Böblingen: Amtsgericht verurteilt 23-Jährigen Einbrecher muss für drei Jahre in Haft

Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht seit ein paar Jahren nach oben.  Im vergangenen  Jahr schlugen die Täter im Kreis Böblingen 427 Mal zu. Foto: Polizeiliche Kriminalprävention
Die Zahl der Wohnungseinbrüche geht seit ein paar Jahren nach oben. Im vergangenen Jahr schlugen die Täter im Kreis Böblingen 427 Mal zu. Foto: Polizeiliche Kriminalprävention

Ein nun zu drei Jahren Haft verurteilter Einbrecher hat zehn Taten gestanden. Bevor er einstieg, hat er sich vergewissert, dass niemand zu Hause ist.

Böblingen: Günter Scheinpflug (gig)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Böblingen - Bewegende Szenen haben sich am Böblinger Amtsgericht abgespielt, wo Opfer von Wohnungseinbrüchen und ihrer immer noch andauernden Angst berichteten. „Sie schließt sich jetzt zu Hause ein und möchte den gestohlenen Schmuck nicht zurück“, berichtete

etwa der 47 Jahre alte Lebenspartner einer 44-Jährigen. „Viele der Menschen, bei denen Sie in die Privatsphäre eingedrungen und sogar die Unterwäsche durchwühlt haben, sind noch immer traumatisiert“, warf der Vorsitzende Richter Werner Kömpf dem 23 Jahre alten Hauptangeklagten vor. Dieser hatte zwischen Dezember 2013 und Februar vergangenen Jahres zehn Mal alleine in Wohnungen eingebrochen und einen Gesamtschaden – inklusive der Beute – von 70 000 Euro angerichtet. Kömpf verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von drei Jahren.

Der Hauptangeklagte räumt alle zehn Taten ein

„Da hilft Ihnen auch ihr Geständnis nicht viel weiter“, bilanzierte der Amtsrichter. Zumal er erhebliche Zweifel hatte, ob bei dem einen oder anderen Einbruch nicht doch ein Komplize dabei gewesen sei, der nun nicht vor Gericht stehe. Meist suchte der 23-Jährige Gebäude an Ortsrändern heim: in Schönaich, Waldenbuch, Ehningen und Hildrizhausen. Im Kreis Calw stieg er in seinem Heimatort Wildberg in einen Bungalow ein, in Neubulach in ein Wohn- und Geschäftshaus, wo er mit vorgefundenen Werkzeugen wie einem Stemmeisen und einem Schneidbrenner zu Werke ging, einen Tresor aufbrach und Münzen sowie Schmuck mitgehen ließ. „Wenn ich Dich in meinem Haus angetroffen hätte, wäre ich Dir an die Gurgel gegangen“, sagte der 51 Jahre alte Neubulacher Hausbesitzer im Gerichtssaal zu dem Angeklagten. Ein Freund von ihm habe einmal einen Einbrecher erschossen, berichtete er. „Aus Notwehr.“ In puncto Schmerzensgeld behalte er sich zivilrechtliche Schritte vor. Denn seine Frau leide nach wie vor unter Angstzuständen.

„Der 23-Jährige ist stets nach derselben Methode vorgegangenen“, berichtete eine Polizeibeamtin vor dem Schöffengericht, „er schlug ein Fenster oder eine Tür mit einem Stein ein.“ Das sei ungewöhnlich, man habe die Taten deshalb zuordnen können. Möglicherweise gingen aber auch noch andere Einbrüche auf sein Konto, etwa im Saarland, wo die Mutter des 23-Jährigen wohne. Bei einer Hausdurchsuchung in Wildberg stellten Polizisten einen Teil des Diebesguts sicher – darunter auch eine Fotoausrüstung, Armbanduhren, Laptops und sogar Waffenattrappen. „Er hat wohl gedacht, dass es sich um eine funktionsfähige Schrotflinte handelt“, erklärte der betroffene Hausbesitzer vor Gericht.

Auch Familienschmuck von ideellem Wert gestohlen

Oft stahl der 23-Jährige Familienschmuck von ideellem Wert. Eine 57-Jährige schilderte ihren Schmerz mit Tränen in den Augen: „Mein Mann ist vor drei Jahren gestorben. Ich hatte seinen goldenen Ehering aufgehoben mit eingraviertem Namen. Außerdem ein Medaillon mit seinem Fingerabdruck. Das ist für mich das Allerschlimmste, dass das jetzt weg ist.“ Wie sie haben auch viele andere von den Versicherungen meist nur einen Teil des Werts von den gestohlenen Sachen erstattet bekommen. Zudem seien persönliche Erinnerungsstücke natürlich nicht zu ersetzen, sagte der Vorsitzende Richter Kömpf.

Der 23-Jährige versuchte, so viel wie möglich von seiner Beute zu Geld zu machen. Insgesamt rund 15 000 Euro habe er beim Verkauf des Goldschmucks erhalten, erklärte der 23-Jährige, der sich bei allen betroffenen Zeugen im Gerichtssaal entschuldigte. Einer Geschädigten riet er, wie sie sich künftig besser schützen könne: „Lassen Sie einfach ein Licht an.“

25 Jahre alter Bekannter wird für einen Einbruch verurteilt

Auf die Spur waren ihm die Ermittler gekommen, weil er einer Bekannten von seinen Einbrüchen berichtet und diese daraufhin die Polizei verständigt hatte. „Das war wohl Prahlerei, durch die Sie identifiziert werden konnten“, so Kömpf. Schon bei der polizeilichen Vernehmung hatte der 23-Jährige sämtliche ihm zur Last gelegten zehn Taten eingeräumt und angegeben, dass bei einem Einbruch auch ein 25 Jahre alter Bekannter aus Ludwigsburg dabei gewesen sei, der nun ebenfalls auf der Anklagebank saß.

Der 25-Jährige gestand den ihm vorgeworfenen, gemeinsamen Einbruch in Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen). Er habe zuerst den 23-Jährigen davon abbringen wollen, erklärte er. Dies sei ihm aber nicht gelungen – und er habe dann ebenfalls sämtliche Räume nach Bargeld und Schmuck durchsucht. Von der Beute im Wert von mehr als 4000 Euro habe er lediglich 500 Euro erhalten, so der 25-Jährige. Ihn verurteilte das Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die es auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Außerdem muss er eine Geldstrafe von 1500 Euro zahlen.

Die Einbrüche gaben ihm „einen besonderen Kick“

Die beiden Täter waren einst Arbeitskollegen. Inzwischen sind sie für unterschiedliche Unternehmen tätig: der 25-Jährige als Lagerist, der 23-Jährige als Modellbauer. Der Hauptangeklagte, für den der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten gefordert hatte, gab an, die Einbrüche wegen seiner Schulden begangen zu haben. Bei Freunden und bei seiner Bank stehe er mit insgesamt 15 000 Euro in der Kreide. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte er aber auch zugegeben, dass die Einbrüche ihm einen „besonderen Kick“ gegeben hätten.

Bevor er in die Häuser eingestiegen sei, habe er vorher stets geklingelt: „Um sicher zu sein, dass niemand da ist.“ Zudem behauptete er, dass er stets „rein zufällig“ an die Tatorte gekommen sei: „Ich bin immer herumgefahren und habe geschaut, wo ich einbrechen kann“, sagte der 23-Jährige. Kömpf nahm ihm das nicht ab: „Sie haben die Objekte ausbaldowert und sind zielgerichtet vorgegangen. Dahinter steckt eine hohe kriminelle Energie.“




Unsere Empfehlung für Sie