Böblinger Marktplatz Frischzellenkur für das Herz der Stadt
Der Böblinger Marktplatz soll schöner werden – und belebter. Die Stadt bittet um Ideen und richtet einen Bürgerdialog ein.
Der Böblinger Marktplatz soll schöner werden – und belebter. Die Stadt bittet um Ideen und richtet einen Bürgerdialog ein.
In etwa einem Monat geht er los, der Bürgerdialog über die Zukunft des Böblinger Marktplatzes. Am 26. Juni kann jedermann in den großen Sitzungssaal ins Neue Rathaus kommen und sich an der Neugestaltung des Marktplatzes beteiligen. Denn der zentrale Platz des alten Böblinger Stadtkerns hat inzwischen viele seiner Funktionen an andere Stadtteile abgegeben: Das Handelszentrum ist in die Unterstadt gewandert, die Flaniermeile führt entlang der Böblinger Seen. Verbleibende Frequenzbringer sind das Rathaus, das Fleischermuseum und die Kirche. Weswegen der Oberbürgermeister Stefan Belz im Technischen Ausschuss am Mittwoch folgerichtig den Platz als „Ort der Ruhe“ bezeichnete.
Aber das könnte sich demnächst ändern. Unter dem Thema „Wo kommen wir her, wo wollen wir hin“ zeigte der Stadtplaner Dietmar Weber, wie der Marktplatz einst als etwas breitere Straße die alte Böblinger Altstadt durchschnitt. Damals war das Rathaus längs des Platzes angeordnet und nicht wie heute quer dazu. Nach den Kriegszerstörungen wurde der Marktplatz deutlich breiter und auf zwei Ebenen angelegt und bekam eine Tiefgarage. Doch mit den Jahren verödete der schwer zu erreichende Platz immer mehr.
Schon in der Vergangenheit hatte die Stadt versucht, den beschaulichen Ort mit Leben zu erfüllen, durch Kulturveranstaltungen, durch den Mittelaltermarkt oder den Weihnachtsmarkt. Dabei zeigte sich, dass die Einrichtung des Platzes nicht mehr als zeitgemäß empfunden wird. Die Mauer inmitten des Platzes ist im Weg, ebenso der Aufgang von der Tiefgarage. Darüber hinaus fehlt schlichtweg der Schatten für die sommerlichen Veranstaltungen. Bäume wären gut, aber hier verhindert die Tiefgarage tief wurzelnde Gewächse. Außerdem sei relativ viel Autoverkehr auf dem Platz und in den anliegenden Gassen.
Während es beim Bürgerdialog am 26. Juni im Innern des Neuen Rathauses um Nutzung, Belebung, Barrierefreiheit, Klimaschutz und mehr geht, werden in den Arkaden des Alten Rathauses Stände aufgebaut sein. Kinder und Erwachsene können Pläne malen und Skizzen erstellen, an einem Stadt-Modell kann man verschiedene Varianten eines Platzes ausprobieren.
Ferner werden die Stadtplaner zwei weitere Veranstaltungen auf dem Platz nutzen, um Ideen aus der Bürgerschaft zu sammeln. Das wird zum einen das Stadtfest mit dem Verkaufsoffenen Sonntag am 6. Juli sein, zum anderen das Bauernkriegsjubiläum mit dem Freiluftstück „Äbtissin oder Magd – Entscheidungen machen Geschichte“ vom 10. bis zum 27. Juli.
Eine Fortsetzung des Bürgerdialogs erwägen die Stadtplaner im kommenden Jahr. Dann will die Stadt Räume mit Blick auf den Platz anmieten, in denen unterschiedliche Altersgruppen und Akteure ihre Ideen entwickeln sollen. Flankierend gibt es eine Ausstellung zum Thema Marktplatz über mehrere Wochen. Im darauf folgenden Jahr 2027 soll die Planung abgeschlossen sein, 2028 wird dann nach aktueller Planung gebaut.
In der Sitzung des Technischen Ausschusses am Mittwoch steuerten die Gemeinderäte bereits einige Ideen bei: Tim Göhner von den Grünen forderte bessere Proportionen des Marktplatzes und einen baulichen Abschluss im Osten, Gerlinde Feine (SPD) will eines der leer stehenden Häuser für eine Toilettenanlage mieten und regte an, Pavillons aufzustellen, die Schatten spenden. Ralf Sklarski (Freie Wähle) hatte die Idee, statt der Mauer Sitzstufen mit Bäumen zu bauen.
Der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz bedankte sich für den „Quell der Kreativität im Gemeinderat“. Er sagte, er habe ja jeden Tag das Vergnügen, den Platz von seinem Büro im Rathaus aus zu sehen. Er sei wunderbar, werde als Festplatz genutzt, im Alltag sei er eher ein Schulhof, ansonsten würde er nur noch für Hochzeiten genutzt. Aber „den Alltagsverkehr, den gibt es dort eben nicht.“ Er freue sich auf den Start des Projekts.
Altstadt
Der Bombenangriff der Alliierten in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 zerstörte den größten Teil der Böblinger Altstadt mit der Stadtkirche, dem Schloss und dem Rathaus. Bei Kriegsende war rund 40 Prozent der bebauten Fläche zerstört und nahezu 2000 Menschen obdachlos.
Wiederaufbau
Das 1948 begonnene Werk fand mit der Vollendung des neuen Marktplatzes 1958 seinen Abschluss. Die Wiedererrichtung der Stadtkirche von 1949 bis 1950 und der Neubau des Rathauses von 1951 bis 1952 waren dabei die zentralen Bauvorhaben.