Wenn sie anfängt, ist alles neu. Das eben gemalte Bild ist weggewischt. Eine frische Sandfläche ist zu sehen. Was die ersten Striche, das anfängliche Wischen bedeuten, weiß niemand im Raum. Aber dann wird es deutlich: eine runde Form. Es muss ein Gesicht sein.
Der Mund wird aufgestreut, der Vollbart, dann so etwas wie Glupschaugen – die aber schnell in richtige Augen umgewandelt werden. Faszinierend, wenn einen die Gestalt auf der Glasplatte anschaut. Kein Gesicht ist wie das andere. Das junge Gesicht strahlt und das Alte wirkt müde und hat Falten. Am Ende dann das Tuch über dem Kopf, das Conny Klement Männern wie Frauen verpasst. Die Evangelisch-methodistische Gemeinde und ihre Gäste erkennen den Prophet Simeon, der das Christkind im Arm hält. Auf der einen Seite die Mutter des Kindes: Maria. Auf der anderen Seite ein sichtbar altes Gesicht im Profil: Hanna, die Prophetin. Das Sandmalen wird wunderbar ergänzt durch die sonore Stimme und die passenden Texte von Johannes Klement. Und dann nimmt die Künstlerin ihren Wischer und das ganze mühevoll gestaltete Bild ist mit drei Strichen wieder weg.
Faszinierend, wie Conny Klement in den beiden Gottesdiensten in der Evangelisch-methodistischen Kirche, immer wieder neue Bilder aus ihrem Sand zaubert. Mal einen Adventskranz, mal Gesichter, mal einen Olivenbaum mit Obstkorb, mal ganze Szene, die sie dann auch nötigenfalls wieder übermalt. Aus dem Weihnachtsstern wird mit zwei Balken das Kreuz. Die Lichter am Adventskranz fangen an zu brennen. Kinder und Erwachsenen sitzen da mit offenen Mündern und mucksmäuschenstill.
Während die Künstlerin an ihrer ca. 100 auf 70 cm großen Kiste malt, wird alles über eine Kamera auf die Leinwand geworfen. Die Sandmalerin ist mit ihrer Kunst im geistlichen Bereich so ziemlich einzigartig. Ihre Videos sind auf Youtube zu sehen. Sie reichen von ermutigenden und tröstenden Videos bis zu biblischen Geschichten zum kirchlichen Jahreslauf oder auch zu Kirchenhistorischen Themen.
Nach dem Gottesdienst ist die Kiste umlagert. Viele wollen einmal den feinen Sand spüren, manche von den Jugendlichen bekommen einen kleinen Einführungskurs, wie ein Schaf gemalt werden kann, und machen das ganz gut. Was braucht es für diese Kunst? Kreativität und Sinn für Gestalten, ein paar Techniken, die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Raum, damit der Sand schön läuft, und – lange Fingernägel oder einen Zahnstocher, um auch die zarten Striche gut herausarbeiten zu können. Außerdem jede Menge Geduld und Übung.
Die ca. 100 Zuschauer am Sonntagmorgen gingen alle sehr bewegt von Jesaja und der Weihnachtsgeschichte nach hause.
Die Bilder ihres Weihnachtsweges sind noch bis zum 28.12. in den Evangelisch-methodistischen Kirche in Böblingen, Sindelfingen, Altdorf und Holzgerlingen zu sehen mitsamt Videos zu ihrer Entstehung.
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