Böblinger Freibad beendet Saison Jetzt stürzen sich die Hunde in die Fluten
Diese Veranstaltung gehört für viele Hundebesitzer und deren Vierbeiner zu den Highlights des Jahres: das Hundeschwimmen im Böblinger Freibad.
Diese Veranstaltung gehört für viele Hundebesitzer und deren Vierbeiner zu den Highlights des Jahres: das Hundeschwimmen im Böblinger Freibad.
Mit leuchtenden Augen nimmt Luna Anlauf. Die Zunge hängt ihr weit aus dem Mund heraus, ein bisschen Sabber fliegt durch die Luft, ihre Ohren wehen im Wind. Ein lautes „Platsch“ ertönt und der glückliche Labrador plumpst, alle viere von sich gestreckt, ins Wasser.
Luna gehört zu den Hunden, die jedes Jahr gemeinsam mit ihren Herrchen auf den Hundeschwimmtag im Böblinger Freibad hin fiebern. „Sie ist sogar schon der zweite Hund, mit dem wir herkommen“, erzählt ihr Frauchen Marianne Becker. „Das Schwimmen liegt den Labradoren im Blut.“ Die Rasse habe sogar von Natur aus kleine Schwimmhäute zwischen den Zehen. Luna ist bereits als Welpe zum ersten Mal im Gardasee baden gewesen, sagt Marianne Becker. Nun ist die Hündin elf Jahre alt – und noch immer kaum aus dem Wasser zu kriegen. „Wir finden es ganz toll, dass es hier jedes Jahr das Hundeschwimmen gibt“, sagt die Holzgerlingerin. „Bei uns im Ort haben ja einige Bedenken wegen der Hygiene, aber das ist Quatsch, finde ich.“
Schließlich findet das Hundeschwimmen nicht ohne Grund am letzten Tag der Freibadsaison statt. Für menschliche Badegäste ist der Betrieb schon seit einer Woche geschlossen. Im Wasser befindet sich mittlerweile auch kein Chlor mehr, weshalb die Herrchen und Frauchen nicht gemeinsam mit ihren Hunden ins Wasser dürfen. In den kommenden Wochen wird das Freibad dann gereinigt, bevor es endgültig in die Winterpause geht.
Wer seinen Hund schwimmen lassen möchte, muss außerdem eine Haftpflichtversicherung und den passenden Impfstatus vorweisen können. „Bedenken wegen der Hygiene muss man also keine haben“, betont Birte Engel. Für die Pressesprecherin der Stadtwerke Böblingen ist das Hundeschwimmen die erklärte Lieblingsveranstaltung des Jahres. „Die fröhlichen Hunde zu sehen ist einfach so süß“, schmunzelt sie. „So viele verschiedene Rassen, und alle unterschiedlich mutig.“
Während sich manche Hunde wie Luna nur so ins Wasser stürzen, gibt es auch Kandidaten wie Enja, denen das Wasser so gar nicht behagt. Egal, wie sehr ihr Frauchen Denise Gotter versucht, den Elo mit Leckerlis zu bestechen: Mehr, als die Pfotenspitzen ins Becken zu tauchen, möchte das Tier nicht. Wasser gehört für Enja offenbar in den Trinknapf und nichts ans Fell. „Wir finden die Veranstaltung aber trotzdem schön“, lacht Denise Gotter. „Ich bin vor allem positiv überrascht davon, dass es trotz so vielen Hunden so friedlich ist.“
Tatsächlich ist in den sieben Jahren, die das Hundeschwimmen nun schon stattfindet, noch nie mehr als ein bisschen Geknurre passiert, bestätigt Birte Engel. Angesichts der 300 Hunde, die sich jedes Jahr über den Tag verteilt auf dem Gelände befinden, ist das fast schon ein Wunder, findet sie. „Aber man geht ja auch nur zu so etwas, wenn man weiß, dass der Hund sich mit anderen Tieren verträgt“, gibt Stefan Bechtel zu bedenken. Auch sein Hund ist ein Labrador, der den Namen Luna trägt. Und wie ihre Namensgenossin ist auch diese Luna absolut begeistert vom Wasser. Um seinem Hund eine Freude zu machen, ist Stefan Bechtel sogar aus dem Nürtinger Raum angereist. Sein Geschäftskollege Andreas Schäfer hat ihn auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Dessen Border Collie Elvis liegt bereits völlig entkräftet auf der Freibadwiese und ruht sich aus. „Der ist total platt“, schmunzelt der Ludwigsburger. „Wenn er Wasser sieht, kann nichts ihn davon fernhalten.“
Aber was passiert eigentlich, wenn einem Hund mitten im Schwimmbecken plötzlich die Kräfte ausgehen? Laut Birte Engel ist das bisher noch nie vorgekommen. „Die Hundehalter kennen ihre Tiere und holen sie rechtzeitig raus“, sagt sie. „Bisher musste noch niemand hinterherspringen.“ Manche Hundebesitzer haben trotzdem vorgesorgt und ihre vierbeinigen Freunde mit speziellen Hundeschwimmwesten ausgestattet.
Eine solche trägt zum Beispiel der Airdale Terrier Payton, der mit seinen zehn Jahren schon ein etwas älteres Semester ist. „Die Weste gibt ihm etwas Auftrieb“, erklärt seine Besitzerin Petra Stutz. „Man muss ja nicht riskieren, dass er untergeht.“ Die Sindelfingerin kommt mit ihrem Payton ebenfalls jedes Jahr zum Hundeschwimmen nach Böblingen. Und zwar nicht nur, weil ihr Hund Freude am Wasser hat. „Die Hunde können hier auch ganz viele soziale Kontakt knüpfen“, sagt sie. „Selbst wenn ein Hund nicht ins Wasser mag, ist hier ja total viel los.“
Und auch als Besitzer erlebt man hier so einiges: einen Windhund, der vornehm wie ein Ritter durchs Wasser paddelt, einen Labrador, der wilder vom Ein-Meter-Brett springt als so manches Kind, einen kleinen Zwergpinscher, der im Bademantel hinter seinen Besitzern her tappt. Und dann natürlich das fröhliche Bellen, das über das ganze Gelände schallt. „Man bekommt das Freibad noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive mit“, sagt Birte Engel zufrieden.