InterviewBöblingens OB Wolfgang Lützner „Wenn Geld da ist, darf man es ausgeben“

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Der Oberbürgermeister Wolfgang Lützner sieht noch viel Bedarf für Verbesserungen in Böblingen. Deshalb will er im Amt bleiben.

Wolfgang Lützner positioniert sich im Wahlkampf. Foto: Burkhardt Hellwig/Stadt Böblingen
Wolfgang Lützner positioniert sich im Wahlkampf. Foto: Burkhardt Hellwig/Stadt Böblingen

Böblingen - Die Kinderbetreuung weiter ausbauen, die Schulen sanieren sowie ein Haus für Kultur und Bürger stehen unter anderem auf der Agenda von Wolfgang Lützner. „Ich brenne für die Aufgaben“, sagt der Oberbürgermeister.

Herr Lützner, kommt der Geldsegen zum Wahlkampf gerade recht?
Der Geldsegen kommt jeder Kommune recht. Aber wir haben auch einiges dafür getan, dass sich Böblingen als Industriestandort gut entwickelt hat.
Bisher haben Sie das Sparen propagiert, werden Sie jetzt spendabel?
Wenn die Zeiten gut sind, darf man das Geld natürlich für die Bürgerschaft ausgeben und durchaus Ideen entwickeln. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, die Wolfgang-Brumme-Allee zwischen List-Platz und Elbenplatz tiefer zu legen. Das würde eine schöne Verbindung zwischen Unterstadt und Schlossberg schaffen und wäre eine Prüfung wert.
Apropos Baustelle: Die Staus in der Stadt sind für die Böblinger ein Reizthema.
Größtenteils sind die Verkehrsprobleme nicht hausgemacht. Auch andere Behörden überraschen uns manchmal mit ihren Baustellen und Schadensfälle wie ein Gasleck kann man nie planen. Mit Hilfe unserer neuen Baustellenmanagerin soll die Situation besser werden. Zudem setzte ich auf eine gesteuerte Ampelschaltung: In der Stadt müssen nur noch 20 Prozent der Anlagen dafür erneuert werden. Ich will eine dynamische Verkehrsnetzsteuerung aufbauen.
Beim Bau von Radwegen stockt es auch.
Es ist ein Böblinger Problem, dass die räumlichen Verhältnisse sehr eng sind. Soweit es freie Flächen gibt, werden Radwege gebaut wie momentan in der Herrenberger Straße. Ich habe da keine Berührungsängste. Warum damals beim Umbau der Wolfgang-Brumme-Allee kein beidseitiger Radweg angelegt wurde, kann ich beispielsweise nicht verstehen.
Was würden Sie sich für die nächsten acht Jahre noch vornehmen?
In der Kinderbetreuung möchte ich unseren hohen Standard erweitern. Wir müssen konsequent die Schulen sanieren und an die neuen Lernformen anpassen. Wir prüfen, ob in der Nähe vom Flugfeld eine weitere Grundschule aufgebaut werden kann. Das Thema Wohnen ist deutlich prekärer geworden. Wir brauchen mehr Sozialwohnungen und kostengünstige Wohnungen. Dabei setze ich auf die Böblinger Baugesellschaft als städtisches Tochterunternehmen. Und ich möchte ein Wohnbauförderprogramm für Familien und Alleinerziehende auflegen. Die Digitalisierung und der Breitbandausbau steht außerdem auf meiner Agenda. Die Daten müssen zu den Bürgern, nicht die Bürger zu den Daten.
Wie sieht es mit Bürgerbeteiligung aus?
Ich will eine Zukunftswerkstatt ins Leben rufen für ein Haus der Kultur und der Bürger auf dem Areal der Hauptpost. Musik, Tanz und Kunst gehören unter ein Dach. Wir müssen auch das Kreative fördern.
Im Stadtteil Galgenberg haben sich die Bürger über mangelnde Beteiligung beschwert.
Für den Neubau von Kindergarten und Turnhalle hat die Verwaltung verschiedene Szenarien präsentiert. Die Anwohner wollten eine kostspieligere Lösung. Wir müssen aber das Allgemeinwohl im Blick haben. Solche Konflikte hat man in einer Stadt immer. Sie dürfen auch hervortreten, dann muss man sie lösen. Ich finde, Demokratie muss nicht kuschelig sein. Eine Verwaltung darf Kontrapunkte setzen. Nun haben wir einen guten Kompromiss.
Was versprechen Sie den Dagersheimern?
Auch in diesem schönen Stadtteil soll die Lebensqualität verbessert werden. Ich bin optimistisch, dass das Gassenquartier ins Sanierungsprogramm des Landes aufgenommen wird. Das Haus der Vereine und der Feuerwehr und den Lärmschutz an der Bundesstraße B 464 würde ich verbessern. Das Hallenbad wird saniert werden müssen. Eine große Herausforderung ist, eine weiterführende Schule nach Dagersheim zu bringen. Schön wäre da eine Kooperation mit Sindelfingen.
Nach 19 Jahren als Bürgermeister könnten Sie schon in Ruhestand gehen. Warum treten Sie noch einmal an?
Ich brenne für die Aufgaben, die in Böblingen anstehen. Zusammen mit der Bürgerschaft haben wir bereits viel umgesetzt, ich sehe jedoch noch Verbesserungsbedarf. Mir macht die Arbeit Freude, auch wegen der tollen Mannschaft im Rathaus. Und für den Ruhestand fühle ich mich viel zu jung.



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