Böblinger Bauprojekt Untere Gasse hängt weiter in der Warteschleife
Ein altes Bauernhaus in der Altstadt gehört seit sechs Jahren der Stadt Böblingen. Doch was daraus werden soll, ist immer noch unklar: Die Pläne ruhen.
Ein altes Bauernhaus in der Altstadt gehört seit sechs Jahren der Stadt Böblingen. Doch was daraus werden soll, ist immer noch unklar: Die Pläne ruhen.
Es sollte ein Leuchtturmprojekt werden: An der Unteren Gasse 7 bis 9, wo noch Reste der mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert erhalten sind, wollte die Stadt Böblingen einen besonderen Ort für Stadtgeschichte schaffen. Doch aus den ambitionierten Plänen ist bisher nicht viel geworden. Eine aktuelle Anfrage an die Stadtverwaltung deutet auf Stillstand hin: Der Projektstatus lautet „ruhend“, eine zeitliche Planung existiert nicht.
Dabei liegen die Machbarkeitsstudien zu dem Gebäude seit mehr als vier Jahren vor. Diese hatten nachgewiesen, dass sowohl die Bausubstanz als auch die Räumlichkeiten in der Unteren Gasse für eine museale Bespielung geeignet sind. Der Kauf des Gebäudes im Jahr 2020 erschien damit rückblickend sinnvoll. Die Stadt teilt dazu mit: „Dieses kulturhistorisch bedeutende Bauteil soll dauerhaft gesichert werden.“ Zwei Jahre nach dem Kauf präsentierte sie auch mehrere Varianten, wie in das alte Gemäuer neues Leben einziehen könnte.
Die Resonanz im Gemeinderat damals war positiv: Endlich schien eine Lösung für die seit den 1990er Jahren geforderte Trennung von Galerie und Museum in Sicht. Endlich könnte die Böblinger Stadtgeschichte, die bislang keinen festen Platz hat, einen würdigen Rahmen erhalten. Stadtplaner Dietmar Weber hatte überzeugend dargelegt, wie die historische Bausubstanz genutzt werden könnte. Die Machbarkeit war damit nachgewiesen, der Enthusiasmus im Rat spürbar.
Ausgehend von den damals präsentierten Varianten M und L beauftragten die Räte die Verwaltung, ein Raumprogramm zu entwickeln. Die Idee: ein multifunktionaler Gebäudekomplex für Stadtarchiv, das neue Format Stadtforum und möglicherweise das Bauernkriegsmuseum, das sich seit Jahrzehnten mit der Städtischen Galerie die zu enge Zehntscheuer teilt. Doch seither ist es um die Untere Gasse ruhig geworden, passiert ist: wenig bis nichts.
Immerhin: Die Stadt nutzte die Scheune im September 2024 als „Pop-up-Ausstellungsfläche“ für das erste Stadtforum. In dem neuen Ausstellungsformat präsentierte sie das Thema Klimawandel in vielen Facetten. Auch bei der Langen Nacht der Museen war die Scheune bespielt. Sie wird seitdem als „Ort der Stadtgeschichte im Werden“ angepriesen. Ein poetischer Begriff, der allerdings die Tatsache zu kaschieren scheint, dass niemand so recht weiß, was aus diesem historisch wichtigen Ensemble eigentlich werden soll.
„Die Erstellung des Raumprogramms ruht“
Peter Lausch Pressesprecher Stadt Böblingen
Parallel zur fehlenden Planung für die Untere Gasse hängt die grundsätzliche Ausrichtung der Böblinger Museumslandschaft seit Jahrzehnten in der Schwebe. Das Bauernkriegsmuseum war 1988 als bewusste Alternative zu einem klassischen Stadtmuseum eröffnet worden. Schon in den 1990er-Jahren aber stand eine räumliche Trennung von der Galerie auf der Agenda. Ein 2019 vorgelegtes Gutachten der Experten Thomas Knubben und Korkut Demirag brachte Bewegung: es hatte empfohlen, das Museum aufzulösen und das Thema in ein anderes Format zu überführen. Das stieß jedoch auf lautstarken Widerstand der Museumsfreunde – dem wichtigen Förderverein hinter der Einrichtung.
Zurück zur Unteren Gasse: Für das Jahr 2023 waren 30 000 Euro zur Ausarbeitung eines Konzepts eingeplant. Die Ergebnisse sollten – so die offizielle Ankündigung im September 2024 – in der zweiten Jahreshälfte 2025 dem Gemeinderat vorgelegt werden. Nun ist es bereits Mitte 2026 und von dieser Zeitplanung ist keine Rede mehr: Die Erstellung des Raumprogramms ruht, heißt es aus dem Rathaus.
Dabei kostet das Nichtstun Geld. Rund 10 500 Euro gibt die Stadt jährlich für den Unterhalt der alten Mauern aus. Derzeit nutzt die Stadt die Gebäude nur interimsweise. Haus Nummer 9 aus dem Jahr 1581 steht komplett leer. Haus Nummer 7 dient als Lager für Stadtreinigung und NABU. Die Scheune von 1806 wird punktuell im Rahmen von Ausstellungen bespielt. Eine Gesamtfläche von etwa 400 Quadratmetern wartet demnach auf eine neue Bestimmung.
Die Projektleitung für die Projektentwicklung liegt beim Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur. Im weiteren Verlauf sollten eigentlich neben der Leitung des Stadtarchivs auch die Leitung des Bauernkriegsmuseums sowie Vertreter der Fördervereine einbezogen werden. Und das Stadtforum? Ob und wann das Konzept einen festen räumlichen Ort in der Unteren Gasse erhält, steht in den Sternen. Von einer Neuauflage des Stadtforums ist aus dem Rathaus ebenfalls nichts zu vernehmen.