Böblingen Hallenneubau ins Gespräch gebracht

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Eine Initiative macht sich stark für eine große Arena als Ersatz für die Sporthalle. In dem ehemaligen Aushängeschild gingen Showgrößen ein und aus. Die Resonanz in der Stadt auf den Vorstoß ist allerdings verhalten.

Die Stadthalle vor ihrem Abriss vor fünf Jahren Foto: factum/Archiv
Die Stadthalle vor ihrem Abriss vor fünf Jahren Foto: factum/Archiv

Jahrzehntelang ist die Sporthalle eines der Aushängeschilder der Stadt Böblingen gewesen: Popgruppen und Bands wie Abba, Queen, die Bee Gees, AC/DC und Aerosmith lockten in die Stadt. Fernsehshows wie „Wetten, dass . .?“ und „Verstehen Sie Spaß?“ wurden aus Böblingen übertragen. Seit dem Abriss der Sporthalle vor fünf Jahren trauern viele in der Stadt dieser Ära nach. Drei ehemalige Lokalpolitiker machen sich nun für den Neubau einer großen Mehrzweckhalle stark.

Ein attraktiver Mix aus „Events, Ausstellungen, Kultur, Bewegung, Spiel und Sport sowie ein Marktplatz für Handel und Gewerbe“ schwebt den Mitgliedern der „Initiative für Böblingen“ vor, die aus dem ehemaligen Böblinger Kämmerer Helmut Sennock sowie den Ex-Stadträten Professor Gustav Schoder und Horst Wiedenhorn (beide Freie Wähler) besteht. Bis zu 5000 Besuchern sollte die Halle Platz bieten, die Baukosten veranschlagt das Trio auf 18 bis 25 Millionen Euro. Auch einen möglichen Standort haben Sennock, Schoder und Wiedenhorn ins Auge gefasst: das Gebiet Stockbrünnele an der Herrenberger Straße neben der Theodor-Heuss-Schule. „Die Grundstücke gehören bereits weitgehend der Stadt“, sagt der Ex-Stadtrat Sennock.

Sanierungskosten waren zu hoch

Die Projektgruppe macht sich angesichts der Konkurrenz keine Sorgen: So bietet die Porsche-Arena in Stuttgart seit dem Jahr 2006 6000 Plätze an, die knapp zwei Jahre alte MHP-Arena in Ludwigsburg sogar bis zu 7200. „Wer sich vor der ­Finanzierbarkeit und dem Wettbewerb scheut, darf sich dem Projekt nicht stellen“, sagt Sennock. Stattdessen müsse sich Böblingen die Frage stellen, wie der Slogan „Raum für Taten und Talente“ mit Leben gefüllt werden könne. „Dabei muss man Initiative entwickeln und in die Offensive gehen“, sagt Sennock. Etwa, indem man finanzstarke Sponsoren an Bord hole.

Die im Jahr 1966 gebaute Sporthalle ist im Jahr 2008 abgerissen worden. Die Stadträte hatten den Sanierungsaufwand für das marode Gebäude in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro nicht mehr stemmen wollen. Nur mit diesem finanziellen Kraftwerk hätte man international geltenden Ansprüchen von Veranstaltern genügen können. Nach dem Abriss sind auf dem Gelände neue Wohnungen entstanden.

Die Initiative ist mit ihrer Idee für eine neue Mehrzweckhalle bereits an die Rathausspitze und an die Gemeinderatsfraktionen herangetreten. Bis jetzt ist die Resonanz aber verhalten. Von Seiten der Stadtverwaltung ist zu hören, dass ein solch großes Projekt schon wegen der Finanzierbarkeit nicht oben auf der Prioritätenliste stehe. Von Seiten der Gemeinderatsfraktionschefs steht bislang nur der Name von Herbert Protze auf der Unterstützerliste der Initiative. Der SPD-Fraktionsvorsitzende hält es für „legitim“, über einen Neubau nachzudenken. Am liebsten wäre Protze es aber, wenn die Stadt dabei mit Sindelfingen an einem Strang zöge.

Stadträte sind geteilter Meinung

Die Fraktionsvorsitzenden Peter Grotz (CDU) und Daniel Wengenroth (Freie Wähler) wollen den Vorschlag ebenfalls noch mit den Kollegen besprechen. Grotz ist skeptisch: „Wir können uns das zurzeit nicht leisten. Es wäre vermessen zu versuchen, den Stuttgarter Spielorten Konkurrenz zu machen.“ Wengenroth wünscht sich indes zunächst eine Marktanalyse: „Wenn die zum Ergebnis kommen würde, dass eine neue Halle zumindest eine schwarze Null einfahren würde, wäre der Gedanke eines Neubaus sehr reizvoll.“




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