Bodensee Ferien fürs schwimmende Klassenzimmer
Lernen im Urlaub und auf dem Schiff? Seit zehn Jahren kann man auf der MS Überlingen schippern und etwas über den Bodensee erfahren. Doch jetzt ist erst mal Pause.
Lernen im Urlaub und auf dem Schiff? Seit zehn Jahren kann man auf der MS Überlingen schippern und etwas über den Bodensee erfahren. Doch jetzt ist erst mal Pause.
Wer kommt schon auf die Idee, dass er sein Badezeug heiß wäscht und mindestens vier Tage trocknet, wenn er erst im Mittelmeer und später im Bodensee schwimmen geht? Die Frage klingt merkwürdig, und doch führt sie mitten hinein in die Biologie, genauer: in das Eindringen von Tieren in Lebensräume, in denen sie nichts verloren haben. Exakt das soll verhindert werden, indem Badehose oder Bikini beim Wechsel des Badeortes gründlich gereinigt werden. Denn in der Textur können sich winzige Mikroben oder Larven verbergen, die am nächsten Ort schlüpfen und sich vermehren.
Der gute Rat stammt von Carina Dambacher, die als Umweltpädagogin den Bodensee befährt.
Auf dem Motorschiff Überlingen war sie auch diesen Sommer Stammgast. In dem schick eingerichteten Schiff, 700 Plätze, schlug sie zwei Mal in der Woche ihr Lager auf. Immer freitags und sonntags hielt Dambacher ihr „Schwimmendes Seminar“ ab. Während die „Überlingen“ den Konstanzer Hafen verließ, erklärte sie, dass der See 63 Kilometer lang ist. Bis der Dampfer Meersburg erreicht hatte, haben die Passagiere einigesa über beliebte und unbeliebte Fische erfahren, über den schmackhaften Felchen und seinen Feind, den Stichling. Vier Mal hielt sie den Vortrag an diesem sonnigen Sommertag. Die Wiederholung stört nicht, da die meisten Passagiere nur einen Teil des Kurses an Bord waren und etwa an der Mainau ausstiegen.
Vor Beginn der Fahrt warb Dambacher wie immer über Lautsprecher für das ungewöhnliche Angebot. Viele Urlauber zogen freundlich nickend an dem Salon vorüber, in dem die Referentin ihr Wissen zum besten gab. Die meisten bevorzugten dann doch eines der oberen Decks und einen Platz im Freien, wo sie das Ufer vorbeiziehen sahen. Schulpflicht herrscht an Bord keine. Aber immerhin, es ist eine knappe Klassenstärke, die sich vor dem Bildschirm versammelte und den Ausführungen lauschte. Doch die, die zuhörten, waren hinterher zufrieden. Sie nahmen einiges mit, etwa dass die tiefste Stelle des Sees bei respektablen 251 Metern liegt. „Ich erlebe viel Anerkennung und Wertschätzung“, sagt die Pädagogin. Ihr ist klar: „Jeder kann etwas tun. Und wenn es nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein ist.“ Etwa die Badehose gründlich waschen.
Die Seminare an Bord waren auch im zehnten Jahr gratis. Sie wurden wieder im Auftrag trag der Umweltakademie des Landes Baden-Württemberg durchgeführt. Die Akademie wurde 1986 gegründet, im Jahr der Tschernobylkatastrophe, als vielen Menschen klar wurde, dass Deutschland kein abgeschiedener ökologischer Raum ist und Umweltereignisse keine Landesgrenzen respektieren. 40 Jahre später ist der Klimawandel ein Phänomen, das den meisten der Zuhörer an Bord bekannt ist. „Ab und zu meldet sich jemand, der von Klimalüge spricht“, sagt Dambacher. Doch die Mehrheit stelle sich solchen Aussagen dann schnell entgegen, und das sei ein gutes Zeichen.
Die Bilanz dieser Reihe sieht gut aus: „Wir hatten mehr Besucher als im vergangenen Jahr“, berichtet die Umweltpädagogin. Das habe unter anderem mit dem schlechten Wetter Ende Juli zu tun, aber auch mit einem spürbar wachsenden Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge. Eine häufige Frage an Bord: Wie wirkt sich das Fangverbot für das Felchen aus? Die Vortragsreihe war unterschiedlich stark frequentiert: Manches Mal waren es nur zwei, ein anderes Mal bis zu 60 wissensdurstige Menschen, die im Salon Platz nahmen.