Böblinger Kult-Disco Stadt findet Pächter für Seestudio

Seit bald drei Jahren steht das Seestudio leer. Jetzt soll in das alte Gebäude neues Leben einkehren. Foto: Stefanie Schlecht

Ein neuer Gastronom ist gefunden, um die ehemalige Kult-Disco am Unteren See in Böblingen wachzuküssen. Doch bis Sommer bleibt der Name geheim.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Der Dornröschenschlaf des ehemaligen Seestudios am Unteren See in Böblingen könnte sich dem Ende neigen: Die Stadt teilt auf Nachfrage mit, einen neuen Pächter für die Immobilie gefunden zu haben. „Das Vergabeverfahren ist erfolgreich abgeschlossen; derzeit wird ein Vertragsentwurf mit der künftigen Mietpartei erstellt“, sagt Böblingens Pressesprecher Peter Lausch. Im vergangenen Dezember wurde überraschend bekannt, dass die Stadt zunächst einen Weiterbetrieb anstrebt. Was steckt dahinter?

 

Der Reihe nach: Im September 2024 teilte die Stadt eher beiläufig mit, drei Grundstücke samt Gebäude in der Poststraße 16 bis 22 erworben zu haben. Darunter die beiden Ladengeschäfte von Schuh Kurz – sowie das da schon über ein Jahr leer stehende Seestudio. Die ehemalige Kult-Disco lief bis 2023 als Seaside Club, bis die Gastronomin Ivana Häcker nach Unstimmigkeiten mit der Stadt entnervt aufgab. Zunächst sprach die Verwaltung davon, die Zeile im Rahmen des Masterplans Schlossbergring aufwerten zu wollen, ohne dies näher zu konkretisieren.

Name des Pächters bleibt geheim

Gut ein Jahr später, im Dezember 2025, wurden die Pläne für Zwischennutzung bekannt: Mit einer Ausschreibung suchte das Rathaus da nach einem geeigneten Gastronomen, um das Seestudio zumindest interimsweise wieder mit Leben zu füllen. Aus Gründen von Wirtschaftlichkeit und Transparenz habe man sich daher entschieden, die Nutzung des ehemaligen Seestudios öffentlich auszuschreiben, hieß es damals. Vier Monate später ist man nun einen Schritt weiter.

Lausch: „Im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung konnten sich alle Interessierten unter Einreichung eines Nutzungs- und Sanierungskonzepts auf die Fläche bewerben.“ Wer aber das Rennen um die ehemalige Rock-Disco gemacht habe, verrät die Stadt Böblingen noch nicht. „Angaben zum Vertrag und zur Mietpartei können bis zur Entscheidung des Gemeinderats nicht veröffentlicht werden“, sagt Peter Lausch. Nur so viel: Ein Beschluss im Gemeinderat ist bis zur Sommerpause geplant.

Womöglich eröffnet das Seestudio dann rechtzeitig vor seinem 60. Geburtstag neu, der im Jahr 2027 gefeiert werden könnte: Das Baujahr datiert auf 1967. Seit sich die knapp 500 Quadratmeter in städtischem Besitz befinden, beziffert Peter Lausch die Kosten zur Instandhaltung auf circa 18 000 Euro. „Im Seestudio wurden vornehmlich Detailuntersuchungen des Gebäudezustandes und der Haustechnik durchgeführt. Auch wurden notwendige Arbeiten an den Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäranlagen durchgeführt“, sagt er.

Erinnerung an alte Zeiten: Schwofende Menge im Seestudio im Jahr 2013 Foto: Archiv/Winkler

Langfristig schwebt der Stadt an dieser markanten Stelle am Unteren See mit der gesamten Zeile allerdings etwas Größeres vor. Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger hat die Käufe getätigt, „um langfristig eine städtebauliche Entwicklung im Gebiet Poststraße beziehungsweise der Seepromenade vorantreiben zu können.“ Sie verweist dabei auf den Masterplan Schlossbergring, der zwischen Ufer- und Poststraße eine „Optimierung der Flächen“ vorsieht.

Fußgängerströme entlang den Hinterhöfen

Die heutige Situation sei noch immer ausgerichtet auf die Zeit vor der Landesgartenschau, die sich 2026 zum 30. Mal jährt, sagt die Stadt. Damals wurde die Uferstraße zwar vom Autoverkehr befreit. Die Fußgängerströme von und zum Elbenplatz führen aber streckenweise vorbei an Hinterhöfen und Garagen, was Kraayvanger schon länger ein Dorn im Auge ist. Bis es zu der angestrebten Optimierung kommt, soll die Interimsnutzung des Seestudios der Zeile zumindest etwas Leben einhauchen.

Serie: Böblingens Bauprojekte

Inhalt
In einer losen Serie beleuchtet unsere Redaktion Baustellen, Projekte und Brachflächen in Böblingen, die die Stadt schon länger beschäftigen.

Hintergrund
Bei vielen Gebäuden in städtischem Besitz stellt sich seit Jahren die Frage nach einer geeigneten Nutzung oder Entwicklung.

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