Böblinger CDU-Bundestagskandidat Marc Biadacz „Ich bin der Abgeordnete, der da ist“

Marc Biadacz (rechts) im Gespräch mit einem Bürger auf dem Edeka-Parkplatz in Dagersheim. Foto: Eibner-Pressefoto/Francesco Consentino

Eine seiner zentralen Stärken sieht Marc Biadacz (CDU) in seiner Präsenz vor Ort. Er will sich für Arbeitsmarktreformen einsetzen und pocht auf schnelle Koalitionsverhandlungen.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Das Wort „Pause“ scheint bei Marc Biadacz kurz vor der Bundestagswahl gestrichen zu sein. Der CDU-Kandidat für den Kreis Böblingen nimmt einen Wahlkampftermin nach dem anderen wahr, bietet Bürgersprechstunden an, diskutiert auf Podien. Zwischendurch fährt er zu den Sitzungswochen nach Berlin. 2017 und 2021 ist er per Direktmandat in den deutschen Bundestag eingezogen. Sein Ziel: Es auch ein drittes Mal zu schaffen.

 

Man darf wohl ohne Übertreibung behaupten, dass es sich um einen besonderen Wahlkampf handelt. Die Regierung ist zerbrochen, der Ton in den vergangenen Tagen härter, unversöhnlicher geworden. Das liegt nicht zuletzt am Antrag zur Migration, den die CDU nach der tödlichen Messerattacke in Aschaffenburg in den Bundestag eingebracht hat und bei dem sie die AfD als Mehrheitsbeschafferin billigend in Kauf nahm. Ein Schritt, der zehntausende Menschen auf die Straße getrieben hat.

Marc Biadacz verteidigt das Vorgehen. „Hätten wir nach Aschaffenburg einfach so weiter gemacht, hätten wir kein Zeichen gesetzt und den Populisten das Wort überlassen.“ Er betrachte mit Sorge, dass sich die Zustimmungswerte der AfD seit der letzten Bundestagswahl verdoppelt hätten. „Ich möchte nicht, dass die AfD dieses Land übernimmt“, sagt er. Eine Koalition mit der AfD schließt er aus.

Ein Koalitionspartner muss her

Allerdings liegt die CDU zwei Wochen vor der Wahl in Umfragen bei etwa 31 Prozent. Sie wird wohl stärkste Kraft, braucht aber einen Koalitionspartner. Für Biadacz kommen dafür SPD und Grüne in Frage. Wichtig ist ihm dabei: Koalitionsverhandlungen sollten zügig abgeschlossen werden. Von Unternehmern und Handwerkern höre er, dass sie mit Einstellungen und Investitionen gerade abwarteten. Es sei daher essenziell, schnell wieder handlungsfähig zu werden.

Marc Biadacz diskutiert mit. /Stefanie Schlecht

Das Thema Arbeit ist eines, das den 45-Jährigen politisch umtreibt. Im Kreis Böblingen liegt die Arbeitslosenquote aktuell etwas über vier Prozent. „Das ist zwar noch Goldstandard, zeigt aber, dass wir eine Arbeitsmarktreform brauchen“, findet Biadacz. Auch, um die Produktivität in Deutschland zu steigern. So will er sich, ganz der Parteilinie entsprechend, dafür einsetzen, dass das Bürgergeld abgeschafft wird, eine Grundsicherung bleibt, aber stärkere Sanktionen greifen können. Biadacz, der voll hinter CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz steht, fordert Steuerfreiheit bei Überstunden und eine wöchentliche statt eine tägliche Höchstarbeitszeit. Für den viel beschworenen Bürokratieabbau wählt er das Bild von der „Entfesselung des Staates“, einem Staat, der in wichtigen Dingen entscheide und ansonsten freiere Hand lasse. Ein Aspekt, der im Kreis und in den Kommunen viel beklagt wird, ist die Fülle an Pflichtaufgaben. Um den Kommunen „mehr Zeit und mehr Geld“ zu verschaffen, plädiert Biadacz dafür, die verpflichtende Ganztagsbetreuung an Grundschulen, die ab 2026 gelten soll, nach hinten zu verschieben. „Ich will dem wirtschaftsstarken Kreis Böblingen die Möglichkeit geben, weiter zu wachsen“, betont er außerdem. Auch deshalb unterstütze er Bürgermeister, die für Wohnungen und Gewerbe Neubaugebiete erschließen wollen. Nachhaltigkeit sei wichtig, könne in diesem Fall aber über Ausgleichsmaßnahmen geregelt werden.

