Rückblick auf einen Abend mit Paul Schobel und der Frage nach Frieden in Zeiten des Krieges

Wie spricht man über Frieden, wenn täglich Bilder von Gewalt die Nachrichten füllen? Beim Vortrag „Selig die Friedfertigen“ stellte sich der frühere Betriebsseelsorger Paul Schobel auf Einladung der keb Katholische Erwachsenenbildung im Kreis Böblingen e.V. dieser Frage, mit einer biblischen Spurensuche und deutlichen Worten zur Gegenwart.

 

Schobel erinnert daran, dass Frieden im Zentrum der Bibel steht: „Er ist unser Friede“ (Eph 2,14). Die Sehnsucht des alttestamentarischen Israels nach „Schalom“ meint umfassenden Frieden mit Gott und den Menschen. Propheten rufen dazu auf, „den Krieg zu verlernen“ und dem Frieden nachzujagen. Mit Jesus gewinnt diese Botschaft eine neue Schärfe: „Selig die Friedfertigen.“ Für Schobel entsteht daraus ein Auftrag, Bösem nicht mit Bösem zu begegnen, sondern das Gute stark zu machen.

Feindesliebe versteht er nicht als Gefühl, sondern als bewusste Entscheidung zur Agape. Begegnung, Gastfreundschaft und das Verlassen starrer Rollenbilder könnten Feindschaft abbauen. „Den Feind verstehen wollen heißt nicht einverstanden sein“, betont Schobel. Gewalt werde nur überwunden, wenn Menschen in die Logik der Gewaltlosigkeit wechseln.

Auch die Politik nimmt er in den Blick. Helmut Schmidt meinte einst, mit der Bergpredigt sei keine Politik zu machen. Gorbatschow dagegen nannte sie „das wirksamste Überlebensprogramm der Menschheit“. Für Schobel ist klar: „Krieg ist die Bankrotterklärung der Politik.“ Jeder Krieg habe eine Vorgeschichte, doch nichts entschuldige einen Angriffskrieg. Zugleich warnt er vor Aufrüstung: Sie sei nicht nur klimaschädlich, sondern trage den Krieg „in sich“. Ein Funke, sagt er, könne genügen.

Deutlich kritisch äußert sich Schobel zur Rolle der Kirchen. Während die Urkirche Kriegsdienst ablehnte, legitimierten spätere Staatskirchen den „gerechten Krieg“. Heute betonen kirchliche Stellungnahmen militärische Verteidigung als ultima ratio. Für Schobel eine problematische Verschiebung: „Wir haben den Menschen die jesuanische Friedensbotschaft vorenthalten.“ Gleichzeitig formuliert er einen Auftrag: „Zumindest unsere beiden christlichen Kirchen müssen den Schulterschluss für den Frieden üben.“ Auch die Frage, ob man mit der Orthodoxie stärker gemeinsam agieren könnte, stehe dabei im Raum.

Was aber können Menschen vor Ort tun? Schobel ruft dazu auf, sich gründlich zu informieren, Veranstaltungen zur Friedensbildung zu besuchen und sich aktiv einzubringen. Christen sollten mitreden, „weil wir kompetent sind im Frieden“. Friedensinitiativen hätten es schwer, da viele sie kaum wahrnähmen. Ohne gesellschaftlichen Druck werde sich wenig bewegen.

Auch das Gebet spielt für ihn eine Rolle, allerdings anders als gewohnt: Nicht Gott müsse Kriege beenden, sondern Menschen. Gebet könne jedoch den Betenden verändern, stärken und friedfertiger machen.

In der Diskussion stellt eine Teilnehmerin die eindringliche Frage: „Wo sind die Frauen – und was können wir bewegen?“ Sie erinnert an Kästners Zeilen, in denen Frauen den Mut haben, dem Krieg ein entschiedenes Nein entgegenzusetzen. Dieser Hinweis öffnete den Blick auf die oft übersehene Rolle von Frauen in Friedensprozessen, und auf Initiativen vor Ort, die genau hier ansetzen: mit Friedensbildung, Zivilcourage und der Einübung gewaltfreier Kommunikation.

Am Ende bleibt ein klarer Auftrag: Frieden beginnt im Inneren jedes Menschen und im Miteinander vor Ort. „Wir müssen unseren Frieden mit uns selbst machen“, so Schobel. Und wir müssen aktiv werden, für eine Kultur des Friedens, die sich nicht nur an großen politischen Zielen misst, sondern auch an unserem Handeln „bei uns daheim“.

Bei uns daheim

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