Am Sonntag, 21.4. startet in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Böblingen die Ausstellung der Hildrizhausener Künstlerin Elena Schmidt. Bei der Vernissage um 11 Uhr in der Friedrich-List-Str. 69 spricht Corinna Steimel als Laudatorin. Thema ist „Heimat.los – Heimat.finden“.
Elena Schmidt, Heimatlos und Heimat finden – ist das ein Thema, das Sie besonders berührt?
In meiner Arbeit beschäftige ich mich seit Langem mit der Identität des Menschen. Ich erkannte, dass jeder Mensch seine ureigenen Emotionen in sich trägt, die sich in seinem individuellen Ausdruck spiegeln. Die Emotionen des einzelnen entwickeln sich aus seinem kulturellen Umfeld heraus. Und hier spielt nun auch der Begriff „Heimat“ eine große Rolle. - Was passiert mit den Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen? Was passiert, wenn unterschiedliche Heimaten aufeinandertreffen?
Ihr Material, die Teebeutel, passen sehr gut zum Thema „Heimat“. Worin würden Sie den Zusammenhang sehen?
Tee wird in allen Weltkulturen getrunken und oft als Ritual zelebriert. Er ist damit fester Bestandteil diverser Alltagskulturen und kann als Ausdruck kultureller Zusammengehörigkeit angesehen werden – besonders, wenn man die unterschiedlichen Gepflogenheiten rund um den Tee bedenkt. Das Ritual des Teetrinkens kann daher ein starkes Heimatempfinden hervorrufen. Werden Teebeutel für losen Tee zum Aufbrühen benutzt, färbt der Tee beim Trockenprozess den Filter. Das kann man sich wie Batik-technik vorstellen. Durch unterschiedliche Faktoren des Tees ist jede Filterfärbung einzigartig. Jeder Filter ist ein Unikat in Farbe, Form und Struktur. Jeder Teebeutel wurde genutzt zu seiner ursprünglichen Verwendung – also dem Tee trinken. r ist nach Gebrauch ein Abfallprodukt, das ich in einen neuen Kontext setze. So entsteht ein neuer Kreislauf. Der Duft verfliegt, die Farbe verblasst. Nichts bleibt wie es ist. Alles unterliegt einem Wandel. Und daraus geht immer wieder Neues hervor. Zeit, Vergänglichkeit, Veränderung und das „Nicht wahr haben wollen“, dass sich alles im stetigen Wandel befindet, sind die zentralen Themen, mit denen ich mich künstlerisch auseinandersetze.
Besonders gespannt bin ich auf die große Installation mit den Plüschtieren. Könnten Sie etwas dazu sagen?
Ich möchte mit meiner Kunst Geist und Augen öffnen. Ich möchte abstrakte Begriffe, Zahlen und Informationen greifbar und fühlbar machen. Kuscheltiere, Püppchen, Spieluhren o.ä. sind für die Entwicklung von Kindern sehr wichtig. Sie sind Freunde, Seelentröster, Mutmacher, Geheimnisträger und immer Vertraute von den Kindern. Sie schenken Wärme und Zuversicht und sind Hüter von Erinnerungen und Gefühlen. - Jährlich sterben Menschen während der Überquerung des zentralen Mittelmeers von
Nordafrika nach Europa. Im Jahr 2023 veröffentlichten Experten des UN-Kinderhilfswerks Unicef erstmals die Zahl der gestorbenen oder vermissten Kinder. Umgerechnet kommen sie
dabei allein für 2023 auf mindestens elf junge Menschen pro Woche. Ich habe diese Zahl auf ein ganzes Jahr hochgerechnet und übersetze sie in der Installation mit Kuscheltieren. Auch bei den Kuscheltieren und Puppen war es mir sehr wichtig, dass sie alle gebraucht und geliebt worden waren.
Wünschen Sie sich etwas von den Betrachtern, die Ihre Ausstellung ansehen?
Ich wünsche mir Achtsamkeit, Wertschätzung und Sensibilität. Nicht allein vom Betrachter meiner Ausstellung - sondern von uns allen im Umgang miteinander.
Weitere Veranstaltungen (außer der Vernissage) mit der Künstlerin sind jeweils in der Friedrich-List-Straße 69 am Dienstag, 23. April um 15 Uhr im Rahmen eines Erzählcafes für Ältere, am Freitag, 26.4., 19.30 Uhr als Künsteringespräch und bei der Finissage am 26.5.2024.
Die Bilder können im Rahmen des begleitenden Programms angesehen werden und gerne auch auf Anfrage im Pastorat, Tel. 07031 / 220570. Weitere Infos: www.emk-boeblingen.de.
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