Bodenbeläge aus Bietigheim Armstrong DLW stellt Insolvenzantrag

Von tht 

Der Traditionsbetrieb muss einen Investor finden, sonst droht 830 Mitarbeitern in Bietigheim-Bissingen und Delmenhorst der Jobverlust. Geschäftsführer Charles Irving-Swift zeigt sich im Gespräch mit der StZ zuversichtlich.

Ein DLW-Mitarbeiter in Delmenhorst kontrolliert den Zustand des frisch produzierten Linoleum-Fußbodenbelages. Foto: dpa
Ein DLW-Mitarbeiter in Delmenhorst kontrolliert den Zustand des frisch produzierten Linoleum-Fußbodenbelages. Foto: dpa

Stuttgart - Der Bodenbelaghersteller Armstrong DLW GmbH hat den Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Heilbronn gestellt, teilte das Unternehmen mit Sitz in Bietigheim-Bissingen am Freitag mit. Damit droht 830 Mitarbeitern an den Standorten Bietigheim und Delmenhorst (Niedersachsen) sowie in mehreren europäischen Vertriebsbüros der Verlust ihrer Arbeitsplätze. Der US-Mutterkonzern Armstrong World Industries hatte vorher bekanntgegeben, die Tochter ab sofort nicht mehr zu finanzieren. Die Amerikaner begründeten ihren Rückzug mit „anhaltend enttäuschenden Ergebnissen, erfolglosen Sanierungsmaßnahmen und fehlgeschlagenen Investitionen“, wie der Armstrong-Vorstandschef Matthew Espe in einer Stellungnahme mitteilte.

Die Belegschaft reagierte nach den Worten des stellvertretenden Bezirksleiters der Gewerkschaft IG BCE in Stuttgart, Wendelin Schmidt, geschockt auf den Schritt der Konzern-Mutter. Die Mitarbeiter seien am Donnerstag in einer Belegschaftsversammlung informiert worden. Keiner habe damit gerechnet, so Schmidt. Die Produktion sei so gut wie ausgelastet, die Kunden wollten die Produkte. In der Mitteilung des Eigentümers heißt es dagegen, die deutsche Tochter weise für die ersten drei Quartale 2014 einen operativen Verlust von 23,2 Millionen Dollar (18,7 Millionen Euro) aus. „Trotz Investitionen in Höhe von 150 Millionen Dollar seit 2007 war DLW nicht in der Lage, Profit zu erwirtschaften oder seine strategischen Ziele zu erreichen“, heißt es weiter.

Hauptabnehmer für Linoleum sind Kliniken und Schulen

In der Vergangenheit war wiederholt Personal abgebaut worden. Im Delmenhorster Werk, dem letzten deutschen Linoleum-Produktionsstandort, wurden erst im Frühjahr 60 Stellen gestrichen, übrig blieben 370 Beschäftigte. Der Jahresumsatz des Herstellers von Bodenbelägen aus Linoleum, Vinyl und Nadelvlies (beides Bietigheim) betrug zuletzt rund 160 Millionen Euro. Hauptabnehmer für Linoleum sind Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen.

Der Insolvenzantrag bedeute nicht das Aus der deutschen Standorte, betonte der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Stuttgarter Rechtsanwalt Martin Mucha. „Unser Hauptaugenmerk gilt der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes sowie der Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter an den Standorten Bietigheim-Bissingen und Delmenhorst“, so Mucha. Der Insolvenzverwalter äußerte im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung die Hoffnung, das Unternehmen in der Insolvenz vollständig sanieren zu können; er räumte aber ein, dass dies nicht ohne einen neuen Investor gelingen könne: „Aus eigener Kraft wird es das Unternehmen nicht schaffen.“ Sowohl einen Finanzinvestor als auch einen strategischen Investor aus der Branche wollte Mucha nicht ausschließen. Das Sanierungskonzept soll bis spätestens Ende Februar vorliegen.

Die Firma schreibt seit dem Verkauf 1998 rote Zahlen

Von mehreren Interessenten sprach der DLW-Geschäftsführer Charles Irving-Swift am Freitag. Das Unternehmen habe keine Bankschulden, müsse sich allerdings im Zuge der Insolvenz von großen Pensionsbelastungen befreien. Der Brite räumte im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung ein, dass die Firma, seit sie 1998 durch die Amerikaner übernommen wurde, stets rote Zahlen geschrieben habe.

Durch verschiedene Maßnahmen sei es jedoch gelungen, die Produktivität zu erhöhen: So wurden zwei Werke in Großbritannien und Schweden geschlossen, fast 600 Arbeitsplätze abgebaut und die Textilsparte verkauft. „Wir konnten die Kosten gewaltig reduzieren“, so Irving-Swift. „Aber wir haben es nicht geschafft, den Umsatz zu erhöhen.“ Dabei sei man nun auf einem guten Weg. Neue Produkte stünden vor der Einführung und Großaufträge im Nahen Osten konnten an Land gezogen werden. Doch die Besitzer seien zu ungeduldig geworden, so der Geschäftsführer, der trotzdem zuversichtlich bleibt: „Wir können diese Talfahrt überleben und in sechs bis neun Monaten mit einem neuen Eigentümer gesünder da stehen als zuletzt.“