Böblingen muss sparen Mittelaltermarkt steht auf der Kippe
Böblingen muss sparen. Doch wo genau das passiert, blieb bisher vage. Nun wurde bekannt: Den Mittelaltermarkt könnte es treffen.
Böblingen muss sparen. Doch wo genau das passiert, blieb bisher vage. Nun wurde bekannt: Den Mittelaltermarkt könnte es treffen.
Es ist eine Nachricht, die Böblingen erst noch verdauen muss: Die Stadt steht finanziell deutlich schlechter da als noch vor wenigen Wochen angenommen. Das wird nicht ohne spürbare Folgen bleiben. Ein mögliches erstes Opfer des Sparzwangs: der Böblinger Mittelaltermarkt. Ursprünglich organisiert mit dem Gedanken, den Marktplatz zu beleben, steht die Veranstaltung nun auf der Kippe.
Die Böblinger Rathausspitze hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die Gewerbesteuereinnahmen deutlich niedriger ausfallen als gedacht. Ursprünglich hatte die Stadt für 2026 mit Einnahmen von rund 125 Millionen Euro gerechnet. Nun muss sie diesen Wert auf circa 80 bis 85 Millionen Euro korrigieren, sagte Erster Bürgermeister Tobias Heizmann im Gemeinderat. Die Stadt muss also noch mehr sparen als geplant. „Das wird auch zu spürbaren Einschnitten bei der Bevölkerung führen“, kündigte Belz an, betonte aber auch: „Wir werden verantwortungsvoll damit umgehen.“
Während sich die Verwaltung mit der Nennung konkreter Sparmaßnahmen zurückhielt, ging Enzo Gaeta, Fraktionsvorsitzender von SPD/Linke, in die Offensive. „Uns liegen Hinweise vor, dass bereits Kürzungen vorgenommen wurden“, sagte er. Kürzungen, die sich im öffentlichen Leben niederschlagen würden. Als ein konkretes Beispiel nannte er den Mittelaltermarkt, der laut Gaeta nach jetzigem Strand nicht mehr möglich sei.
Der Grund: Das Budget fürs Stadtmarketing sei – ohne den Gemeinderat zu informieren – auf Null gesetzt worden. Die Kritik der Fraktion: Die Einsparungen beim Mittelaltermarkt seien verhältnismäßig gering, der Schaden hingegen groß. „Streichen wir Anlässe zur Begegnung, wird es schwierig, sie wieder aufzubauen“, gab seine Parteikollegin Gerlinde Feine zu bedenken. Und: „Wir brauchen den Rückhalt der Leute - und den verlieren wir, wenn wir alles streichen, was Spaß macht.“
Eine Nachfrage bei der Stadt zeigt: Der Mittelaltermarkt steht tatsächlich auf der Kippe. „Eine Finanzierung des Mittelaltermarkts ist angesichts der aktuellen Haushaltslage nicht gesichert“, teilt Stadtsprecher Fabian Strauch auf Nachfrage mit. „Es müsste durch den Wegfall einer anderen Leistung kompensiert werden.“ Dass die Finanzierung unsicher ist, hat aber offenbar nichts mit dem aktuellen Einnahme-Einbruch zu tun, sondern geht bereits auf die ohnehin angesetzten und vom Gemeinderat bereits beschlossenen Sparmaßnahmen zurück.
Die Stadt hatte sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2026 im Vergleich zu 2025 bei den Fachämtern 6,5 Millionen Euro einzusparen. Diese Kürzung hat laut Strauch dazu geführt, dass ein gesichertes Budget für den Mittelaltermarkt 2026 nicht mehr vorhanden sei. Mit Aussagen zu weiteren Projekten, hält sich die Stadt aber weiterhin zurück. Denn: Mit Blick auf die neue Sparrunde sind die Fachämter und die Kämmerei laut Strauch gerade erst dabei, Vorschläge und Maßnahmen, wo die Stadt sparen könnte, zu erarbeiten. Diese Liste mit Vorschlägen soll dann dem Gemeinderat als Grundlage dienen, um über Einsparungen zu entscheiden.
Mit der angespannten Haushaltslage steht Böblingen nicht alleine da. Aus der Nachbarstadt Sindelfingen kommen ebenfalls Nachrichten, wo gespart werden muss. Prominentestes Beispiel: die Idee eines Spaßbads, der Oberbürgermeister Markus Kleemann (CDU) angesichts der hohen Kosten eine Absage erteilte. Aber auch einzelnen großen Veranstaltungen droht in Sindelfingen das Aus – unter anderem dem dortigen Mittelaltermarkt.