Böblingen: Zweckverband legt Bilanz vor Müllofen erzeugt noch mehr Fernwärme

Im Restmüllheizkraftwerk wird umweltfreundliche Energie erzeugt. Foto: factum/Granville
Im Restmüllheizkraftwerk wird umweltfreundliche Energie erzeugt. Foto: factum/Granville

Der Müllmeiler ist im vergangenen Jahr an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Es konnten sieben Prozent mehr Fernwärme abgegeben werden.

Böblingen: Günter Scheinpflug (gig)
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Allen Unkenrufen zum Trotz hat der Böblinger Müllmeiler im vergangenen Jahr ein sehr gutes Ergebnis erzielt. „Wir müssen sehen, dass wir genügend Abfall erhalten“, hatte der Calwer CDU-Kreisrat Andreas Hölzlberger angesichts sinkender Müllmengen im Land vor einiger Zeit gewarnt. Jedoch haben die Vertragspartner des

Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk Böblingen ihre Lieferkontingente erfüllt. Der Müllofen arbeite mit einer Verbrennungsmenge von 160 000 Tonnen im Jahr an der Kapazitätsgrenze, sagte der Landrat Roland Bernhard. Im vergangenen Jahr wurden mit 217 000 Megawattstunden sieben Prozent mehr Fernwärme in das Netz der Städte Böblingen und Sindelfingen eingespeist als im Jahr 2014. Zudem wurden im Müllmeiler 45 000 Megawattstunden Strom erzeugt.

„Wir produzieren damit die Jahresmenge an Wärme, die eine Stadt in der Größe von Böblingen verbraucht. Und mit unserem Strom könnten wir den Jahresbedarf einer Stadt wie Herrenberg decken“, verdeutlichte Bernhard. Das sei umso bemerkenswerter, weil die Konkurrenz unter den Anlagenbetreibern bundesweit groß sei und manche Probleme bei der Auslastung hätten, gab der Landrat zu bedenken.

Umlage für eine Tonne Müll sinkt

Entscheidend dabei ist der Verbrennungspreis pro Tonne, der zuletzt von Calwer Kreisräten als zu hoch kritisiert wurde. Sie wurden dieses Mal besänftigt. Im Zweckverband geht man davon aus, dass die Liefermengen auch in diesem Jahr eingehalten werden. Bei einer Auslastung mit 140 000 Tonnen wird die Umlage um 4,50 Euro auf 155,15 Euro pro Tonne gesenkt, bei 160 000 Tonnen kommen auf die Vertragspartner 144,81 Euro je gelieferte Tonne zu. Die niedrigere Umlage ist möglich, weil der Zweckverband bei der Fernwärme mit Einnahmen in Höhe von 8,6 Millionen Euro rechnet – das sind 400 000 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig geht er davon aus, dass sich die Kosten für Betrieb und Personal nicht erhöhen.

„Zudem trägt der Müllmeiler dazu bei, dass, die Abfallgebühren für die Haushalte stabil bleiben“, unterstrich Wolf Eisenmann, der Geschäftsführer des Zweckverbands. Darüber hinaus arbeite der Müllofen auch überaus umweltfreundlich. „Die geltenden Grenzwerte“, erklärte Eisenmann, „werden bei uns teilweise um das Zehnfache unterschritten.“

Auch Klärschlamm soll verbrannt werden

In der jüngsten Sitzung der Verbandsversammlung, in dem der Wirtschaftsplan für dieses Jahr einstimmig beschlossen wurde, informierte Eisenmann auch über einen Vorfall im Restmüllheizkraftwerk. Verursacht durch Starkregen seien rund 1500 Kubikmeter saures Wasser ausgetreten. „Unsere Mitarbeiter konnten das Wasser noch auf dem Gelände ableiten. Zu einem Umweltschaden ist es nicht gekommen“, versicherte Wolf Eisenmann.

Seit Inbetriebnahme des Müllmeilers im Jahr 1999 wird aus Abfall Strom gewonnen, und seit dem Jahr 2002 auch Fernwärme produziert. Im Jahr 2008 wurde ein Biomasseheizkraftwerk in Betrieb genommen, in dem Holzabfälle und Häckselmaterial verbrannt wird. Die volle Auslastung der Anlagen und die Energiegewinnung führten dazu, dass jährlich beim Heizen auf 16 Millionen Liter Heizöl verzichtet werden könne, bilanzierte Eisenmann. Das bedeute eine Einsparung von 32 600 Tonnen Kohlendioxid und 26 Tonnen Stickoxid.

Der Zweckverband möchte außerdem in den nächsten Jahren auch noch Klärschlamm verbrennen. Laut Eisenmann verbiete eine neue Verordnung, vom Jahr 2025 an den Klärschlamm zur Düngung von Ackerboden zu verwenden. Man plane eine Anlage mit einer Kapazität von 100 000 Tonnen jährlich. Mit ihr lasse sich zusätzliche Energie erzeugen. Ziel sei zudem, aus dem Klärschlamm den Rohstoff Phosphor zu gewinnen. Eine Vorstudie dazu werde beim Institut für Siedlungswasserbau der Universität Stuttgart in Auftrag gegeben. Die Kosten dafür trage zur Hälfte das Land, erklärte Eisenmann.




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