Böblingen/Sindelfingen Der Marktplatz wird zum Ort der Poesie

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Am Samstag begehen die beiden Städte die Lange Nacht der Museen. An 17 Orten gibt es Kultur, Kunst und Musik umsonst. Ein kostenloser Shuttlebus verbindet die Lokalitäten.

So prächtig illuminiert war der Böblinger Marktplatz bei der Langen Nacht 2014. Foto: factum//Andreas Weise/Simon Granville
So prächtig illuminiert war der Böblinger Marktplatz bei der Langen Nacht 2014. Foto: factum//Andreas Weise/Simon Granville

Böblingen/Sindelfingen - Auch wenn viele Böblinger behaupten, niemals einen Fuß in die Nachbarstadt zu setzen und so mancher Sindelfinger lieber einen Umweg macht, als Böblinger Gemarkung zu überqueren – einmal im Jahr gibt es ein reges Hin und Her zwischen den Städten. In der Langen Nacht der Museen, die Böblingen und Sindelfingen am kommenden Wochenende bereits zum 18. Mal gemeinsam organisieren, verbindet Kultur die Bürger beider Städte.

17 Museen, Einrichtungen und Plätze werden bis Mitternacht zu kulturellen Bühnen. In Böblingen ist wieder der Marktplatz der Dreh- und Angelpunkt. Die Lange Nacht ist eine der wenigen Gelegenheiten im Jahr, in denen der sonst tote Platz lebendig wird. Jedes Jahr lassen sich die Organisatoren der Stadt etwas Neues einfallen. Fantasievolle Illuminationen und Live-Theater haben in den vergangenen Jahren viele Besucher angelockt. In diesem Jahr gibt es etwas ganz Neues: In einem Container, der zwischen Zehntscheuer und Fleischermuseum platziert wird, sitzen Texter und Zeichner. Mit ihnen können die Besucher durch ein Fenster Kontakt aufnehmen. Die Künstler schwärmen aber auch zu Fuß aus und sammeln Statements. Diese setzen sie dann in Texte und Bilder um. Die Zeichnungen werden live an die Zehntscheuer projiziert, die lyrischen Texte an den Turm der Stadtkirche geworfen.

Unimogs auf dem Marktplatz

„Wir sind gespannt, wie das ankommt“. sagt Anderas Wolfer vom Kulturamt der Stadt. Anders als in den Vorjahren werde der Marktplatz nicht beleuchtet – außer die Unimogs, eine weitere Attraktion. Zehn allradgetriebene Fahrzeuge stellt der Unimog-Stammtisch Böblingen-Sindelfingen für diesen Abend zur Verfügung. „Die Besucher dürfen auch einmal darin Platz nehmen“, sagt Wolfer.

Sindelfingen ist wieder Anziehungspunkt für Familien. Gleich zwei Museen machen Angebote für Kinder: Das Schauwerk im Osten der Stadt bietet um 18.30 Uhr eine Entdeckungsreise für Sechs- bis Elfjährige durch das Museum an, parallel dazu können Jugendliche ab zwölf Jahren einen Workshop „Mit Licht malen“ besuchen. Um 20 Uhr gibt es eine zweite Auflage des Workshops. Während des Kinderprogramms können die Erwachsenen an Führungen durch die Ausstellungen im Haus teilnehmen.

Kinderprogramm in Sindelfingen

Auch im Stadtmuseum gibt es eine Kinderprogramm mit Bastelaktionen, das um 18 Uhr beginnt. „Als besonderes Schmankerl“ bezeichnet der Sindelfinger Kulturamtsleiter Horst Zecha den Besuch von Minna Moscherosch-Schmidt im Stadtmuseum. Für einen Abend schlüpft Sarah Kupke in die Rolle der wagemutigen Sindelfingerin, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert ist. Kupke liest aus deren Briefen an den Sindelfinger Bürgermeister Wilhelm Hörmann. Programm gibt es auch in den anderen Museen. Das Blaue Haus feiert in der Langen Nacht sein zehnjähriges Bestehen mit einer Lichtinstallation und Live-Musik. Am Marktplatz eröffnet Marko Schacher eine neue Galerie.

Es gibt überdies Konzerte und Kleinkunst, eine Druckwerkstatt und natürlich überall auch kulinarische Häppchen und Drinks. Mit einem Shuttlebus, der im 30-Minuten-Takt fährt, können die Besucher zwischen den Städten pendeln.