Böblingen/Berlin Schießlärm: ein kleiner Schritt nach vorne

Die  Übungen auf den offenen Schießbahnen vier und fünf (links vorne) treiben die Nachbarn auf die Barrikaden. Foto: Friedrich Stampe
Die Übungen auf den offenen Schießbahnen vier und fünf (links vorne) treiben die Nachbarn auf die Barrikaden. Foto: Friedrich Stampe

Die US-Armee verspricht beim Schießlärm-Gipfel, bis Juli ein Konzept zur Schalldämmung vorzulegen. Zudem will sie besonders laute Übungen verlegen. Die Bürgerinitiative ist enttäuscht von diesem Ergebnis.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
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Böblingen/Berlin - Zwischen Euphorie und Enttäuschung schwanken die Reaktionen auf das Ergebnis eines Schießlärm-Gipfels in Berlin. Von einem Erfolg spricht der CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz, auf dessen Initiative der Termin im Bundesverteidigungsministerium zustande gekommen war. Deutlich skeptischer zeigt sich Ulrich Durst, der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) gegen den Schießlärm, der nicht am Gespräch teilgenommen hatte. „Die Ergebnisse sind sehr ineffizient, und für uns sieht es nach einer weiteren Verschleppung der Umsetzung von Lärmdämmungsmaßnahmen aus.“

Lärmintensive Übungen will die Army verlegen

Hochrangige Vertreter der US-Armee, Experten der Bundeswehr sowie der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz und die Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger hatten neben Marc Biadacz und dessen FDP-Kollegen Florian Toncar an dem Gespräch im Ministerium teilgenommen, das die Ministerialdirektorin Alice Greyer-Wieninger moderierte hatte. Drei Punkte listeten die Beteiligten gleich nach den Verhandlungen als Ergebnisse in einer Pressemitteilung auf: Die US-Armee versprach, „die lärmintensivsten Schießübungen“ von Böblingen an einen anderen Standort zu verlagern; Stadt und Armee einigten sich über die Finanzierung der Kosten des Lärmschutzes; und die US-Armee möchte noch im Juli dem Böblinger Gemeinderat die Planungen für die Lärmschutzdämmung am Schießstand vorstellen.

„Die Vereinbarungen sind ein Schritt in die richtige Richtung, um die Situation der schießlärmgeplagten Bürger endlich zu verbessern. Dem Gesprächsergebnis müssen nun auch Taten folgen. Ich bin optimistisch, dass das gelingt“, sagt Marc Biadacz. Genau dies bezweifeln Ulrich Durst und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative. „Das ist das gleiche Rumgeeiere wie seit 24 Jahren“. So lange schon kämpft die BI gegen den Schießlärm. Viel zu unkonkret sind Durst die Ergebnisse, die er im Übrigen nur aus der Zeitung kenne. „Leider hat mich Herr Biadacz noch nicht wie versprochen informiert.“ Ein Termin mit der BI sei bereits ins Auge gefasst, versichert Biadacz.

BI vermisst konkrete Vereinbarungen

Ulrich Durst bemängelt die Formulierung „Stadt und Armee erzielen Einvernehmen über die Finanzierung.“ Denn: „Was zahlt nun die Armee genau? Und was ist mit der Aussage von Armee-Vertretern, die noch im Februar sagten, sie warten darauf, dass der Kongress in Washington das Geld freigibt?“ Auch der Zusage, dass das lärmintensivste Schießtraining verlegt werden solle, trauen die Anwohner des Wohngebiets Rauher Kapf, das direkt neben dem Schießstand liegt, nicht. „Das wurde uns bereits Anfang Februar von US-Colonel Raddatz versprochen. Anschließend schossen die Amerikaner lauter als je zuvor.“ Auch momentan sei von einer Lärmminderung nichts zu spüren. „Wie definieren die Amerikaner denn den Begriff lärmintensiv“, fragt Durst. Auch diese Frage bleibe offen.

Im Juli sollen Planungen präsentiert werden

Am meisten ärgert die Bewohner des Rauhen Kapfs aber die Zeitschiene. „Jetzt sollen erst im Juli die Planungen für eine Dämmung vorgestellt werden. Warum das? Das ist doch eine weitere Verzögerung“, sagt Durst empört. Bereits Anfang Februar hätten Experten bei einem Treffen mit der Bürgerinitiative ein Konzept zur Lärmdämmung präsentiert. „Was ist seither geschehen? Hat man in diesen zwei Monaten nicht gearbeitet?“ Durst befürchtet, dass nun auch dieses Jahr verstreichen wird und am Schießstand nichts passiert.

Der neue Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz deutet das Treffen wesentlich positiver. „Es war ein bedeutendes, offenes und konstruktives Gespräch in Berlin. Wir sind ein kleines, aber gutes Stück weiter als vorher.“ Wichtig sei ihm ein gutes, partnerschaftliches Verhältnis zu den US-Streitkräften“. Auch Ulrich Durst möchte das. Doch er befürchtet: „Wenn jetzt nicht rasch etwas in Sachen Lärmschutz passiert, dann schlägt die Stimmung in Böblingen in Hass gegen die US-Armee um.“




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