Böblingen Finanzen sind ein Problem

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Aber der Verein bestimmt doch mit. So sind Sie, Herr Temel, bereits der dritte geschäftsführende Schulleiter in drei Jahren.
Temel: Wie Sie sagen, ich bin der geschäftsführende Schulleiter. Auf die Pädagogik oder die Auswahl der Lehrer hat der Verein keinerlei Einfluss. Das ist Sache der pädagogischen Schulleiter, von Herrn Knödler und Herrn Hallanzy, und den schulischen Gremien. Mich hat man eingestellt, weil ich ein Diplom-Kaufmann bin, der auch pädagogische Erfahrungen mitbringt. Der Verein hat einen Fachmann für die Buchhaltung gesucht. Die Finanzen einer Privatschule dieser Größe in den Griff zu bekommen, das kann man nicht nebenbei machen. Ich habe das gelernt und mache es in Vollzeit.

Von außen hat es den Anschein, als verfüge Ihre Schule über unendlich viel Geld. Viele fragen sich: Woher kommt das?
Temel: Wir haben Einnahmen aus den Schulgebühren und den Mitgliedsbeiträgen. Ansonsten leben wir von Spenden. Seit Kurzem erhalten wir auch Zuschüsse des Landes. Das ist üblich, wenn Privatschulen seit drei Jahren bestehen und wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllen. Darüber hinaus brauchen wir pro Monat mehrere tausend Euro an Spenden. Aber leicht ist das nicht. Es gab in den vergangenen zwei Jahren oftmals Situationen, in denen wir mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Jetzt, mit dem Zuschuss, ist das Ganze etwas einfacher geworden.

Wollen Sie die Integrationsministerin Öney jetzt vielleicht offiziell einladen?
Knödler: Wir werden darüber nachdenken. Unter Druck setzen wollen wir sie auf keinen Fall. Wir hatten in den vergangenen Jahren sehr viele Kommunal- und Landespolitiker zu Besuch in unserer Schule. Wir machen das, um uns bekannt zu machen, um uns zu vernetzen und um zu zeigen: Wir schotten uns nicht ab, wir wollen uns in Böblingen integrieren, ein Teil des hiesigen Schulsystems sein.

Was sagen sie den Politikern? Warum ist Ihre private Prisma-Schule notwendig?
Knödler: Ich war mein Leben lang im öffentlichen Schuldienst tätig. Und ich musste feststellen, dass es leider Kinder gibt, die in unserem Schulsystem nicht gut genug gefördert werden – dazu gehören auch Kinder aus Migrantenfamilien. Wir bieten in unserer Schule mit kleinen Klassen, einer gezielten individuellen Förderung und intensiver Elternarbeit diesen Kindern eine Chance auf Bildung und Aufstieg, die sie sonst so nicht haben. Die Schule dient damit der Integration. Mit dem Förderverein arbeiten wir von der Schulleitung auf Augenhöhe zusammen. So entsteht eine Brücke zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen.




Unsere Empfehlung für Sie