Sarah Kreidler und ihr Team halten in Esslingen dem Regen Stand. Foto: Roberto Bulgrin
Einfach Wasser aufdrehen – und schon läuft’s? Dahinter steckt ein weit verzweigtes System. In Esslingen mischt sich Bodensee- mit Quellwasser. Warum das gut für Verbraucher ist.
Durst? Nur kurz den Wasserhahn aufdrehen, und schon fließt glasklares Trinkwasser heraus. Aber woher genau kommt eigentlich das Trinkwasser im Kreis Esslingen? Um auf den Ursprung und auch die Zukunft unseres Trinkwassers aufmerksam zu machen, veranstaltet die Bodensee-Wasserversorgung einen siebentägigen Staffellauf, der dem gesamten Leitungsnetz folgt.
Dabei wird nach jeder Etappe etwas Wasser aus dem Bodensee in einer Wasserfackel übergeben. Los ging es am vergangenen Montag in Sipplingen am Bodensee. Enden soll die Aktion am kommenden Sonntag in Bad Mergentheim, im Norden von Baden-Württemberg. Der Bodensee-Wasser-Lauf machte am vergangenen Mittwoch auch Halt in Esslingen.
Wasserlauf in Esslingen – nass, aber engagiert
Ganz so wie geplant, lief es in Esslingen dann doch nicht. Eigentlich sollte die Wasserfackel in zwei Etappen in die Stadt kommen: von Metzingen nach Nürtingen, und von Nürtingen nach Esslingen. Anhaltender Regen und eine Wetterwarnung führten dann aber dazu, dass die zweite Etappe abgebrochen werden musste. Einen Infostand gab es auf dem Esslinger Rathausplatz trotzdem.
Eine Staffelübergabe gab es dann doch in Esslingen. Im Bild: Sarah Kreidler und Jörg Eckert. Foto: Bodensee-Wasserversorgung
Während es in Strömen regnet, stehen dort Sarah Kreidler von der Unternehmenskommunikation der Bodensee-Wasserversorgung und Jörg Eckert, technischer Leiter bei den Stadtwerken Esslingen, unter einem Schirm. Als Team wollen sie die Fragen von Passanten beantworten, denn, um es in Eckerts Worten zu sagen: „Die Mischung macht’s.“
So funktioniert die Trinkwasserversorgung
„Bei der Trinkwasserversorgung gibt es zwei Säulen“, erklärt Kreidler. Zum einen gebe es eigene Quellen, durch die sich Städte und Gemeinden selbst versorgen können. Zum anderen gibt es die Fernwasserversorger. In Baden-Württemberg sind das in der Regel die Landeswasserversorgung und die Bodensee-Wasserversorgung. Laut den beiden Experten, ist unser Trinkwasser in der Regel eine Mischung aus Quell- und Fernwasser.
Die Mischung des Wassers bringt für Verbraucherinnen und Verbraucher Vorteile mit sich. „Eigene Quellen haben oft härteres Wasser. Das Wasser vom Bodensee ist im Vergleich weicher, da bietet es sich an zu mischen“, so Kreidler. So könne das Geld und der Aufwand zur Verbauung von Entkalkungsanlagen zum Beispiel gespart werden.
Woher kommt unser Trinkwasser?
Woher genau das Wasser aus dem Wasserhahn kommt, hängt in erster Linie vom Wohnort ab. Esslingen zum Beispiel bekommt sein Wasser zum größten Teil von der Landeswasserversorgung. „Der Neckar ist hier quasi die Grenze“, sagt Eckert. Ein Teil der Stadtgebiete, die unterhalb des Neckars liegen, würden ihr Wasser vom Bodensee bekommen. Nürtingen hingegen bezieht sein Wasser ausschließlich vom Bodensee.
Je nach Versorger und der Mischung ist das Trinkwasser mal härter oder weicher. Im Alltag hat das jedoch nur wenige Auswirkungen auf Verbraucherinnen und Verbraucher. Beim Waschen mit härterem Wasser brauche es zum Beispiel mehr Waschmittel, oder der Wasserkocher müsse häufiger entkalkt werden. „Manche Leute schmecken auch den Unterschied“, fügt Eckert hinzu.
Sanierung und Erneuerung der Wasserinfrastruktur
Der Bodensee-Wasser-Lauf will aber nicht nur über das Trinkwasser informieren. Zentral sind auch die Projekte „Lebensadern“ und „Zukunftsquelle“. Das Projekt Zukunftsquelle sieht die Sanierung und Erneuerung der Wasseranlagen am Bodensee vor. Im Zuge des Projekts Lebensadern soll zudem das gesamte Leitungsnetz der Bodensee-Wasserversorgung saniert und erneuert werden. Laut dem Zweckverband handelt es sich um ein „über mehrere Jahrzehnte angelegtes Programm“.
Während dem Wasserlauf wird nach jeder Etappe etwas Wasser aus dem Bodensee in einer Wasserfackel übergeben. Foto: Bodensee-Wasserversorgung
Die Kosten beider Projekte werden von den Verbandsmitgliedern getragen, also unter anderem Gemeinden und Stadtwerken, die ihr Wasser vom Bodensee beziehen. Diese können die Kosten nach eigenem Ermessen weitergeben. Die Bodensee-Wasserversorgung schreibt auf ihrer Website deswegen, dass sie eine schrittweise Erhöhung des Wasserpreises für Bürgerinnen und Bürger im Verbandsgebiet erwartet. Über den aktuellen Stand beider Projekte informiert der Versorger auf seiner Website (www.bodensee-wasserversorgung.de).
Wasserversorgung im Kreis Esslingen
Landeswasserversorgung Die Landeswasserversorgung bezieht ihr Wasser Grundwasser aus dem Donauried nordöstlich von Ulm, von Flusswasser aus der Donau und von Quellwasser aus der Buchbrunnenquelle bei Dischingen. Die Verbandsmitglieder der Landeswasserversorgung werden über ein rund 775 Kilometer langes Leitungsnetz mit Trinkwasser versorgt.
Bodensee-Wasserversorgung Die Bodensee-Wasserversorgung entnimmt das Rohwasser in 60 Meter Tiefe. Dort ist es rein, klar und hat ganzjährig eine gleichbleibend niedrige Temperatur. Anschließend durchläuft das Wasser einen mehrschrittigen Prozess, bei dem es gesiebt, entkeimt und gefiltert wird. Schließlich wird es über das mehr als 1700 km lange Leitungsnetz nach ganz Baden-Württemberg geleitet.