Bob-WM in Altenberg Francesco Friedrich – ein Rekord mit Ansage

Von Klaus-Eckhard Jost 

Francesco Friedrich gewinnt in Altenberg zum sechsten Mal in Serie den Weltmeistertitel im Zweierbob – das gab es noch nie.

Der König in der Bobbahn: Francesco Friedrich Foto: AP/Jens Meyer
Der König in der Bobbahn: Francesco Friedrich Foto: AP/Jens Meyer

Altenberg - Auch im Moment seines größten Triumphes blieb sich Francesco Friedrich treu. Keine ausgelassenen Freudensprünge, lediglich ein breites Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit. Dabei hatte der Bobpilot aus Pirna Historisches vollbracht. Auf seiner Heimbahn in Altenberg wurde der 29-Jährige erneut Weltmeister im Zweierbob. Seit 2013 hält Friedrichs Siegesserie an – und er damit den Rekord von sechs WM-Titel nacheinander. „Genial, dass wir das geschafft haben“, rief er den etwa 3000 Fans zu, die im Dauerregen ausgeharrt hatten. Und sprach dann: „Das ist eine Bestmarke für die Ewigkeit.“

Sein Anschieber Thorsten Margis, ein 1,92 Meter großer Hüne, kämpfte mit den Tränen. Dann gestand der Mann, der der Motor im Friedrich-Schlitten ist: „Wir hatten einen enormen Druck und wir hatten auch die Momente, in denen wir uns nicht sicher waren.“ Doch gemerkt hat man davon nichts. Vom ersten Lauf an ließ der Doppel-Olympiasieger keinen Zweifel aufkommen, dass ihn einer seiner Konkurrenten von seiner Rekordjagd abbringen könnte. In 54,00 Sekunden raste er durch den 1413 Meter langen Eiskanal. Damit hatte er seinen eigenen Bahnrekord um 48 Hundertstelsekunden unterboten. Und war trotzdem enttäuscht: „Wir waren etwas zu langsam. Eigentlich hatten wir uns eine 53,99 vorgenommen.“ Nach vier Durchgängen hatte er 1,65 Sekunden Vorsprung auf Teamkollege Johannes Lochner.

Friedrich, der Wettkampftyp

Bereits im Vorfeld machte Friedrich nicht den Eindruck, unter einer besonderen Erwartungshaltung zu leiden. Eine Erwartungshaltung, die er selbst provoziert hat. Immer wieder hat er angefangen von seinem großen Ziel zu sprechen. Mit aller Macht wollte er diesen Rekord. „Franz ist ein Wettkampftyp, ihn bringt nichts aus der Ruhe“, charakterisiert ihn sein Entdecker und Trainer Gerd Leopold. „Franz ist immer voll da, wenn es um Medaillen geht“, sagt Bundestrainer René Spies. Dieses Wissen hat ihn stark gemacht. Als weiteren Vorteil nennt Leopold: „Er kann sich eine neue Bahn extrem schnell erarbeiten.“ Dies war auf der anspruchsvollen Strecke in Altenberg überflüssig, trotzdem hat er seit zweieinhalb Jahren bei unzähligen Trainingsfahrten unter den verschiedensten Witterungsbedingungen sein Material aussortiert. Was ihm an diesem Wochenende auch genutzt hat, denn die Bedingungen am Samstag mit Trockenheit und kalten Temperaturen und Regen sowie Wärme am Sonntag waren völlig unterschiedlich.

Coach Leopold hatte schon früh Friedrichs besonderen Fähigkeiten erkannt. Als „Jahrhunderttalent“ beschrieb er ihn einmal. Deshalb hatte er sich 2011 einen Termin beim Pirnaer Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke geben lassen. Das Gespräch begann Leopold mit der kecken Frage: „Wollen Sie 2014 einen Medaillengewinner im Rathaus empfangen?“ Auf das verdutzte „Warum?“ antwortete er: „Ich hätte einen Kandidaten, der braucht aber Unterstützung.“ Von diesem Moment an half Hanke bei der Sponsorenakquise – vom Privatdetektiv über den Getränkehändler bis zum Baugeschäft. Mittlerweile hat diesen Part der Pilot übernommen. Doch trotz der Erfolge sei diese Aufgabe schwierig. „Es ist nicht so, dass ich mit dem Finger schnipse und die Sponsoren kommen“, erzählt er.

Empfang im Rathaus

Mit dem goldenen Empfang 2014 wurde es aber noch nichts. In Sotschi erlebten die deutschen Bobfahrer ein Debakel. Friedrich wurde im Zweier als Weltmeister Achter, im Vierer gar nur Zehnter. Doch vier Jahre später kehrte er mit Gold dekoriert aus Pyeongchang zurück. Olympiasieger im Zweier und Vierer. Neben seinem athletischen und fahrerischen Talent ist auch der Mensch Friedrich für den Erfolg verantwortlich. Weil er eine familiäre Stimmung innerhalb seines Teams schafft, herrscht bei seinen Anschiebern sehr wenig Wechsel. „Ich bin mit allen eng“, bekennt Friedrich. Deswegen sagt Margis: „Franz hat ein unheimlich großes Luxusproblem.“

Den WM-Rekord hat Friedrich nun geschafft, schon nimmt er die nächste Bestmarke ins Visier. 37 Weltcupsiege stehen in seiner Erfolgsliste. Die Bestmarke von André Lange liegt bei 45. Doch damit nicht genug. Bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking möchte er seine beiden Siege wiederholen. Was auch noch keinem Piloten gelungen ist. Seine Motivation? „Vielleicht schaffe ich es mal der Erfolgreichste in allen Variationen zu sein. Dann habe ich so ein kleines Lebenswerk gebastelt.“