Böblingen Die Jagd nach einem Nummernschild

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Wie dringend ist es, ein Auto anzumelden? Während sich die Automobilhändler langsam damit arrangieren, dass die Zulassungsstellen geschlossen sind, ist es für Privatpersonen schwierig, an ein Kennzeichen zu kommen.

Da guckt mancher in die Röhre. Privatleute haben zurzeit  in der Region erhebliche Schwierigkeiten, ihre Autos anzumelden. Foto: factum/Simon Granville
Da guckt mancher in die Röhre. Privatleute haben zurzeit in der Region erhebliche Schwierigkeiten, ihre Autos anzumelden. Foto: factum/Simon Granville

Böblingen - Rot-weißes Absperrband ist dieser Tage das Erste, was man an den Schaltern der Landratsämter im Großraum Stuttgart zu sehen bekommt. Alle Dienstleistungen sind stark heruntergefahren, auch die Zulassung von Autos.

Noch am Mittwoch hatte der baden–württembergische Kfz-Verbandspräsident Michael Ziegler gewettert: „Insgesamt ist die Situation mit gänzlich geschlossenen Zulassungsstellen kaum zu ertragen. Denn wer kauft ein Auto, wenn er es nicht zulassen kann?“ Der Verband forderte Landkreise und Gemeinden dazu auf, wenigstens für Kfz-Händler Zulassungen anzubieten und mit den Innungen vor Ort Lösungen zu erarbeiten. Ebenso wichtig ist es für die Autohäuser, ein Auto abmelden zu können, wenn es schrottreif ist.

Inzwischen hat sich die Lage etwas entspannt. Gerade tüftelt die Kfz-Innung Stuttgart an einer Übersicht, welche Dienstleistungen rund um das Auto von den Landratsämtern noch angeboten werden. In der Region bleiben die Einschränkungen aber drastisch.

Nur noch zwingende Notfälle

Im Landratsamt in Ludwigsburg sind sämtliche Kundenkontakte nur noch in zwingenden Notfällen und nach vorhe­riger telefonischer Terminvereinbarung möglich. Das gilt auch für die Kfz-Zulassungs- und Fahrerlaubnisstellen.

Das Böblinger Landratsamt hat die Außenstellen Leonberg sowie Herrenberg bis auf Weiteres geschlossen. Auch die ­Besuche in Böblingen sind nur nach vorheriger Terminvereinbarung möglich, die Nummer lautet 0 70 31 / 66 31 - 4 25, die Mail-Adresse zulassung@lrabb.de. Auch Böblingen bearbeitet nur „unaufschiebbare Anliegen“. Das Landratsamt bittet um Pünktlichkeit, die Termine verfielen nach fünf Minuten, heißt es auf der Homepage.

Die Schließungen und Teilschließungen lösen Unmut aus. Die Kfz-Innung Region Stuttgart berichtet, das Ludwigsburger Landratsamt habe nicht ausreichend Termine für die Autohäuser. Die Zulassungsstelle in Pforzheim war eine Zeit lang ganz geschlossen, erst nach einigen Tagen wurde eine Anmeldungsmöglichkeit für Autohändler geschaffen, nachdem die Kfz-Innung Pforzheim Druck gemacht hatte. Das Problem sei jetzt noch Stuttgart, teilt die Innung mit, dort bekommen man noch immer keine Termine.

Privatleute, so schlägt die Kfz-Innung vor, könnten die Werkstatt ihres Vertrauens bitten, das Auto für sie anzumelden. Die Autohäuser beauftragten in der Regel Zulassungsdienste und würden dann deren Tätigkeit in Rechnung stellen. Wer bisher einen Bogen um jedes Autohaus gemacht hat und nun dort mit einem Zulassungswunsch an der Theke steht, der könnte vielleicht etwas unwillig beäugt werden, aber die Innung hofft auf die Kulanz der Händler. Der Zulassungsstau sei ein Problem für die Autohäuser, weil der Kunde erst bezahle, wenn das Auto geliefert und angemeldet worden sei, während das Autohaus gegenüber dem Hersteller meist bereits in Vorkasse getreten sei, berichtet Christian Reher, der Geschäftsführer der Kfz-Innung Stuttgart.

Mehr zu schaffen macht den Autohäusern aber die Tatsache, dass der Handel nur noch online oder per Telefon möglich ist und das rot-weiße Absperrband auch die jeweiligen Showrooms schließt. Etwas besser dran sind Häuser mit Werkstätten, weil der Ersatzteilhandel erlaubt ist. Jetzt ruft die Innung ihre Kunden auf, die Inspektionen oder die Hauptuntersuchungen wegen der Krise nicht zu verschieben, sondern gerade jetzt die Aufträge dafür zu vergeben.

Die Zulassungsstelle im Landratsamt Rems-Murr ist weiterhin telefonisch erreichbar. Die Zentralstelle in Waiblingen ist zu, geöffnet sind die Außenstellen in Schorndorf und Backnang. Persönlich vorbeikommen dürfen nur noch Mitarbeiter von Autohäusern und Zulassungsdiensten nach vorheriger schriftlicher Terminvereinbarung unter kfz-zulassung@rems-murr-kreis.de. Privatpersonen können nur noch in „äußerst dringenden Notfällen“ nach vorheriger schriftlicher Terminvereinbarung ihre Autos anmelden.

Auch das Esslinger Landratsamt ist nur für „unaufschiebbare Anliegen“ geöffnet und verweist auf die internetbasierte Zulassung, die nach wie vor möglich sei. Zwar funktioniert die Online-Termin­vergabe nicht, doch kann man per E-Mail anfragen oder die Hotline-Nummer 07 11 / 39 02 48 - 3 30 wählen. Keine Chance auf einen Termin haben Wohnsitzänderungen, Ausstellung von Ersatzdokumenten, technische Änderungen, Zulassung von Freizeit- und Liebhaberautos.

Die Caravaner haben ein Problem

Ein Problem haben jetzt die Caravaner, die ihre Wohnmobile aus dem Winterquartier holen, um wegzufahren, vielleicht zurzeit die einzige Möglichkeit, Urlaub zu machen. Die meisten Landratsämter lassen Caravans außen vor, weil sie zu den Freizeitfahrzeugen zählen. Doch seien Campingbusse für viele oft das einzige Familienfahrzeug, sagt Oliver Waidelich vom Stuttgarter Caravanverband. Außerdem müsse es möglich sein, Caravans anzumelden, damit sie die Werkstätten umbauen oder warten könnten.

Glück hat, wer im Landkreis Tübingen wohnt, dort erhält man telefonisch einen Termin. Die Zulassungen erfolgen über die Fenster, gewartet wird auf dem Parkplatz, Wachmänner passen auf.