet sich zwischen den A-Säulen des neuen BMW i3. Foto: BMW

Je nach Ausstattung verfügt der i3 zusätzlich über einen breiten Bildschirm, der sich vom rechten Fahrzeugrand bis in die Mitte des Innenraums erstreckt und auch dem Beifahrer Unterhaltung ermöglicht. Mercedes bietet mit dem „Hyperscreen“ einen extrem breiten Bildschirm, der sich über die gesamte Breite des Cockpits ziehen kann, dem Beifahrer ebenfalls Unterhaltung ermöglicht und das klassische Armaturenbrett digitalisiert.

Mercedes setzt auf Opulenz, BMW auf puristisches Design

Während Mercedes auf eine luxuriös-opulente Inszenierung setzt, prägt BMW mit der „Neuen Klasse“ einen puristischen Stil, der deutlich an die Design-Strategie von Apple erinnert. Gemeinsam ist beiden Herstellern der Rückgriff auf ihre eigene Designgeschichte. Mercedes setzt beim CLA etwa auf eine Front mit 142 leuchtenden Stern-Elementen.

Auch ein BMW ist im Dunkeln klar erkennbar – durch markante, zugleich schlicht gehaltene Lichtsignaturen, die klassische Designelemente wie die Niere und Doppelscheinwerfer neu interpretieren. Beim Geländewagen iX3 sind diese eher vertikal ausgeführt, beim i3 verlaufen sie horizontal über die gesamte Fahrzeugbreite.

Elektro oder Verbrenner? Bei den Antriebsstrategien zeigen sich deutliche Unterschiede. Mercedes – wie auch Porsche – setzte lange Zeit stark auf eine schnelle Elektrifizierung und musste später nachjustieren. BMW-Chef Oliver Zipse hingegen hielt konsequent an der Technologieoffenheit fest: Neben Elektroautos wurden auch Verbrenner und Hybridmodelle, ja sogar die Brennstoffzelle weiterentwickelt.

BMW-Strategie macht Unternehmen stabiler

Diese Strategie wurde lange kritisiert, lässt BMW heute angesichts der heftigen Marktschwankungen aber deutlich stabiler dastehen. Weder muss das Unternehmen mit Milliardenaufwand seine Strategie korrigieren noch stehen dort große Programme zum Abbau von Arbeitsplätzen an, wie sie bei den großen Autobauern in der Region Stuttgart zurzeit laufen. Die Geschäftszahlen von BMW fielen im 2025 deutlich besser aus als die von Mercedes. Die Rendite ist höher, die Verkäufe stiegen leicht, während sie bei Mercedes um neun Prozent sanken.

 Wenige Wochen vor seinem Ausscheiden wird Zipse daher vielfach als Manager gewürdigt, der einen besonders klaren Blick auf Markt und Transformation bewahrt hat – auch gegen Widerstände. Welchen Rückhalt er im Unternehmen genießt, zeigte sich bei der Präsentation des i3 im Münchner BMW-Park: Als Zipse aus dem Auto stieg, erhielt er minutenlangen Applaus von Tausenden Beschäftigten – ein ungewöhnlich emotionaler Moment für einen Industriekonzern.

Auch bei der Fertigungsstrategie geht BMW eigene Wege. Das Stammwerk in München wird derzeit im laufenden Betrieb umgebaut und soll künftig ausschließlich Elektroautos produzieren. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch zur Technologieoffenheit wirkt, ist die Konsequenz aus dem Erfolg des Unternehmens bei E-Autos.

BMW-Stammwerk baut bald nur noch E-Autos

Man geht schlicht davon aus, inzwischen so viele E-Autos verkaufen zu können, dass man ein ganzes Werk damit auslasten kann, das mit gut 6000 Beschäftigten ähnlich groß ist wie das von Mercedes in Rastatt. Mercedes hat bisher einen E-Anteil von 8, BMW von 18 Prozent.

Mercedes verfolgt dagegen, so wie BMW an anderen Standorten, eine flexible Produktionsstrategie: Werke wie Sindelfingen, Rastatt und Kecskemét (Ungarn) sind für verschiedene Antriebsarten ausgelegt, was die Standorte angesichts der schwachen Nachfrage nach E-Autos enorm stabilisiert. Diese Technologieoffenheit der Produktion kostet allerdings Geld, das sich BMW am Standort München künftig spart. Die Produktionskosten sinken dort um zehn Prozent – ein großer Wurf.

Am 14. Mai wird Zipse als Vorstandschef abgelöst. Dass sein Nachfolger, Milan Nedeljković, bislang für die Produktion verantwortlich ist, unterstreicht die Bedeutung der Fertigungsstrategie für BMW. Zugleich zeigt es, wie klar die Eigentümer den Kurs unterstützen, für den neben Zipse auch sein künftiger Nachfolger eine zentrale Rolle spielt.

Disclaimer: Dieser Beitrag enthält Eindrücke einer Reise nach München, die auf Einladung von BMW erfolgte.

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