Böblingen: Tag des offenen Denkmals Von Gotteshäusern bis zum einstigen Sandwerk

Von und Constanze Loser 

Zum Tag des offenen Denkmals haben am Sonntag zahlreiche historische Gebäude im Kreis geöffnet. Meistens werden auch Führungen angeboten.

Die Hildrizhausener Nikomedeskirche hat    eine lange Geschichte. Foto: factum/Bach
Die Hildrizhausener Nikomedeskirche hat eine lange Geschichte. Foto: factum/Bach

Böblingen - Dass in Hildrizhausen einst Mönche sangen, erfahren die Besucher der evangelischen Nikomedeskirche am Sonntag, 11. September. Aber nicht nur dieses Gotteshaus steht am Tag des offenen Denkmals im Fokus, auch in vielen anderen, altehrwürdigen Gemäuern gibt es Historisches neu zu entdecken. Meistens stehen Führungen auf dem Programm.

Neu ist in diesem Jahr ein eigens vorbereiteter Vortrag über die Hildrizhausener Nikomedeskirche, der im Zusammenhang mit einem Rundgang um 15.30 Uhr angeboten wird. Die Kirche ist dem heiligen Nikomedes geweiht, einem Märtyrer aus frühchristlicher Zeit in Rom. Etwa bis zum Jahr 1556 pilgerten Mütter nach Hildrizhausen, um für die Gesundheit ihrer Kinder zu beten. Mitglieder des Interessenkreises Ortsgeschichte haben herausgefunden, dass es zwischen Hildrizhausen und Herrenberg eine Behausung der „Grauen Mönche“ gab. Ihnen gehörten zwei Mönchsorden an: die Zisterzienser – wegen ihres grauen Reiseumhangs – sowie der franziskanische Orden. Namen der Gewanne zeugen immer noch davon. Sie heißen „Mönchkeller“, „Mönchgarten“ und „Brudergarten“. Die Mönche sollen dort um 1500 gelebt haben.

Mönche stimmten Lieder an

Dies belegte der Pfarrer Bartholomäus Eyselin im Jahre 1628 mit der Aussage des Hausemer Bürgers Jakob Wolpoldt, „dass er zu seiner Zeit gesehen hab, wie das Hauß und Capell gestanden. Die Brüder haben graue Kutten getragen“. Zu jener Zeit war die Nikomedeskirche noch eine Stiftskirche, in der die Mönche ihre Lieder anstimmten. Auch um an sie zu erinnern, wird am Sonntag um 17 Uhr der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde im Kirchhof spielen. Bereits um 10 Uhr ist ein Gottesdienst, danach sind die Kirche und das nahe Waaghäusle bis um 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Wie noch andere Kommunen im Kreis hat auch Sindelfingen ein besonders geschichtsträchtiges Gotteshaus zu bieten: die Stiftskirche St. Martin. Ursprünglich als Kloster der Grafen von Calw geplant, das sich jedoch später in Hirsau ansiedelte, wurde auf dem Anwesen ein Stift gegründet. Die Kirche gehört zu den am besten erhaltenen romanischen Bauten im Land mit einem Dachstuhl aus dem Jahr 1121 (geöffnet ist von 14 bis 17 Uhr). Für die wirtschaftliche Entwicklung Sindelfingens wiederum war das ehemalige Sandwerk Körner in der Leonberger Straße von Bedeutung, das am Sonntag von 10.30 bis 15.30 Uhr besichtigt werden kann.

Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg

Bemerkenswerte Kirchen gibt es auch andernorts im Landkreis, wie etwa die Stiftkirche in Herrenberg mit ihrem Zwiebeldach, landläufig auch die „Glucke im Gäu“ genannt. Um 13 Uhr ist dort eine Führung anberaumt, die sich historisch Interessiert ebenfalls nicht entgehen lassen sollten. Die große Feier für Kinder startet um 14 Uhr in der Sankt-Josef-Kirche in der Walther-Knoll-Straße, wo zu einem Kinder-Orgeltag eingeladen wird.

Die Stadt Böblingen wiederum bittet die Besucher in die Erinnerungsräume auf den Alten Friedhof in den Herdweg. Dort präsentiert der Böblinger Künstler Marinus van Aalst seine künstlerische Aufarbeitung der Stadtgeschichte im Zweiten Weltkrieg. Geöffnet ist von 15 bis 17 Uhr.

KZ-Gedenkstätte im Engelbergtunnel

An die Kriegswirren wird auch im alten Engelbergtunnel in Leonberg erinnert. Um die Geschichte zu erläutern, wurde eine Filmleinwand installiert. Die beiden Tunnelröhren waren in den Kriegsjahren 1944/45 Produktionsort der Messerschmitt-Flugzeugwerke. Mehr als 5000 Häftlinge aus dem Konzentrationslager an der Seestraße mussten dort arbeiten. Nach der Eröffnung des neuen Basistunnels im Jahr 1999 wurden die alten Röhren zugeschüttet, ein 20 Meter langes Teilstück blieb als Gedenkstätte erhalten. Am Sonntag ist der alte Tunnel von 14 Uhr an für die Öffentlichkeit zugänglich, um 14.30 Uhr beginnt der Informationsnachmittag. Ebenfalls in Leonberg ist von 10 Uhr an die Lahrensmühle zu besichtigen, die letzte erhaltene Getreidemühle im Ort.

Und in Weil der Stadt geht um 10 Uhr auf dem Marktplatz eine geführte Wanderung in die nähere Umgebung und über den Mittelberg los. Eine Nachtwächter-Führung, bei der die Teilnehmer etwas über die Historie der Stadt erfahren, beginnt am Rathaus ausnahmsweise schon um 16 Uhr.




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