Wo Biadacz seine Stärken sieht

Eine seiner größten Stärken sieht der Böblinger in seiner Präsenz vor Ort. „Ich bin der Abgeordnete, der da ist, der sehr viel Zeit mit den Menschen im Kreis Böblingen verbringt.“ Es gebe viele Dinge, mit denen Menschen auf ihn zukämen. Ein Beispiel: Long Covid beziehungsweise das Chronische Fatigue-Syndrom. Dieses Thema habe er an die Gesundheitspolitiker der Koalition weitergegeben. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit Jasmina Hostert (SPD), Tobias Bacherle (Grüne) und Florian Toncar (FDP), wenn es um Belange des Kreises gehe, trotz politischer Gegnerschaft gut und eng gewesen.

Der 45-Jährige sitzt seit 2019 im Böblinger Kreistag und glänzt – das hat eine Auswertung des Zeitraums zwischen Sommer und Weihnachten ergeben – mit einer hohen Anwesenheitsquote. Dagegen kommt von ihm auf die Frage, welche zentralen Projekte er als Bundestagsabgeordneter in der aktuellen Legislaturperiode im Kreis vorangetrieben habe, keine klare Antwort. Er sei ja in der Opposition gewesen, merkt er an. Geht es nach ihm, soll sich das wieder ändern.

Ein politisches Vorbild aus Stuttgart

Die Freude an seinem Job hat Biadacz trotz stressigem Wahlkampf jedenfalls nicht verloren. „Ich bin gerne Abgeordneter, aus der tiefen Überzeugung, etwas für die Demokratie zu tun.“ Als politisches Vorbild nennt er den ehemaligen Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel. Rommels Art, Politik zu machen, sein Humor und seine Biografie beeindruckten ihn.

Mit Zuversicht blickt Biadacz auf die Wahl, obwohl ihm als Direktkandidat ohne Listenplatz – zumindest theoretisch – die Wahlrechtsreform zum Verhängnis werden könnte. Sie soll den Bundestag verkleinern, Überhang- und Ausgleichsmandate fallen weg. Bedeutet: Gewinnen mehr Kandidaten einer Partei Direktmandate als ihnen Sitze nach Zweitstimmen zustünden, so kommen diejenigen mit den schlechtesten Direktwahlergebnissen nicht in den Bundestag.

Bei der Wahl 2021 hatte Biadacz 29,7 Prozent der Stimmen bekommen, rund neun Prozentpunkte weniger als 2017. Allerdings war auch das Gesamtergebnis der CDU in Baden-Württemberg neun Prozentpunkte schlechter als bei der Wahl davor. Sorgen, dass ihm die Reform einen Strich durch die Rechnung machen könnte, habe er nicht, sagt Biadacz. Sein Eindruck: „Die Menschen im Kreis Böblingen wollen einen Politikwechsel.“

Zur Person Marc Biadacz

Biografische Daten
Marc Biadacz wurde am 3. September 1979 in Böblingen geboren. Er besuchte die Friedrich-Silcher-Schule, die Albert-Schweitzer-Realschule und das Ernährungswissenschaftliche Gymnasium in Böblingen. Er machte Zivildienst und studierte Sozial- und Politikwissenschaften in Stuttgart. Nach seinem Studium arbeitete er als Projektmanager bei Daimler, leitete das Büro des Sindelfinger Oberbürgermeisters, war danach für die PR-Agentur Straub & Linar und später für die Bonial International GmbH, ein Tochterunternehmen der Axel Springer SE, tätig.

Politischer Werdegang
Im Jahr 1998 trat Biadacz der Jungen Union, 1999 der CDU bei. Er war erst Vorsitzender des Böblinger Stadtverbands, dann des Kreisverbands, saß im Böblinger Gemeinderat, ist seit 2017 Mitglied des Bundestags und seit 2019 des Böblinger Kreistags. Im Bundestag sitzt er aktuell im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie im Digitalausschuss.

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