Böblingen Darlehen für geschädigte Hausbesitzer

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Mittlerweile weisen 60 Gebäude im Stadtgebiet Risse in den Wänden auf. Als Ursache werden Erdwärmebohrungen vermutet.

Die Risse in den Wänden werden stetig größer. Foto: factum/Granville
Die Risse in den Wänden werden stetig größer. Foto: factum/Granville

Böblingen - Der Böblinger Gemeinderat hat am Mittwochabend ein Soforthilfeprogramm von insgesamt 150 000 Euro für die Hausbesitzer beschlossen, deren Hauswände Risse aufweisen. Die Ursache dafür ist nach wie vor unklar. Mittlerweile ist die Zahl der Betroffenen laut dem Landratsamt auf 60 angewachsen. Als erste Maßnahme können die Eigentümer bei Banken nun ein zinsloses Darlehen bis 5000 Euro beantragen.

Die sonst übliche Bonitätsprüfung entfällt, die die Banken in solchen Fällen bei ihren Kunden durchführen. Die Stadt Böblingen übernimmt, sofern vom Kreditinstitut gefordert, eine Ausfallbürgschaft für das Darlehen. Auch Zinsen fallen für die Hausbesitzer nicht an: Diese übernimmt die Stadt Böblingen.

„Wir sind froh darüber, dass es nun eine Soforthilfe gibt“, sagt Thomas Treutler. Er ist einer der betroffenen Eigentümer und besitzt ein Haus in der Böblinger Gaußstraße. Vor zwei Jahren hat Treutler seinen Keller renoviert. Jetzt sind die Wände voller Risse. Allerdings seien die 5000 Euro Darlehen nur eine Hilfe für das Allernotwendigste. „Damit kann man jetzt vor dem Winter Risse in der Außenwand schließen, damit der Frost nicht weitere Schäden anrichtet“, sagt Treutler.

Viel wichtiger als eine finanzielle Entschädigung ist dem Böblinger jedoch, dass endlich die Ursache für die Schäden festgestellt wird. „Solange wir nicht wissen, woran das liegt, macht es keinen Sinn, größere Schäden zu beseitigen.“ Treutler kritisiert, dass das Landratsamt zurzeit nur den Umfang der Schäden erhebe, aber nicht auf Ursachenforschung gehe.

Hausbesitzer schließen sich zusammen

Die geschädigten Hausbesitzer wollen sich nun zu einer Interessengemeinschaft zusammenschließen. Über eine Homepage (www.erde-hebt-sich.de), die Treutler eingerichtet hat, können sich weitere Betroffene melden. Momentan sind vor allem Häuser südlich der Stuttgarter Straße und bei der Eichendorff-Schule betroffen. Die ersten Schäden seien bereits 2010 aufgetreten, sagt Johann Binder, ein Geschädigter aus dem Röntgenweg. Er selbst registrierte Anfang 2011 die ersten Risse, die sich immer größer würden. Wiederholt habe er sich an das Landratsamt gewandt, doch dieses habe damals nichts unternommen.

Man sei sofort aktiv geworden, als sich abzeichnete, dass es sich bei den gemeldeten Rissen nicht um Einzelfälle handele, versichert hingegen der Landratamtssprecher Dusan Minic. Die Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts stellten dabei fest, dass sich die Erde in dem betroffenen Gebiet hebt. Und zwar deutlich: um bis zu 20 Millimeter in wenigen Monaten. Laut Thomas Treutler hat ein Geologe sogar festgestellt, dass es in manchen Gebieten sogar ein Zentimeter pro Monat ist.

Als Ursache für die Hebungen werden Erdwärmebohrungen vermutet. „Es gibt im gesamten Stadtgebiet rund 100 Bohrlöcher“, sagt Treutler. Das Landratsamt führe momentan Gespräche mit den Eigentümern der Grundstücke mit Bohrlöchern. Experten sollen diese dann untersuchen und klären, ob die Bohrungen der Grund für die Erhebungen seien, sagt der Behördensprecher Dusan Minic.




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