Bodensee-Durchquerung „Das absolut härteste Rennen“

Von Messner, Wolfgang 

Der Extremschwimmer Christof Wandratsch hat den Bodensee der Länge nach durchquert – in Rekordzeit. Im Interview erklärt er, warum er den Bodensee vorerst nicht mehr betreten wird.

Der Extremschwimmer Christof Wandratsch ist stolz auf seine Leistung. Foto: Messner
Der Extremschwimmer Christof Wandratsch ist stolz auf seine Leistung. Foto: Messner
Herr Wandratsch, wie oft wollten Sie aufgeben?
Die letzten acht Stunden gut tausend Mal.
Sie haben hier einen Rekord aufgestellt, den niemand zuvor geschafft hat. Schon gar nicht in der Zeit. Ein Weltrekord sozusagen.
Ja, super. Ohne meinen Trainer Stefan Hetzer und meinen Betreuer Matthias Hofmann hätte ich das nicht geschafft. Die haben eine super Arbeit geleistet.
War Ihnen kalt?
Nach elf Stunden hat mich alles angekotzt. Da war es kalt, und ich bin nicht vorwärts gekommen. Aber insgesamt muss ich sagen, war es nicht zu kalt.
Sie hatten auch mit Gegenwind zu kämpfen...
Ja, schon. Schlimmer aber war die Strömung. Die zweite Hälfte bin ich fast nur noch gegen die Strömung geschwommen. Wenn man eh schon am Ende ist, muss man noch kämpfen um die letzten tausend Meter. Da dachte ich, ich komm’ überhaupt nimmer an. Oh mei, oh mei . . .
Auf was freuen Sie sich am meisten?
Ich weiß es nicht. Nichts. Ich bin wunschlos glücklich. Mein größtes Ziel hab’ ich erreicht . . .
Wie hart war die Herausforderung?
Das war das mit Abstand das härteste Rennen, das ich je geschwommen bin.
Warum?
Ich bin noch nie so lange geschwommen. Das war sowohl von den Kilometern als auch von der Distanz her absolut das härteste. (reibt sich wieder über die Augen)
Ist der Kopf der größte Feind, der einem sagt: gib doch auf?
Gerade am Schluss. Da tut einem alles weh. Da ist man mental sehr gefordert. Da diskutiert und motzt man rum. Mein Trainer und mein Betreuer motzen dann zurück. Das müssen die auch. Am Ende passt es dann. Wir sind alle sehr glücklich.
Vom Wasser haben Sie aber erst einmal genug?
Es wäre Schwachsinn zu sagen, ich hasse das Wasser. Ich muss mich erst einmal erholen, muss das alles realisieren, was ich da geschafft habe. Aber in den Bodensee gehe ich so schnell nicht mehr.
Wieso denn?
Da war ich lang genug drin. Das reicht mir jetzt. Der ist ganz schön, der Bodensee. Ich komme vielleicht zurück, um hier geführte Schwimmreisen anzubieten. Wer Lust hat, der schwimmt mit mir eine Woche lang durch den See, jeden Tag so zehn Kilometer. So was: ja. Aber sonst: Na. Ich hätte jetzt auch keinen Bock, wieder zurückzuschwimmen. Ehrlich nicht.