Böblinger Fischsuppenessen Kim Bui wirbt für Olympia in Deutschland

Guten Appetit: Kim Bui mit Böblingens OB Stefan Belz Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

Beim 43. Aschermittwoch-Fischsuppenessen in Böblingen erzählt Kim Bui von Höhen und Tiefen ihrer Karriere als Spitzenturnerin. Die 36-Jährige lässt dabei heikle aktuelle Debatten nicht außen vor. Rund um ihre Fastenrede gibt es wie gewohnt ein kunterbuntes Programm.

Einmal mehr hat das Küchenteam der Böblinger Polizei-Hochschule im Vorfeld schwer geschuftet. Die stellvertretende Küchenleiterin Elea Schumann und ihre Mitstreiterinnen verarbeiteten 90 Kilogramm Rotbarsch, 50 Kilogramm Lachs und 165 Kilogramm Gemüse zu fast 800 Portionen. Und als es kurz nach 18 Uhr „Suppe Marsch“ hieß, verteilte das Team des Roten Kreuzes die Fischsuppe an den zahlreichen Tischen im Europa-Saal – herzlich willkommen zum Aschermittwoch in der Böblinger Kongresshalle. Die Fastenzeit hat hiermit begonnen. „Ich begrüße alle Gäste – aus Böblingen, aus Dagersheim und aus der ganzen Welt“, sagte Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) und erntete herzliches Lachen.

 

Tradition Seit 1981 gehört die Fischsuppe zum alljährlichen Programm in Böblingen. Vor über 40 Jahren hat Josef Thaller vom Stuttgarter Kochkolleg die bis heute gültige Rezeptur entwickelt. Seit einiger Zeit wird das Abendessen in der Böblinger Wildermuth-Kaserne gekocht. Diesmal zeigte sich der Europa-Saal der Kongresshalle nicht ganz so gut gefüllt wie in den Vorjahren, wenn auch letztlich fast 700 Eintrittskarten verkauft wurden.

Hilfe Wie gewohnt, unterstützen mehrere Vereine den Abend und stellen eine Vielzahl an Helferinnen und Helfern. Von DRK und DLRG machen rund 40 Personen mit, ihren Einsatz koordiniert Daria Hertkorn-Brandt. „Wir probieren diesmal zwei neue Thermobehälter aus“, verrät die DRK-Organisatorin. Die Arbeiterwohlfahrt steht mit gut 15 Männern und Frauen an den Getränkeständen, der Kreisfischereiverein bringt wieder geräucherte Forellen unters Volk, diesmal 130 Stück. „Ich bin immer wieder gerne dabei“, sagt Esther Rückle, die seit Anfang der 90er Jahre mithilft.

Drucksituation Als Rednerin stand am Mittwochabend die ehemalige Spitzenturnerin Kim Bui aus Ehningen auf der Bühne. Sie hat mehrfach die Deutsche Meisterschaft an verschiedenen Geräten gewonnen und zwei Bronzemedaillen bei Europameisterschaften geholt. Die 36-Jährige beschrieb ihren eigenen sportlichen Werdegang und sprach dabei dezidiert den psychischen Druck im Spitzenturnen an. Damit ging Bui auch auf die Missbrauchsvorwürfe am Stuttgarter Kunstturn-Forum ein, die zuletzt laut geworden waren. „Ich selbst habe eine Essstörung entwickelt“, berichtete sie offen – nachzulesen ist das auch in ihrer Biografie „45 Sekunden“. Sie hoffe, dass sich eine Kultur des Hinsehens im Spitzensport entwickle, dass die Trainer gut geschult würden und dass der Leistungssport nicht auf Kosten der psychischen Gesundheit betrieben werde.

Besondere Orte Doch Kim Bui versuchte gleichzeitig, ihre Begeisterung für das Turnen zu teilen und sprach über die schönen Seiten des Spitzensports. Insbesondere machte die ehemalige Hochleistungssportlerin deutlich, welche Erfahrungen und Reisen sie in all den Jahren machen durfte. „Das Turnen hat mich an besondere Orte gebracht“, sagte sie. Dreimal nahm sie selbst an Olympischen Spielen teil und wirbt dafür, die Völker verbindende Großveranstaltung 2036 oder 2040 nach Deutschland zu holen. „Olympische Spiele sind gerade in solch schwierigen Zeiten wie diesen ein verbindendes und großartiges Projekt“, betonte Bui, die 2024 in die IOC-Athletenkommission gewählt wurde und somit zum Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbunds gehört.

Kraftakt Olympische Spiele könnten starke Impulse setzen und mehr Sport in die Gesellschaft bringen, insbesondere bei Kindern. Gleichzeitig erinnerte Kim Bui an die marode Infrastruktur hierzulande und den riesigen Investitionsstau bei Sportstätten. Diesen zu beheben, bedeute einen großen Kraftakt, „aber der gesellschaftliche Nutzen ist enorm.“ Politik, Wirtschaft, Vereine und Kommunen müssten an einem Strang ziehen, um hier voranzukommen.

Gute Unterhaltung Rundherum wurde das Publikum bestens unterhalten: Die Böblinger Stadtkapelle machte den musikalischen Auftakt, die Sängerin Franzi aus Stuttgart ließ zum Abschluss Soulpop vom Feinsten erklingen. Über „Die Kultourmacher vom Alten Amtsgericht“ kam der Auftritt der Musikkabarettistin Tina Häussermann zustande. Die Stuttgarterin spielte Klavier, sang, rappte, ätzte gegen die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn und erzählte von ihren beiden pubertierenden Töchtern. „Sie sind ganz toll, aber . . .“

Mitreißender Auftritt Großen Eindruck hinterließen die zwölf Jugendlichen von der Böblinger DAT-Kunstschule, die einige Szenen aus ihrem Musical „Geister Bahnhof“ präsentierten, das sie im vergangenen Herbst im Städtischen Feierraum aufgeführt hatten. Die Sangeskünste und synchronen Tanzeinlagen zu Songs von Michael Jackson, Nena oder Kate Bush sorgten für staunende Gesichter im Publikum. Alle Achtung, was die Tanzlehrerin Louise Mayer und ihre junge Truppe auf die Bühne bringen.

Guter Zweck Moderator Wolfgang Seljé führte gewohnt souverän durch das Programm und gab immer wieder seine schwäbischen „Goodsla“-Songs zum Besten. Und er betonte mehrfach, für was das Fischsuppenessen steht: Spenden für den guten Zweck. Der gesamte Erlös samt der Publikumsbeiträge geht zuvorderst an die Organisation AMSEL, die sich um MS-Kranke kümmert, aber auch an einige weitere soziale Einrichtungen. Diesmal kamen rund 5100 Euro aus dem Publikum zusammen, wie Seljé verkündete. Vor dem Abend stand die gesamte Spendensumme seit 1981 bei rund 437 000 Euro – eine stolze Zahl.

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