Das Böblinger Schöffengericht hat zwei Holländer verurteilt, die der Zoll im vergangenen Oktober mit zwei Kilogramm Rauschgift erwischt hatte. Bei der Kontrolle verriet sich der Beifahrer durch seine Nervosität.
Böblingen - Nach der Urteilsverkündung schließen die Eltern ihre Söhne erst einmal in ihre Arme. Nach vier Monaten Untersuchungshaft und einem Prozess wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Beihilfe zum Drogenhandel hat das Böblinger Schöffengericht am gestrigen Mittwoch zwei junge Holländer verurteilt – einen 25-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, seinen 24-jährigen Kumpel zu einer von 22 Monaten. Die Strafen setzte das Gericht auf drei Jahre zur Bewährung aus. Außerdem müssen die Verurteilten jeweils 1000 Euro an die Staatskasse zahlen.
Die beiden Holländer sind Gelegenheitsdrogenkuriere. Sie hatten im vergangenen Oktober gleich bei ihrer ersten Fahrt etwas mehr als zwei Kilogramm Marihuana im Auto dabei, als sie von Zollbeamten auf der A 8 aus dem Verkehr gezogen wurden. „Es sind nicht die großen Fische, die wir hier haben“, sagt denn auch der Vorsitzende Richter Werner Kömpf über die beiden Angeklagten in seiner Urteilsbegründung. Allerdings seien zwei Kilogramm Marihuana auch kein Pappenstiel, so Kömpf weiter.
Mit dieser Ladung im Wagen hatten sich die beiden Holländer am 2. Oktober des vergangenen Jahres von Eindhoven aus auf den Weg nach Österreich gemacht. Er sei von einem Bekannten eines Arbeitskollegen gefragt worden, ob er für einen ausgefallenen Kurier einspringen könne, berichtet der 25-Jährige vor Gericht. Dafür sollte er 500 Euro bekommen. Geld, das der junge Mann wohl gut gebrauchen konnte, denn er hatte kurz vorher seinen Job verloren.
500 Euro für die Kurierfahrt
Weil ihm die Polizei aber unmittelbar vor der Kurierfahrt den Führerschein abgenommen hatte, er war nach einer Party mit zu viel Alkohol im Blut erwischt worden, drängte er seinen Mitangeklagten, zu fahren. Dafür wollte er auch die versprochenen 500 Euro mit ihm teilen. Der ebenfalls arbeitslose 24-Jährige sagte zunächst ja, wollte dann aber einen Rückzieher machen und behauptete, kein Auto organisieren zu können. Daraufhin stellte ihnen der Drahtzieher der Kurierfahrt und gemeinsame flüchtige Bekannte sein Fahrzeug zur Verfügung. Nicht genug damit. Er war beim Beladen dabei, programmierte das Navigationsgerät für seine beiden Aushilfsfahrer, fuhr ihnen voraus und warnte sie auch vor Geschwindigkeitskontrollen.
Allerdings konnte er nicht verhindern, dass Zollbeamte den Wagen mit niederländischem Kennzeichen und den beiden Männern darin auf die Tank- und Rastanlage Sindelfinger Wald lotsten. Möglicherweise hätten sie die Kontrolle sogar ungeschoren überstanden. Der 25-Jährige habe jedoch ständig das Gespräch unterbrochen, sagte ein als Zeuge geladener Zollbeamte aus. „Der Beifahrer war sehr aufgeregt und nervös“, meinte er. Dadurch geriet das Duo in Verdacht. Weil in der Hosentasche des einen etwas Marihuana entdeckt wurde, sahen sich die Beamten den Wagen genauer an. Im Fußraum vor der Rückbank stießen sie – nur notdürftig unter Kleidern versteckt – auf eine weiße Tüte, die eine schwarze Tüte ohne Aufdruck enthielt. Der angebliche Kaffee für die Mutter erwies sich als Marihuana. Das Verhalten der Ertappten bezeichnete der Zollbeamte als „unprofessionell und dilettantisch“.
Gegen den Drahtzieher ermittelt die Polizei
„Ich wusste nicht, dass das, was ich getan habe, so schlimm war“, sagt der 25-Jährige. Er und sein Mitangeklagter, die sich bislang nichts zuschulden haben kommen lassen, dürften von Kurierfahrten für Drogenhändler kuriert sein. Der 24-Jährige kam mit einer etwas geringeren Strafe davon. Er half, den holländischen Drahtzieher der Fahrt zu identifizieren, gegen den die Polizei ebenfalls ermittelt.