Böblingen: Die Therme boomt und macht deutlich Gewinn Für das Warten gibt es ein „Schokolädle“

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Die Mineraltherme kann als Pacht wieder einen ansehnlichen Betrag an die Stadt abführen. In einem Interview erklärt der Geschäftsführer Rolf Dettinger das Ergebnis.

Der Therme-Chef Rolf Dettinger will zusammen mit der Stadt im übernächsten Jahr den Badetempel und den Saunagarten für 13,5 Millionen Euro sanieren und erweitern. Foto: factum/Bach
Der Therme-Chef Rolf Dettinger will zusammen mit der Stadt im übernächsten Jahr den Badetempel und den Saunagarten für 13,5 Millionen Euro sanieren und erweitern. Foto: factum/Bach
Böblingen - Die Mineraltherme Böblingen wartet für das Jahr ihres 25-jährigen Bestehens mit einem Vorzeigeergebnis auf. Laut der nun vorgelegten Bilanz kann die hundertprozentige Tochter der Stadt einen Gewinn von 400 000 Euro als Pacht an den Kämmerer überweisen.
Herr Dettinger, die städtischen Bäder machen meist ein Minus. Wie kommt Ihr ansehnlicher Gewinn zustande, den Sie nun für das vergangene Jahr publik gemacht haben?
Das liegt sicher an der hohen Zufriedenheit unserer Gäste. Im vergangenen Jahr haben wir mit 460 000 Gästen das viertbeste Besucherergebnis seit 1989 verzeichnen können. Die Zahl der Besucher schwankt in den letzten Jahren nur witterungsbedingt. Durch den verregneten Sommer kamen vergangenes Jahr rund 10 000 Badegäste mehr. Dieses Jahr werden wir aufgrund der Hitzeperioden etwa um dieselbe Zahl unter unseren Besuchererwartungen liegen, das Geschäftsjahr aber dennoch auf hohem Niveau abschließen.
An den Einnahmen von 5,3 Millionen Euro beim Ticketverkauf ist ihr Erfolg sicher nicht allein festzumachen.
Nein, in aller Bescheidenheit: Wir wirtschaften gut.
Etwas trübt die Stimmung bisweilen aber doch: Nicht alle Besucher finden die Ruhe, die sie sich wünschen, weil das Bad an manchen Tagen fast aus allen Nähten platzt.
In den Ferien oder an den Wochenenden im Winterhalbjahr trifft das sicher zu. Dann sind zu bestimmten Tageszeiten 700 Gäste gleichzeitig da. Ein Nadelöhr sind die Garderoben, die dann komplett ausgelastet sind. Auch in den Ruhezonen ist meist jeder Platz, jede Liege belegt.
Wie reagieren Sie auf den Andrang? Konsequenterweise müssten Sie die Kasse vorübergehend schließen.
Wir haben für solche Fälle ein Einlassmanagement entwickelt und setzen zusätzliches Personal ein. Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Gäste rasch einen Parkplatz finden. Dazu steht auch eine Tiefgarage eines angrenzenden Gebäudes zur Verfügung. An den Kassen schauen wir, dass es binnen weniger Minuten vorangeht. Jeder erhält fürs Warten ein Schokolädle. Im Umkleidebereich führt unser Personal die Gäste zu den freien Schränken.
Im Bad und im Saunagarten ist es deshalb aber immer noch bisweilen zu voll.
Deshalb wollen wir übernächstes Jahr unsere Kapazitäten gezielt erweitern und das Bad dabei weiter modernisieren. Die Eingangsgarderobe wird etwas erweitert, und es wird insbesondere im Saunagarten deutlich größere Ruhezonen, aber auch zusätzliche Schwitzangebote geben.
Die Bedürfnisse haben Sie in einer Umfrage ermittelt. Sind sie altersbedingt? An vorderster Stelle rangiert der Wunsch nach Entspannung. Gibt es einen Zielkonflikt mit jüngeren Gästen, die mehr Schwimmen wollen?
Der Anteil der über 50-Jährigen ist in etwa gleich groß wie der der unter 50-Jährigen. Unsere Zielgruppe für unsere Erweiterung sind die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1960er Jahren, die in etwa zehn Jahren ins Rentenalter kommen und dann mehr Zeit haben. Die Gäste halten sich aber auch jetzt schon viel länger bei uns auf als früher. Die durchschnittliche Badedauer ist in den letzten zehn Jahren von zweieinhalb Stunden um fast eine Stunde gestiegen. Einen Zielkonflikt bei den Bedürfnissen gibt es nicht. Wir haben immer mehr Besucher zwischen 30 und 40 Jahren, die Entspannung suchen. Das liegt daran, dass ihr Arbeitsalltag immer mehr Stress und gesundheitliche Probleme mit sich bringt.
Entspannung kann man auch in anderen Bädern finden. Vor zwei Jahren hat das Familien- und Freizeitbad F 3 in Fellbach eröffnet. Spüren Sie die wachsende Konkurrenz?
Bäder wie das F 3, das Fildorado in Filderstadt oder etwa die Schwabenquellen in Stuttgart sind anders als wir. Sie haben mehr Eventcharakter, Rutschen oder Bahnen für Wassersportler. Wir setzen auf das Baden und Saunieren. Sich in der freien Natur ausruhen zu können, ist für uns wichtig. Dagegen verzichten wir auf aufwendige Dekors oder Effekte. Unsere Gäste schätzen das bewusst schlicht gehaltene und gemütliche Ambiente mit der klassischen Therme-Architektur sowie den Saungarten, wo sie ihre Ruhe finden.
Um auf so viele Besucher zu kommen, brauchen Sie ein großes Einzugsgebiet. Wie viele zählen Sie zu ihren Stammgästen?
Jeder zweite Besucher kommt im Schnitt mehrmals im Monat zu uns. Die Hälfte der Gäste ist aus dem Kreis Böblingen, 30 Prozent aus der Region Stuttgart. Der Rest nimmt lange Anfahrtswege in Kauf.
Nun haben Sie eine Preiserhöhung für 1. November angekündigt.
Ja, aber wegen 50 Cent mehr für das Bad und 50 Cent mehr für den Saunagarten, wird uns wohl niemand den Rücken kehren. Wir haben die Preise immer wieder moderat angehoben, auch wegen der ständig steigenden Energiekosten.




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