Gefährliche Vogelgrippe Bis zu 80 tote Tiere am gesamten Bodensee

Von red/dpa/lsw 

Am Bodensee sind Reiherenten an einer gefährlichen Form der Vogelgrippe gestorben. Das Ministerium schätzt die Zahl der verendeten Tiere in Baden-Württemberg, Österreich und der Schweiz auf bis zu 80. Nun werden Schutzmaßnahmen diskutiert.

Reiherenten am Bodensee sterben an einer gefährlichen Form der Vogelgrippe Foto: dpa
Reiherenten am Bodensee sterben an einer gefährlichen Form der Vogelgrippe Foto: dpa

Konstanz - Die Vogelgrippe hat den Bodensee erreicht. Bei Wildvögeln in der Region sei die gefährliche Variante vom Typ H5N8 nachgewiesen worden, teilte das Agrarministerium am Mittwoch mit. Das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems habe entsprechende Verdachtsfälle bestätigt. Minister Peter Hauk (CDU) will sich am Mittwochnachmittag (16.00 Uhr) über den aktuellen Stand ein Bild machen und über das weitere Vorgehen informieren. Da es sich um die für Geflügel ansteckende Variante handelt, werden Schutzmaßnahmen durch die Behörden ergriffen. Das Risiko für Menschen durch den H5N8-Erreger gilt als sehr gering.

Zwischen 70 und 80 tote Vögel gefunden

Nach Schätzung des Landwirtschaftsministeriums sind am gesamten Bodensee bislang zwischen 70 und 80 tote Vögel gefunden worden. Die Zahl enthalte aber auch Funde etwa in Österreich oder der Schweiz, sagte eine Sprecherin der Behörde. Auf baden-württembergischer Seite geht das Ministerium von 30 bis 35 Tierkadavern aus.

Allein nahe Konstanz waren laut Agrarministerium mehr als 30 tote Reiherenten gefunden worden. Der Landkreis bereite in enger Abstimmung mit dem Ministerium Maßnahmen vor, sagte der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle (CDU). Dazu gehöre etwa eine Stallpflicht für Geflügelhalter oder auch ein Anlein-Gebot für Hunde. Im benachbarten Bodenseekreis wurden nach Angaben des Landratsamtes in Friedrichshafen ebenfalls Tierkadaver gefunden, die tierärztlichen Untersuchungen standen zunächst aber noch aus.

„Keine überzogenen Maßnahmen“

Das Ministerium sei derzeit mit dem Regierungspräsidium in Freiburg sowie den zuständigen Behörden in der Schweiz und in Österreich in Kontakt, um mögliche Schutzmaßnahmen zu besprechen, sagte die Sprecherin. „Der Schutz der Betriebe steht im Mittelpunkt.“ Es gehe darum, sinnvolle, aber nicht überzogene Maßnahmen zu treffen. „Das wägen wir gerade im Gespräch miteinander ab.“

Aus Sicht des Geflügelwirtschaftsverbands Baden-Württemberg wäre eine Stallpflicht in der betroffenen Region sinnvoll. „Wir wünschen uns das sogar“, sagte der Geschäftsführer Klaus-Peter Linn am Mittwoch. Der Vogelgrippe-Virus sei in Wildpopulationen latent vorhanden. „Da brauchen wir so viel Schutz wie möglich.“

Auch in Schleswig-Holstein ist die gefährliche Vogelgrippe-Form ausgebrochen. Dort gilt im ganzen Bundesland eine Stallpflicht für sämtliches Geflügel. Bei Vogelgrippe-Fällen in Mannheim handelte es sich um einen weniger gefährlichen Typ.

Seit November 2014 wurden hochpathogene H5N8-Viren in mehreren Geflügelbetrieben in Deutschland und anderen europäischen Ländern entdeckt. Infektionen von Menschen mit den Viren sind laut Friedrich-Loeffler-Institut bislang weltweit nicht nachgewiesen worden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“.