Böblingen Wenn Schwester Teresa Butterkekse bringt

Die Kinderkrankenschwester Teresa Jacob fliegt in wenigen Tagen mit Koffern voller Medikamente nach Nigeria. Als Mitglied des Vereins Partnerschaft Gesunde Welt kümmert sie sich um Kinder in einem Heim nahe Benin City.

Viele Kinder haben sich auf der Flucht Wunden zugezogen  –  Teresa Jacob desinfiziert sie. Foto: Verein Partnerschaft Gesunde Welt
Viele Kinder haben sich auf der Flucht Wunden zugezogen – Teresa Jacob desinfiziert sie. Foto: Verein Partnerschaft Gesunde Welt

Sindelfingen - Ihre Augen funkeln vor Freude, wenn Teresa Jacob von einem Wiedersehen mit den Kindern in Nigeria spricht. Unerschrocken wie sie ist, begibt sich die junge Frau am 1. Juni in das unsichere Land, für das das Auswärtige Amt eine Reisewarnung herausgegeben hat. Dabei ist der Schrecken dort allgegenwärtig: Die Kinder seien oft alleine aus dem nördlichen Landesteil von Nigeria geflüchtet, wo die Terrorgruppe Boko Haram Angst und Schrecken verbreitet, berichtet die Kinderkrankenschwester aus Böblingen. Auch viele geflüchtete Frauen sind in dem Heim für Bedürftige, im Home Of The Needy, wie das Refugium in der Nähe von Benin City heißt. 3000 Menschen leben dort. Und täglich werden es mehr.

Vom Verein fliegt nur Teresa Jacob nach Nigeria

„Von uns fliegt keiner außer ihr dorthin“, sagt Wolfgang Fischer vom Verein Partnerschaft Gesunde Welt Klinikverbund Südwest, dem auch die 31-jährige Böblingerin angehört. Das sei viel zu gefährlich. Doch Teresa Jacob habe einen festen christlichen Glauben. „Wenn es darauf ankommt, wird mir der Herr beistehen.“ Solche Worte höre er von ihr, wenn es darum gehe, das Risiko zu meiden. „Viele Frauen in dem Heim sind missbraucht und vergewaltigt worden“, berichtet Jacob. Manche Frauen und Kinder hätten zusehen müssen, wie ihre Männer und Väter von den Terroristen getötet worden seien. „Manche Frauen mussten ihren Mann selbst begraben“, sagt die junge Frau, die aus Sachsen stammt, wo ihre Eltern noch wohnen. Viele Frauen und Kinder seien traumatisiert. Vielen kommen nach ihrer Flucht mit Verletzungen im Heim an, manche mit Krankheiten. Oft ohne Schuhe, ohne jegliches Hab und Gut. Viele Dörfer seien von Boko Haram niedergebrannt worden.

Der Verein des Klinikverbunds und Teresa Jacob sammelten Spenden. Sie half mit, eine bescheidene, eher notdürftige ausgestattete Krankenstation einzurichten. Noch vor einiger Zeit schliefen die Kinder einfach auf dem Boden. Nun konnten Matratzen angeschafft werden, viele haben aber noch immer keine. „Sie liegen da wie die Sardinen“, sagt Teresa Jacob. So eng geht es zu. Und natürlich fehlt es an Medikamenten und Verbandszeug, an Spritzen und an medizinischem Gerät.

Koffer sind voll mit Medikamenten

Die Kinderkrankenschwester, die derzeit eine Ausbildung als Hebamme macht, wird mit etlichen Koffern ihre Reise antreten. Vollgepackt mit Schmerzmitteln, Magentabletten, Hustensäften, Salben gegen Krätze und andere Hautkrankheiten, mit Desinfektionsmitteln und Pflastern. Sie hat Apotheken angesprochen, ein Medikamenten-Hilfswerk und auch Privatpersonen. Manche spenden ihr die Medikamente, manche kauft sie – mit Geld aus dem Spendenfonds des Vereins.

Teresa Jacob tut das nicht zum ersten Mal. Mehr als 20 Trips hat sie bereits hinter sich, oft mit längeren Aufenthalten, bei denen sie in der Krankenstation überall dort hilft, „wo Not am Mann ist“, wie sie bescheiden sagt. Den Aufenthalt und teilweise auch die Flüge bezahlt sie zumeist aus eigener Tasche. Zwei Wochen in einem Gästezimmer im Home Of The Needy mit Kost und Logis kosten sie 450 Euro.

Für eine ausgewogene Ernährung fehlt das Geld

Eine große Herausforderung in der christlichen Einrichtung sei auch die Ernährung. Häufig fehlten die Zutaten, um das Essen ausgewogener zu gestalten,. „Es fehlt Geld für Zwiebeln und Tomaten. Fleisch und Fisch gibt es sehr selten“, sagt Teresa Jacob. Die Reispreise seien enorm gestiegen. Häufig werde Maniok mit einer aus Öl gemachten Soße zubereitet.

Um so mehr freuen sich die Kinder über Butterkekse, die Teresa Jacob stets im Gepäck hat. „Wenn sie einen in der Hand haben und reinbeißen, können sie alles vergessen“, sagt ,die regionale Mutter Teresa’, wie Wolfgang Fischer die rührige Helferin nennt. Nein, Angst habe sie keine, wenn sie nun wieder nach Nigeria fliege. Im Süden des Landes gehe es friedlich zu. Außerdem werde sie am Flughafen abgeholt und sei dann in sicheren Händen.




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