Gebaut wird bereits seit Sommer vergangenen Jahres und täglich kann man die Gebäude ein Stückchen wachsen sehen. Die offizielle Grundsteinlegung für die neue Flugfeldklinik war jedoch an diesem Freitag: Mit viel Prominenz, darunter der Sozialminister des Landes, Manfred Lucha, wurde am Vormittag der Bau des neuen zentralen Klinikums auf dem Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen gefeiert. Nachmittags durften interessierte Bürger über die Baustelle marschieren, um sich den jetzigen Stand anzuschauen und die weiteren Pläne zu erkunden.
Viele Familien mit Kindern nutzten die Chance, einmal hinter die Kulissen einer solchen Riesenbaustelle zu blicken. So auch Familie Göhner aus Weil der Stadt, die ihrem zweijährigen Vincent, ein ausgesprochener Baggerfan, etwas Besonderes bieten wollte. Auch die Eltern finden den Neubau einer zentralen Flugfeldklinik gut. „Aber neue Gebäude allein reichen nicht, wenn es nicht genügend Personal gibt, und das fehlt überall in der Pflege“, sagt Pierre Göhner, der selbst als Altenpfleger tätig ist. „Mehr Effizienz in der Patientenversorgung“ erhofft sich Mark Stoffel aus Magstadt. Er arbeitet in unmittelbarer Nachbarschaft der Flugfeldklinik, im Sindelfinger Mercedes-Werk. „Ich bin neugierig und wollte sehen was sich hier so alles tut.“ Beeindruckt ist er von dem vielen Stahl, der momentan in der Magistrale, der Hauptachse der künftigen Klinik verarbeitet wird.
Der höchste Kran ragt 70 Meter in den Himmel
Die Zahlen sind imponierend. 13 000 Tonnen Betonstahl werden im Laufe der Bauzeit verarbeitet, und 76 000 Kubikmeter Stahlbeton. Bis zu 550 Arbeiter sind gleichzeitig auf der Riesenbaustelle beschäftigt. Sieben Kräne, der höchste misst 70 Meter, hieven die Bauteile an die richtigen Stellen. Vier Jahre sind für die Bauzeit veranschlagt. 2025 soll die Klinik in Betrieb gehen. 700 Betten wird es geben und mehr als 2300 Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen und andere Mitarbeiter werden sich um jährlich 37 000 stationäre und bis zu 120 000 ambulante Patienten kümmern.
Mit 573 Millionen Euro ist der Bau kalkuliert, 226 000 Euro davon gibt es als Zuschuss vom Land. „Saumäßig viel Geld, aber gut investiert“, befindet der Minister Lucha in seiner Festansprache. „Nicht genug“, meinen hingegen der Böblinger Landrat Roland Bernhard und der Klinikverbundsgeschäftsführer Martin Loydl. Stichworte: Ukraine-Krieg, Lieferprobleme, Preissteigerungen. Mehrfach ergeht daher die Bittet an Lucha, doch finanziell nachzusteuern. Das kann der Minister nicht versprechen, sagt aber: „Diese Probleme sind uns bekannt und wir werden darüber nachdenken.“
Der Feier im Rohbau der künftigen Radiologie mit mehreren Ansprachen, in denen von „einem Meilenstein in der Gesundheitsversorgung“ und einem „Leuchtturmprojekt“ die Rede ist, folgt die eigentliche Grundsteinlegung. Eine Zeitkapsel wird eingemauert mit wichtigen Zeitdokumenten, damit in 50 oder 100 Jahren die Nachfahren bei Öffnung der Kapsel wissen, was zur Zeit des Klinikbaus aktuell gewesen ist .
Neben einer Tageszeitung legt der Landrat den Grundsatzbeschluss des Kreistags zum Klinikneubau in die Kapsel sowie die erste Postbriefsendung, mit der die Bürger im Kreis vor zehn Jahren über das Projekt informiert worden waren. Der Sozialminister steuert den Förderbescheid des Landes bei. Der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer hat den Vertrag der Stadt mit dem Kreis aus dem Jahr 2014 mitgebracht. Vereinbart worden war damals, dass nach dem Rückzug Sindelfingens aus dem Klinikverbund Südwest der Landkreis sich zum Neubau einer Klinik verpflichtet. „Und Sie haben das Versprechen eingehalten“, so Vöhringer.
Göttlicher Segen für den Neubau
Sein Böblinger Kollege Stefan Belz legt ein aktuelles Amtsblatt sowie ein Foto des Böblinger Gemeinderats in die Kapsel, der Bauprojektleiter Harald Schäfer steuert die digitalen Pläne zum Bau bei. Die Dekane, der evangelische Markus Frasch und der katholische Anton Feil, verewigen die Pläne zur Gestaltung der Klinikkapelle. Eine Pflegezeitschrift legt der Pflegedirektor Tomas Hrubesch in die Kapsel. Und zur allgemeinen Erheiterung hat der Ärztliche Direktor Guy Arnold einen – wohlgemerkt negativen – Coronatest für den Grundstein mitgebracht. Auch göttlichen Segen erhält der Bau - darum bitten die beiden Dekane.
Die Besucher am Nachmittag sind begeistert. Mit Videoanimationen und an einem Modell können sie sich einen Eindruck verschaffen, wie die Klinik einmal aussehen wird. „Modern, hell und übersichtlich“, lobt eine Besucherin. Die Zusammenlegung der bisherigen Kliniken in Sindelfingen und Böblingen zu einer zentralen, eine andere. „Wir wissen dann, wohin wir müssen. Mir ist schon passiert, dass ich in die Sindelfinger Klinik gefahren bin und nach Böblingen geschickt wurde. Das gibt es bald nicht mehr.“
Mehr als 5000 Mitarbeiter
Klinikverbund Südwest
Zum Klinikverbund gehören aktuell sechs Kliniken mit insgesamt 1500 Betten in den Kreisen Böblingen und Calw. Träger des Verbunds sind die beiden Landkreise. Wenn die Flugfeldklinik eröffnet wird, werden die Häuser in Böblingen und Sindelfingen geschlossen.
Mitarbeiter
Mehr als 5000 Menschen arbeiten in den Häusern des Verbunds und versorgen pro Jahr 80 000 Patienten stationär und 320 000 ambulant.