Ab Herbst können Eltern alleine entscheiden, auf welche Schule sie ihre Kinder schicken. Was bedeutet das für die Zukunft der Hauptschulen im Landkreis Böblingen?

Böblingen - Donnerstag, 29. März: Das ist das Datum, dem die Hauptschulrektoren überall in Baden-Württemberg entgegenfiebern – auch im Landkreis Böblingen. Dann werden die Schulleiter wissen, wie viele Eltern ihr Kind an einer der knapp 30 Hauptschulen im Kreis angemeldet haben. Weil ab Herbst die verbindliche Grundschulempfehlung wegfällt, können auch Kinder auf die Realschule oder das Gymnasium wechseln, denen die Grundschule die Hauptschule ans Herz gelegt haben. Manche Rektoren fürchten sich deshalb vor einem regelrechten Einbruch bei den Anmeldezahlen.

 

Dabei sinkt die Zahl der Hauptschüler schon seit Jahrzehnten. Im Landkreis Böblingen wechselte im Jahr 1990 noch fast ein Drittel eines Jahrgangs auf die Hauptschule. Letztes Jahr war es nur noch knapp jeder fünfte Schüler. Die Schülerzahlen an Realschulen und Gymnasien sind in der gleichen Zeit deutlich gestiegen.

Zwei Gemeinschaftsschulen starten bereits im Herbst 2012

In vielen Bundesländern ist die Hauptschule in den vergangenen Jahren verschwunden. Sie wurde mit der Realschule zusammengelegt. Davon ist in Baden-Württemberg bislang keine Rede. Aber auch hier hat die SPD-Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer große Reformpläne. Länger gemeinsam zu lernen, heißt das Ideal. Deshalb fördert die neue Ministerin die Gründung von Gemeinschaftsschulen.

Im Landkreis Böblingen buhlen die Hauptschulen mit unterschiedlichen Angeboten um die verbleibenden Hauptschüler. Zwei Gemeinschaftsschulen – in Grafenau und Sindelfingen – gehen bereits ab Herbst 2013 an den Start. Bereits jetzt zeichnet sich ein großer Zuspruch ab. Andere Hauptschulen bieten bereits seit einigen Jahren die Möglichkeit, ohne Schulwechsel die mittlere Reife zu erreichen. 17 solcher Werkrealschulen gibt es im Landkreis Böblingen – viele Rektoren wollen ihre Schule allerdings in Gemeinschaftsschulen umwandeln. Auch mit Ganztagesangebote werben viele Bildungseinrichtungen, beileibe nicht nur Hauptschulen. Welche Angebote in Zeiten abnehmender Schülerzahlen das Weiterbestehen der Schulen sichern können, werden erst die nächsten Jahre zeigen. Im Folgenden sollen diese drei Modelle vorgestellt werden.