Böblinger Klemm 25 Flugzeug-Oldtimer dreht Ehrenrunde über Stadtkirche
Sie war auf dem Weg von Eutingen im Gäu zum Stuttgarter Flughafen: Dabei ließ es sich die 90 Jahre alte Klemm 25 nicht nehmen, eine Ehrenrunde über Böblingen zu drehen.
Sie war auf dem Weg von Eutingen im Gäu zum Stuttgarter Flughafen: Dabei ließ es sich die 90 Jahre alte Klemm 25 nicht nehmen, eine Ehrenrunde über Böblingen zu drehen.
Es kommt nicht oft vor, dass der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz eine Sitzung im Gemeinderat unterbricht. Am Dienstag jedoch lockte der Besuch einer alten Dame die versammelte Ratsrunde ins Freie, genauer: vor die Stadtkirche. Keine Geringere als die Klemm 25 hatte ihren Besuch angekündigt, Deutschlands drittältestes noch flugfähiges Flugzeug und ein Meilenstein in der Fliegergeschichte der Stadt.
Die Klemm mit dem Kennzeichen D-EJOL knatterte an diesem Tag von Eutingen im Gäu zum Stuttgarter Flughafen, wo sie zwischen Airbussen und Boeings Landeerlaubnis erhielt. Vorher wollte sie über dem Böblinger Marktplatz eine Ehrenrunde drehen – und laut Flugplan sollte sie genau dann einschweben, als dort gerade eine Ausschusssitzung abgehalten wurde.
Doch als promovierten Luft- und Raumfahrtingenieur hielt es OB Belz nicht auf seinem Platz, weshalb er um 16.40 Uhr im Ratssaal auf die Pausetaste drückte. Also setzte sich der Tross in Bewegung an den Fuß der Stadtkirche. Dort blinzelten die Schaulustigen für eine halbe Stunde in den Herbsthimmel, ob die alte Dame dort auftauchen würde, was zunächst nicht der Fall war.
Der Hintergrund der Flugreise ist der 100. Geburtstag des Stuttgarter Flughafens, dessen Wurzeln in Böblingen liegen. Nach einer militärischen Nutzung seit dem Ersten Weltkrieg, startete dort anno 1925 der zivile Luftfahrtbetrieb auf dem ersten Württembergischen Landesflughafen. Seine Geschichte ist eng verknüpft mit der Flugzeugfabrik von Hanns Klemm (1885 – 1961), in der ab 1927 in Böblingen besonders leichte Flugzeuge konstruiert und gebaut wurden. Deshalb war die Klemm 25 als besonders betagter Zeitzeuge ein willkommener Gast auf dem Stuttgarter Rollfeld.
In Böblingen wurde die Ankunft am Dienstag immer sehnlicher erwartet, als einer witzelte, sie müsste gleich dort am Horizont auftauchen, wo die hitzig diskutierten Windräder einmal stehen sollen: oberhalb der Diezenhalde. Doch dann erschien ein winziger Punkt am Himmel, der schnell größer wurde: D-EJOL knatterte unter der Wolkendecke hervor. Die Piloten umkurvten die Stadtkirche in kaum 100 Metern Höhe zwei Mal. Dabei waren sie so nah, dass sie den Besuchern sogar zuwinken konnten. Die Ehrenrunde kam am Boden gut an: Das Publikum jubelte den beiden Piloten zu.
Seit 2009 befindet sich das Flugzeug in der Obhut der Luftsportgruppe Hanns Klemm, die es mit viel Leidenschaft restauriert hat. Der Förderverein Historische Flugzeuge im Kreis Böblingen sorgt für die finanzielle Unterstützung, insbesondere für die Wartung des seltenen Hirth-Motors. 2013, nach einer aufwendigen Restaurierung, hob die Klemm 25 erstmals wieder ab. Testpilot Klaus Plasa beschrieb den Klang des Motors damals als „Ohrenschmaus“ – ein Moment, der alle Beteiligten für die jahrelange Arbeit an dem Oldtimer belohnte.
Heute, 90 Jahre nach ihrer Erstzulassung, ist die Klemm 25 kein Museumsstück, das verstaubt. Dank der LSG Hanns Klemm und der finanziellen Unterstützung des Fördervereins ist das Flugzeug noch immer flugtauglich und wird regelmäßig geflogen. Bei der Feier zu 100 Jahren Flughafen Stuttgart steht sie an prominenter Stelle hinter den Festrednern auf dem Rollfeld.