Böblingen: Der Carsharing-Anbieter baut sein Gebiet aus Car2go-Angebot stößt auf Kritik

Einigen Stadträten ist der Zuschuss der Stadt Böblingen von 100 000 Euro für zwölf neue Ladestationen zu hoch. Eine Ausschuss-Mehrheit stimmt trotzdem zu.

Auch die Städte betreiben Elektroladestationen und haben E-Smarts. Foto: factum
Auch die Städte betreiben Elektroladestationen und haben E-Smarts. Foto: factum

Böblingen - Fast wäre das Vorhaben der Carsharing-Firma, im Stadtgebiet von Böblingen zwölf neue Ladestationen für Elektroautos zu schaffen, bereits im Ansatz gescheitert. Doch letztlich erhielt das Angebot doch noch eine Mehrheit im Technik- und Umweltausschuss. Von Ende des Jahres an will Car2go sein Gebiet von Stuttgart aus erweitern und fasst dabei neben Böblingen auch Sindelfingen ins Auge. Die Böblinger Stadträte gaben im Ausschuss grünes Licht für einen Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro, den die Freien Wähler auf die Hälfte begrenzen wollten. In der nächsten Woche wird sich der Böblinger Gemeinderat nochmals mit dem Thema befassen, das die Sindelfinger Gremien bereits entschieden haben: die Stadt will sich an der Aufstellung von zehn Säulen mit 53 000 Euro beteiligen.

„Die Privatfirmen streichen irgendwann satte Gewinne ein“

„Die Stadt Stuttgart hat einst 500 000 Euro dafür bezahlt, dass dort Car2go mit seinen Ladestationen zum Zuge kommt“, weiß Rosemarie Späth von den Freien Wählern. Doch sei die Landeshauptstadt zwölf Mal so groß wie Böblingen. Es sei also nicht einzusehen, weshalb die Stadt für den Service so tief in die eigene Kasse greifen solle. Schließlich handele es sich um die Unterstützung zweier Privatfirmen – Car2go, eine hundertprozentige Daimler-Tochter, und der Energiekonzern EnBW –, die „irgendwann satte Gewinne einstreichen werden“, sagt Späth. Zumal die Errichtung von Elektrotankstellen aus Fördertöpfen bezuschusst würden, „und das nicht zu knapp“. Für Projekte der „Elektromobilen Stadt“ beteiligt sich allein das Bundesverkehrsministerium mit insgesamt 750 000 Euro.

Der EnBW, welche die zwölf Ladestationen einrichten will, sollen je Säule 4500 Euro gewährt werden. Außerdem ist vorgesehen, dass sich die Stadt um die Beschilderung und die bauliche Vorbereitung der Standorte kümmert. Dafür sollen im Haushalt 100 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. „Das Geld ist gut angelegt in Anbetracht dessen, was wir sonst so alles finanzieren“, sagt der FDP-Stadtrat Reinhard Siekemeier. „Und schließlich werden wir als Stadt auch unserem Anspruch als Technik-Standort gerecht“, sagt Siekemeier.

Frank Hinner von den Freien Wählern jedoch befürchtet, dass der Stadt einige Parkgebühren verloren gehen, weil die E-Smarts überall abgestellt werden dürfen – auch auf kostenpflichtigen Parkplätzen, wo die Nutzer keinen Obolus an die Stadt zahlen müssen. „In Stuttgart“, sagt die Stadträtin Späth, „ist errechnet worden, dass deshalb jährlich 380 000 Euro Einnahmen entfallen.“ Böblingen dagegen geht davon aus, auf 1000 Euro im Jahr verzichten zu müssen. Reinhard Schopf, der städtische Abteilungsleiter Verkehrs- und Stadttechnik, erklärt, diese Zahl habe das Ordnungsamt geliefert. Die Autos von Car2go seien künftig in der gesamten Region unterwegs und fielen in Böblingen sicher nicht so sehr ins Gewicht, meint er. Der Carsharing und E-Auto-Befürworter Siekemeier dagegen hält den Böblinger Planansatz „doch für sehr optimistisch“. Wahrscheinlich werde man mehr Parkgebühren in den Wind schreiben müssen.

In den Stadtgebieten von Böblingen und Sindelfingen gibt es bereits 18 Elektroladestationen an 13 Standorten. Fünf Zapfsäulen werden von der Stadt Böblingen, 13 von der Stadt Sindelfingen betrieben. Auch bei den Böblinger Nachbarn will man Car2go willkommen heißen. Jedenfalls versichert der Oberbürgermeister Bernd Vöhringer: „Der Vertrag soll in diesem Jahr unterzeichnet werden.“