Auch diese Szene sorgt für Kritik, weil hier der Suizid einer Frau gezeigt wird, die von ihrem Mann zuvor Gewalt erfährt. Foto: Denis Kaschura
Viele Zuschauer sind begeistert vom „Zirkus des Horrors“, der ab 1. Mai in Böblingen gastiert. Andere verlassen wegen drastischer Gewalt- und Mord-Szenen entsetzt die Show.
Zombies, Blut und Sensenmänner – wer in eine Gruselshow geht, weiß in der Regel, dass man nicht unbedingt zart besaitet sein sollte. Die allermeisten Zuschauer kommen nicht trotz der düsteren und angsteinflößenden Atmosphäre und Gestalten, sondern gerade deswegen. Auch beim „Zirkus des Horrors“, der vom 1. Mai an in Böblingen seine Zelte aufschlägt, ist der Gruselfaktor bewusst eingepreist. Präsentiert wird auf dem Flugfeld von Freitag an zehn Tage lang das Programm „Memento Mori – Deine letzte Stunde“.
„Jedem der Künstler steht es frei, seine Darbietung innerhalb gesellschaftlicher Grenzen zu gestalten, wobei eine gewisse provokative Präsentation durchaus zu einem Zirkus des Horrors gehört.“
Ein Sprecher der Romanza Circusproduktion
Im Internet fällt das Fazit des Großteils der Zirkusbesucher positiv aus. Im Vorfeld ihres Gastspiels in Böblingen sorgten die Darbietungen aber nicht nur für Begeisterung, einige Zuschauer zeigen sich in Rezensionen entsetzt über die Gewaltdarstellungen bei der zweieinhalbstündigen Zirkusshow. Besonders in der Kritik stehen die drastischen, von artistisch auftretenden Schauspielerinnen und Schauspielern gezeigten Szenen, in denen Frauen teils schwerste Gewalt angetan wird, sie getötet oder in den Selbstmord getrieben werden.
Femizid-Darstellung im „Zirkus des Horrors“ wird auch scharf kritisiert
Die österreichische Journalistin Patricia Kornfeld fasst auf der Website des Kulturmagazins „Kulturknistern“ die Eindrücke aus der Show in Wien im Oktober 2025 so zusammen: „Der ‚Zirkus des Horrors’ sollte besser ‚Zirkus der Geschmacklosigkeit’ heißen. Femizide, Suizide und religiöse Anspielungen haben dort nichts verloren – und überschatten die grandiose Leistung der Artist*innen.“ Die Autorin beschreibt eine Szene, in der eine Frau von einem Mann „angequatscht“ werde. Statt das „Nein“ zu akzeptieren, werde die Frau bedrängt und getötet. „Die Ermordung wird nicht bloß angedeutet, sondern es gibt einen richtigen Todeskampf. Ich war auf schaurige Unterhaltung eingestellt, nicht darauf, die Lebensrealität von Frauen serviert zu bekommen“, kritisiert sie.
Akrobatik im schaurigem Gewand Foto: Denis Kaschura
Unvergesslich im negativen Sinne sei auch die Darbietung gewesen, in der die Mutter eines Babys ihren Mann wegen dessen fehlenden Einsatzes in der Kindesbetreuung zur Rede stellt. „Was danach folgt, ist eine schwer erträgliche Abfolge an Ereignissen. Der Mann schlägt die Frau, schubst und schleudert sie hin und her. Sein Moment der Reue kommt zu spät: Sie hat sich erhängt. Danach bringt er sich selbst um“, beschreibt die Kulturjournalistin. Die schauspielerische Leistung der sich auf Rollschuhen bewegenden Artisten könne sie aufgrund der drastischen Darstellung von Partnerschaftsgewalt und dem Suizid der Frau nicht würdigen: „Ich bin vor allem geschockt.“
Hitlergruß im „Zirkus des Horrors“: Gelungener oder misslungener Witz?
Bei der Show in Wien sind offenbar auch andere Zuschauer perplex ob der gezeigten Inhalte. Auf der Plattform „reddit“ berichtet ein User von einer Szene, in der ein Darsteller den Hitlergruß gezeigt haben soll. Ein genauer Kontext wird dabei nicht genannt. Andere User, die die Show gesehen haben wollen, bestätigen die verbotene NS-Symbolik zwar, erklären aber, dieser sei nicht kontextlos gezeigt worden. „Entgegen der Meinung anderer hier finde ich, dass man auch so etwas in Witz verpacken kann und darf und soll“, schreibt ein User und verweist auf einen thüringischen Hintergrund der Kunstfigur.
Auf der Website des Horror-Zirkus steht deutlich geschrieben: „In ,Memento Mori‘ begegnen wir dem realen Horror unserer Welt. Die Show thematisiert die dunklen Seiten der Menschheit.“ Zudem wird darauf hingewiesen, dass Darstellungen von Mord, Totschlag, Suizid, häuslicher Gewalt, psychischer Belastungen sowie schwarzer Humor enthalten seien. Abschließend heißt es in dem Disclaimer: „Memento Mori ist eine künstlerische Reflexion über Schmerz, Vergänglichkeit und menschliche Abgründe. Manche Szenen können emotional stark berühren oder verstören.“ Empfohlen wird der Besuch ab 14 Jahren.
„Gewisse Provokation gehört zu Horrorzirkus dazu“
Zu den konkreten Vorwürfen erklärt ein Sprecher des Veranstalters, der Romanza Circusproduktion, gegenüber unserer Zeitung: „Die positiven und negativen Kritiken sind uns bekannt, nehmen sie sehr ernst und prüfen sie genau. Teilweise sind die beschriebenen Aussagen jedoch aus dem Zusammenhang gerissen, beispielsweise was den NS-Gruß und auch Sexismus betrifft. Jedem der Künstler steht es frei, seine Darbietung innerhalb gesellschaftlicher Grenzen zu gestalten, wobei eine gewisse provokative Präsentation durchaus zu einem Zirkus des Horrors gehört.“
Dass nicht alle Zuschauenden ausnahmslos die überwiegend positiven Rezensionen des Zirkus des Horrors teilen, dafür hat der Sprecher auch Verständnis: „Natürlich wird das gerade in der heutigen Zeit kritisch gesehen.“
Auftritt in Böblingen
Termin Vom 1. bis 10. Mai auf dem Flugfeld. Montags bis samstags startet es um 19.30 Uhr, Sonntags um 18 Uhr. Infos und Tickets gibt es unter anderem auf der Website https://zirkusdeshorrors.de/infernum/.