Auch eine Tanz-Performance gehört zum Stück der DAT-Kunstschule. Foto: Stefanie Schlecht
Gefeierte Premiere vor fast voll besetztem Haus: Bei „Die Moralmaschine“ verschmilzt das Können des Böblinger Tanz- und Theaternachwuchs zu einem Stück aus einem Guss.
Käthe Ruess
11.11.2025 - 07:00 Uhr
Das Ensemble, das am Sonntagabend im Städtischen Feierraum in Böblingen sowohl szenisch als auch tänzerisch und in puncto Inszenierung ein Feuerwerk vor fast ausverkauften Reihen abgebrannt hat, ist ebenso besonders wie das Stück mit dem Titel „Die Moralmaschine“, das an diesem Tag Premiere feierte. Denn erst im September dieses Jahres haben sich die Jugendlichen aus dem Theaterjugendclub und der DAT-Dance Company in dem neu gegründeten Format der städtischen Kunstschule, dem „TNT“ genannten DAT-Tanz und Theaterlabor, zusammengefunden.
Zudem lag von der Themenfindung bis hin zur fertigen Performance alles in den Händen der Nachwuchskünstlerinnen und -künstler. So hatten sie Raum für Experimente und Neues, bekommen aber gleichzeitig von Tanzlehrerin Louise Mayer und Theaterpädagoge Tobias Ballnus als Coaches Unterstützung, wenn sie diese brauchten, erklärte Kunstschulleiterin Prisca Nieden den neuen Ansatz.
Das Stück handelt von Leistungsdruck und Selbstzweifeln. Foto: Stefanie Schlecht
Mehr als eine lose Tanz-Theater-Collage entstanden
Das Ergebnis, das den selbst ausgewählten Themenkomplex, der sich um Leistungsdruck, Selbstzweifel und das sich ständig mit anderen Vergleichen dreht, ins Scheinwerferlicht rückt, kann sich mehr als sehen lassen, insbesondere vor dem Hintergrund der kurzen, aber intensiven Erarbeitungs- und Probenzeit, die die Jugendlichen hatten. „Drei Wochenenden und die Herbstferien“, fasst es David Sabljic zusammen.
Bei dem 18-Jährigen, der auch selbst als Tänzer Teil des Ensembles ist, und Sophie Dullin als Assistentin, laufen die Fäden für Regie, Choreografie und das Skript zusammen. Dass dabei viel mehr als eine lose Tanz-Theater-Collage entstanden ist, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, nämlich eine runde Geschichte mit rotem Faden, ist ein Indiz, das zeigt, wie gut die Gruppe harmoniert.
Inhaltlich fängt alles damit an, dass Professor Neuwerk (David Klug), nachdem er seine Künstliche Intelligenz L.I.N.D.A (Lina Stüve) zum Leben erweckt hat, mit dieser gemeinsam die Moralmaschine entwickelt, die die Menschheit verbessern soll. Doch L.I.N.D.A entwickelt ein Eigenleben und übernimmt die Kontrolle. Und da Menschen aus ihrer Sicht „einfache Geschöpfe“ sind, die sich nach Ordnung und Effizienz sehnen würden, macht sie sich daran, mit der Smartphone-App „MoralLink“ die Moralmaschine unters Volk zu bringen, um ein „kollektives Bewusstsein“ zu schaffen, das alle Menschen ordnet und verbindet.
Kampf mit Gruppenzwang und den Versuchungen im Netz
In einer Schule in der nahen Zukunft bekommt das Publikum dann einen Einblick, wie unterschiedlich heftig die Schülerinnen und Schüler Diana (Amelie Töpelt), Alexej (Vincent Schnürer), Lana (Anastasia Geier), Kiara (Miyase Bakacs), Mary (Arwen Holder), Tessa (Maja Holder) und Willow (Rebecca Gatzhammer) mit sich selbst kämpfen, bis sie vor dem Gruppenzwang und den Verheißungen der App, die Glück, Erfolg und Anerkennung verspricht, einbrechen.
Von der Themenfindung bis hin zur fertigen Performance lag alles in den Händen der Nachwuchskünstlerinnen und -künstler. Foto: Stefanie Schlecht
Dabei schöpft das Ensemble auch bei der Inszenierung, bei der zahlreiche Lichteffekte zum Einsatz kommen, aus dem Vollen: Rasante Gruppen-Tanzeinlagen, sogar mit einem Ausflug ins Publikum, der die erhöhten Sitzreihen zum Beben bringen, gehören ebenso dazu wie ein eher ruhiges Modern-Ballett-Solo und eine zu Herz gehende Gesangseinlage. Zudem wechseln sich klassische Theaterdialoge mit dynamischen Gruppenszenen ab. Auch mit tiefgründig philosophischen Monologen, bei denen sich die Akteure direkt ans Publikum wenden, arbeitet das Ensemble wiederholt.
Am Ende des Stückes ergreift zuletzt Willow das Wort, auch mit einer gehörigen Wut im Bauch: „Wir sind die Jugend und das bedeutet, wir sind noch unfertig. Aber genau darin liegt unsere Stärke. Wie leben in einer Welt, in der uns ständig gesagt wird, wie wir sein sollen, anstatt uns mal zu fragen, wie wir wirklich sind“, lautet ihr Befund, bevor sie fordert: „Wenn ihr uns führen wollt, dann lauft mit uns und nicht über uns drüber!“
Weitere Vorführungen
Termine Das Stück, das für Zuschauer ab zehn Jahren empfohlen wird, wird noch vier weitere Male aufgeführt: am Samstag, 15. November, am Sonntag, 16. November, am Samstag, 22. November sowie am Sonntag, 23. November, immer im Städtischen Feierraum in der Pestalozzistraße 9 in Böblingen. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.
Tickets Einzelkarten kosten 14 Euro, ermäßigt zehn Euro, Familienkarten gibt es für 35 Euro. Sie sind online bei Reservix.de oder an der Abendkasse erhältlich. Gruppen ab zwölf Personen sollen sich beim Kunstschulbüro unter der Telefonnummer 0 70 31/66 91 632 melden.