Böblinger Bündnis für den Frieden Neues Anti-Kriegs-Bündnis wirbt für Verhandlungen
Im Kreis Böblingen wird die Friedensbewegung wieder aktiv. Der Historiker Volker Mall hat das „Bündnis für Frieden“gegründet.
Im Kreis Böblingen wird die Friedensbewegung wieder aktiv. Der Historiker Volker Mall hat das „Bündnis für Frieden“gegründet.
„Wir wollen Frieden durch Verhandlungen“, sagt Volker Mall aus Herrenberg, der mit einem guten Dutzend Mitstreitern aus dem ganzen Kreis Böblingen vergangene Woche das „Bündnis für Frieden – BB“ gegründet hat. Denn der Weltfrieden sei nicht nur durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten bedroht, sondern auch durch die Aggressivität der Großmächte. Letzteres ist ein Szenario, das den Älteren bekannt vorkommen könnte, und tatsächlich: Vor mehr als 40 Jahren hatten die Aktivisten im Jahr 1983 schon in der bundesweiten Menschenkette gegen den Nato-Doppelbeschluss gestanden.
Jetzt wenden sie sich wieder gegen atomare Aufrüstung. Der konkrete Anlass war die gemeinsame Erklärung der USA und Deutschlands am Rande des Nato-Gipfels am 10. Juli, weitere US-amerikanische Waffensysteme in Deutschland stationieren zu wollen. Dabei geht es um US-Marschflugkörper vom Typ „Tomahawk“ und die neu entwickelten Überschallwaffen. „Mit atomwaffenfähigen Mittelstrecken-Raketen wird unser Land nun noch mehr zu Zielscheibe“, sagt Volker Mall, der vor einer Eskalation und einem globalen Atomkrieg warnt. „Es geht dabei nicht so sehr um uns ältere Aktivisten, sondern um unsere Enkel und Kinder.“
Volker Mall tritt seit langem ehrenamtlich für die Völkerverständigung ein. Mit der Gründung und seiner langjährigen Arbeit für den Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Hailfingen/Tailfingen hat er nicht nur das Schicksal der KZ-Häftlinge dokumentiert, sondern auch die letzten Überlebenden des NS-Terrors nach Deutschland eingeladen und den Kontakt mit ihren Nachkommen gepflegt. Zahlreiche wissenschaftliche Dokumentationen zu den Opfern der NS-Diktatur hat er geschrieben und ist als Historiker ein Experte zum Zweiten Weltkrieg geworden. „Europa hatte zweimal Krieg, der dritte wird der letzte sein“, zitiert Mall die Liedzeile einer Band aus den 1980er Jahren. Seiner Ansicht nach sei die Menschheit vor dem Hintergrund des Klimawandels und begrenzter Ressourcen dem Untergang geweiht, wenn sie weiter auf Abschreckung setze statt auf ein friedliches Miteinander. „Wir fordern vertrauensbildende Maßnahmen statt permanenter Bedrohung und Abrüstung statt permanenter Hochrüstung“, sagt er.
Eine erste Friedensaktion ist zum Antikriegstag am Samstag, 31. August, von 14 bis 16 Uhr vor dem Bahnhof Böblingen geplant. Das Bündnis für Frieden will dort Flugblätter verteilen, auf seine Arbeit aufmerksam machen und natürlich um weitere Mitglieder werben.
Ebenso rufen die Mitglieder des Bündnisses zur Teilnahme am Friedenstreff Stuttgart-Nord auf. Diese Veranstaltung beginnt am 1. September um 17 Uhr beim Mahnmal am Stuttgarter Stauffenbergplatz. Das Bündnis ist auch aktiv bei der Friedensdemonstration am 3. Oktober in Berlin, sowie an der Kundgebung der Dienstleistungsgesellschaft Verdi am 12. Oktober in München.