Böblingen Erfolg für Berufsschulen

Diego, Anastasia und die Lehrerin Sabine Kastler (v. r.) sind zufrieden. Foto: Stefanie Schlecht

Nach dem ersten Jahr mit dem neuen Bildungsgang AVdual ziehen Schüler und Schülerinnen sowie eine Lehrerin eine positive Bilanz.

Mehr Flexibilität für junge Menschen bei der Berufsfindung und beim Erreichen von Schulabschlüssen – das ist das Ziel des Bildungsgangs AVdual, der zum vergangenen Schuljahr an vielen Berufsschulen eingeführt worden ist. Das Besondere: in den Klassen und Lerngruppen sitzen Schüler und Schülerinnen mit und ohne Hauptschulabschluss oder gar mit der Mittleren Reife. Je nach Vorbildung können sie einen anerkannten Abschluss machen oder den bisherigen verbessern und parallel dazu erste Schritte ins Berufsleben wagen.

 

80 Jugendliche in vier Lerngruppen sind im September am Kaufmännischen Berufsschulzentrum gestartet. Zehn von ihnen wechseln nun in eine Ausbildung, weitere zehn haben den Hauptschulabschluss geschafft. Sie beginnen entweder eine Ausbildung, wechseln an eine andere weiterführende Schule oder beginnen den AVdual-Kurs neu - mit dem Ziel der Mittleren Reife.

Einen Tag in der Woche im Praktikum

42 Jugendliche haben den Sprung ins zweite Jahr des AVdual-Kurses geschafft. Sie streben als Abschluss die Mittlere Reife im kommenden Jahr an. Auch Anastasia und Diego gehören zu dieser Gruppe. Mit diesen beiden hatten wir zu Schuljahresbeginn gesprochen – und haben sie nun am Ende des Schuljahres nach ihren Erfahrungen befragt. Diego und Anastasia sind zufrieden mit dem Verlauf. Beide haben neben dem Unterricht erste berufliche Erfahrungen gesammelt: Diego hatte zunächst in einem Supermarkt und dann in einer Bäckerei gearbeitet. „Ich durfte am Telefon Kundenbestellungen aufnehmen. Das hat Spaß gemacht“, berichtet er. berichtet er. Anastasia war einmal pro Woche an der Rezeption einer Physiotherapie-Praxis. Auch ihr hat das Arbeiten Freude gemacht. Beide Jugendliche sind sich aber einig: „Acht Sunden Arbeit am Tag ist anstrengend.“ Deshalb sind sie froh, noch mindestens ein weiteres Jahr zur Schule gehen zu gehen. „Es ist auch schön, viele Ferien zu haben“, stellt Diego fest.

Lehrerin zieht positives Fazit für das erste Jahr

Auch die BWL-Lehrerin Sabine Kastler zieht ein positives Fazit des ersten Jahres. „Es zeigt sich, dass wir mit den unterschiedlichen Leistungsgruppen und der individuellen Begleitung gut auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen können.“ So gibt es für jedes Fach drei Leistungsgruppen: Alle, die die Mittlere Reife anstreben, müssen auf C-Niveau bestehen. Für den Hauptschulabschluss reichten gute Noten auf A-Niveau. Jeder Jugendliche hat einen festen Ansprechpartner im Lehrerteam, mit dem es regelmäßige Gespräche über den Lernerfolg und -probleme gibt. „Das war wirklich eine große Hilfe“, bestätigt der 17-jährige Diego.

Begleitung durch Schulsozialarbeiter

Begleitet werden die Schüler und Schülerinnen außerdem von Schulsozialarbeitern, die auch bei der Suche nach Praktikumsplätzen geholfen haben. Zudem gibt es im Ganztagsschulbetrieb besondere Angebote wie eine Kochgruppe, eine Lesegruppe und ein Fußballteam.

Der Ganztagesunterricht war eine Herausforderung für viele Schüler- soll aber eine Vorbereitung für das Berufsleben sein. Als herausfordernd empfanden Diego und Anastasia auch das überwiegend digitale Arbeiten mit Tablets. „Ich lerne lieber mit Stift und Papier“, sagt Anastasia, räumt aber ein: „So lernen wir den Umgang mit dem PC. Das brauchen wir später im Beruf.“ Ambivalent sieht auch die Lehrerin Kastler die Tablets. „Sie bieten viel Ablenkung. Man kann auch im Unterricht nebenher Spiele machen.“ Insgesamt zieht Kastler ein positives Fazit des AVdual. Für da neue Schuljahr haben sich bereit 80 neue Schüler angemeldet.

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