Böblinger Filialist feiert 50 Jahre: Binder Optik blickt zurück nach vorn
Seit einem halben Jahrhundert besteht Binder Optik in Böblingen: Wie die Familie Baur aus einem Einzelgeschäft einen der größten Optik-Filialisten Deutschlands formte.
Seit einem halben Jahrhundert besteht Binder Optik in Böblingen: Wie die Familie Baur aus einem Einzelgeschäft einen der größten Optik-Filialisten Deutschlands formte.
Das Herz von Binder Optik schlägt an einem etwas abgelegenen Ort: Am Rand des Gewerbegebiets Böblingen-Hulb, Wolf-Hirth-Straße 37. Im obersten Stock des Verwaltungsbaus empfangen Gründer Helmut Baur und sein Sohn und Nachfolger Dominic zum Gespräch. „Ich war erst neulich beim Arzt und habe mich durchchecken lassen, alle Laborwerte sind einwandfrei“, sagt der Senior. In zwei Wochen feiert er seinen 84. Geburtstag, von Ermüdungserscheinungen fehlt jede Spur. Noch immer kommt er regelmäßig ins Büro.
„Angefangen hat alles 1975 mit dem Ladengeschäft in der Klaffensteinstraße in Böblingen“, erzählt Helmut Baur. Als gelernter Augenoptiker und promovierter Betriebswirt war er zuvor als Vertriebsleiter von Zeiss tätig. Wie kam er auf den Namen Binder, der ja nicht seiner war? „Meine Mutter war eine geborene Binder und ihr Vater hatte in Böblingen ein Juweliergeschäft. Daher war der Name schon etabliert und ich sagte mir: Baur muss nicht Baur heißen.“ Zumal der Werbeslogan „Bin bei Binder“ einen deutlich besseren Klang entfaltete. Doch mit einem Ladengeschäft allein gab er sich nicht zufrieden.
1976 eröffnete er bereits die erste Filiale in der Landeshauptstadt. Und so ging es stetig weiter, sein Unternehmen wuchs organisch auf heute 50 Standorte – womit er sich nicht nur Freunde machte. „In den Anfangsjahren wurden mir durchaus Steine in den Weg gelegt“, sagt er. Sein Wachstum stieß anderen in der Branche auf, sie setzten sogar durch, dass er von Lieferanten nicht mehr beliefert wurde. „Doch ich hatte Freunde in der Branche und konnte über sie die Ware beziehen“, sagt er.
Das Binder-Imperium erstreckt sich heute von Heidelberg im Norden bis an den Bodensee und sogar nach bayerisch Schwaben. Der Filialist gehört zu den größten in Deutschland. Die Zahl der 50 Filialen passt zum Jubiläumsjahr, wenngleich es sogar schon mal mehr waren, sagt Dominic Baur, der seit 2019 die Geschicke von Binder Optik führt und für den die Nachfolge nie wirklich infrage stand. „Das Unternehmen ist Familie“, sagt er.
Schon in jungen Jahren habe er mitgearbeitet, Preisschilder geklebt. Selbst im Urlaub habe sein Vater gern ein Faxgerät in der Nähe gehabt, sich die Umsatzzahlen ins Hotel schicken lassen. Heute schaut er aufs Smartphone: „Man muss ja wissen, was los ist“, sagt Helmut Baur und schmunzelt. Seinem Sohn habe er manches mit auf den Weg gegeben, zum Beispiel: „Verlass Dich nie auf Banken, schnelles Geld bedeutet hohes Risiko.“ Weswegen Baurs auch nie mit Investorengeld gewachsen sind.
„Wir müssen nicht um jeden Preis wachsen“, sagt Dominic Baur. „Die Größe bringt ganz neue Themen mit sich: Welche Lagen bespielt man und vor allem: Wie findet man qualifizierte Mitarbeiter?“ Das sei tatsächlich der limitierende Faktor, denn das Unternehmen setze seit jeher auf eine hohe Beratungskompetenz und beschäftige nur gelernte Augenoptiker. Die sind mittlerweile rar. „Als mein Vater das Unternehmen gegründet hat, gab es nur ein Arbeitszeitmodell: ganztags. Heute existieren bei uns 58 verschiedene Modelle“, sagt der 46-Jährige.
Ist seinem Vater vorrangig die Zufriedenheit der Kunden wichtig, setzt der Junior genauso auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Und dies ist nur eine von vielen Veränderungen, mit denen er mittlerweile konfrontiert ist. Macht der Online-Handel den Filialisten wie in anderen Branchen das Leben schwer? Diese Konkurrenz hält Dominic Baur für sehr überschaubar. Was dort fehle, aber für einen zufriedenen Kunden unerlässlich sei, sei die individuelle Beratung und notwendige Untersuchungen.
Für ihn daher kein Wunder: „Mister Spex etwa als investorengeprägtes Geschäftsmodell hat zu kämpfen“, sagt Baur. Dennoch ist die Branche in Bewegung. Längst habe sich die Brille von der einst nur aus medizinischen Gründen getragenen Sehhilfe zum Lifestyle-Accessoire entwickelt, mehr noch: ein charakterprägender Modeartikel. Dafür seien Kunden bereit, einen höheren Preis zu bezahlen, sagt Dominic Baur – wenn Farbe, Anmutung und Material stimmen.
Der nächste Entwicklungsschritt geht zur digitalen Brille: Ray Ban hat schon das Modell Meta auf dem Markt, mit kaum sichtbarer Kamera, Mikrofon und Kopfhörer im Gestell. Dieser Tage geht sein Blick eher in die nähere Zukunft. Vor dem 84. Geburtstag des Unternehmers feiert die Familie erst einmal den 50. Geburtstag des Unternehmens: Am 6. Juli steigt die Feier im Restaurant Check-Inn in Böblingen.
Geboren
wurde Helmut Baur am 12. Juli 1941 in Böblingen als Sohn von Inhabern eines Juweliergeschäfts.
Nach der Ausbildung
zum Uhrmacher und Optiker legte er ein Hochbegabtenabitur an der Universität Tübingen ab, studierte und promovierte in Betriebswirtschaft.
Familienunternehmen
Seine Frau Gabriele ist im Unternehmen zuständig für die Gestaltung der Ladengeschäfte sowie den Einkauf. Sohn Dominic leitete zunächst den Vertrieb, wurde 2019 ebenfalls Geschäftsführer.
Weitere Engagements
betreibt Baur ehrenamtlich für den weltweiten Schutz der Schildkröten: Dank seines Einsatzes ist Schildpatt der Meeresschildkröten in den deutschen Optik-Geschäften untersagt.
Ämter und Auszeichnungen
Baur ist Honorargeneralkonsul von Malaysia und Vorstandsmitglied im Bundesverband der mittelständigen Wirtschaft sowie Mitglied in Kuratorien von Hochschulen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, die Staufermedaille und die Wirtschaftsmedaille in Gold des Landes Baden-Württemberg.