Böblinger Oberbürgermeister von 1986 bis 2010 Alexander Vogelgsang feiert 80. Geburtstag

Alexander Vogelgsang im Vorgarten seines Hauses auf dem Galgenberg Foto: /Stefanie Schlecht

Alexander Vogelgsang, Böblingens langjähriger OB, „juckt die Kommunalpolitik“ nicht mehr. Dafür hat er die ein oder andere schweißtreibende Beschäftigung.

Gerade sind die beiden Enkelkinder zu Besuch, zwei und fünf Jahre alt. Ein eher seltenes Glück, denn Sohn Roman lebt im fernen Singapur. Doch derzeit macht die vierköpfige Familie Urlaub in Böblingen – auch weil ein runder Geburtstag ansteht. Alexander Vogelgsang, Böblinger Oberbürgermeister von 1986 bis 2010, wird an diesem Mittwoch 80 Jahre alt. „Ich habe das Wohnzimmer etwas aufgeräumt“, lächelt Vogelgsang, als er zum Gespräch hereinbittet, „hier sieht es sonst gerade ziemlich wild aus, da liegen überall Spielsachen herum.“

 

Schon seit 14 Jahren steht die Lokalpolitik nicht mehr oben auf der Agenda von Alexander Vogelgsang. Familie und Freunde sowie gemeinsame Aktivitäten sind viel wichtiger. Das hat mit der Lebensphase zu tun, ist aber genauso ein bewusster Akt. „Das war auch eine Frage der Disziplin“, sagt Vogelgsang, „sich mit dem Eintritt in den Ruhestand von der Lokalpolitik zu verabschieden.“ Er will den Jüngeren nicht in ihr Geschäft reinquatschen. Und: „Es juckt mich auch nicht mehr.“

Beim letzten Neujahrsempfang als OB im Jahr 2010 Foto: Archiv/Thomas Bischof

Nicht einmal das Thema Schlossberg-Bebauung, das Alexander Vogelgsang als „normaler“ Böblinger Bürger interessiert, aber ohne tiefere Emotionen verfolgt. Das Großprojekt hatte der Sozialdemokrat in den 1990er-Jahren auf den Weg gebracht, 2005 legte es der Gemeinderat wegen diverser Bedenken auf Eis. Seit geraumer Zeit sind die Entwürfe von damals jedoch wieder auf dem Tisch und werden leidenschaftlich diskutiert. „Ich halte die Idee, dort oben die Gestalt des Schlosses nachzubilden, nach wie vor für richtig“, sagt der ehemalige OB, „auch die Musik- und Kunstschule würde inhaltlich gut hinpassen.“ Dass seine einstigen Vorschläge, auf dem Plateau ein Bürgerhaus und die Galerie anzusiedeln, letztlich durchfielen, sieht er mit zeitlichem Abstand gelassen. „Wir haben daraufhin den Treff am See als Bürgerhaus verwirklicht, auch seine sehr gute Lösung“, erinnert Vogelgsang.

Sowieso blickt er auf vieles, das in seiner Amtszeit entstanden ist, mit Stolz. Der Stadtgarten, der für die Landesgartenschau 1996 in der heutigen Form gestaltet wurde, zieht sich als grünes Band durch die Innenstadt. „An der Uferstraße ist immer was los, die Menschen sind dort gerne“, hat Alexander Vogelgsang beobachtet.

Beleuchtung der Fußgängerzone gut gelungen

Die Bahnhofstraße als Fußgängerzone, der Neubau des Busbahnhofes, die Umgestaltung des Bahnhofplatzes – dies alles hat er verwirklicht oder auf den Weg gebracht. „Die Gestaltung der Fußgängerzone halte ich für sehr gelungen, insbesondere die Beleuchtung gefällt mir“, so Vogelgsang. Dass er sich als gelegentlicher Autofahrer genauso wie viele andere über die nicht enden wollenden Baustellen ärgert, daraus macht der studierte Volkswirt keinen Hehl. Und doch hat er einen etwas anderen Blick darauf: „Ein OB ist immer glücklich, wenn viele Kräne in der Stadt stehen.“

Dabei ist Vogelgsang selbst eher mit dem Fahrrad unterwegs. Insbesondere seine sommerlichen Touren über die Alpen mit einem guten Freund sind ihm eine Herzensangelegenheit – bis 2010 erklommen sie die Alpenpässe nur mit Muskelkraft, seitdem unterstützen Elektromotoren bei den Bergfahrten. Wobei dieses Langzeitprojekt in den vergangenen Jahren erstmals aussetzen musste – Stichwort Corona-Pandemie.

Auf Baustellentour mit dem Gemeinderat im Vorfeld der Landesgartenschau Foto: Archiv/Thomas Bischof

„2020 sind wir nicht gefahren, da wären wir in kein Gasthaus reingekommen“, berichtet Vogelgsang, der die Hauptphase der Pandemie insgesamt gut überstanden hat. Ehe es ihn Anfang 2023 doch erwischte. Auf eine Lungenentzündung setzte sich das Corona-Virus noch drauf. „Ich war zwei Wochen im Krankenhaus, eine davon auf Intensivstation“, erzählt der Ex-OB. Dazu ergaben sich Folgeerkrankungen und -beschwerden, die rund ein Jahr anhielten. „2023 war deshalb nur eine kleinere Sommertour drin.“ Doch in diesem Jahr ging es schon wieder über Chur und Bozen bis nach Mantua.

Beim Thema Corona ist zu merken, dass Alexander Vogelgsang als ehemaliger Politiker viel Verständnis für die damaligen Nöte der Entscheider und Organisatoren hat. „So etwas gab es ja seit ewigen Zeiten nicht mehr“, betont er. Und beim Familienbesuch in Singapur erlebten die Deutschen, wie streng es in Asien zuging. „Da wurden wir quasi persönlich überwacht, ob wir alle Regeln genau einhalten“, erinnert er sich.

Gerne bei Kulturveranstaltungen in Böblingen zu Gast

Politisch hält sich Vogelgsang vor Ort zurück, aktiver ist er in Sachen Kultur. Vernissagen in der Zehntscheuer, die Jazztime-Konzerte oder das Pianistenfestival besucht er häufig. „Mich freut, dass in Böblingen einiges geboten ist, da gehe ich gerne hin“, sagt er. Zudem hat er eine Schriftstellerin im eigenen Haus. Andrea Vogelgsang schreibt unter dem Pseudonym Nessa Altura seit gut 25 Jahren Kurzgeschichten und Erzählungen, die sie zumeist im Internet veröffentlicht. „Da gibt es einiges zu organisieren, und ich helfe gerne mit“, sagt ihr Mann.

Anlässlich seines Geburtstags wollte sein Nachnachfolger im Amt, Oberbürgermeister Stefan Belz, einen Empfang an diesem Mittwochvormittag geben. Doch der musste kurzfristig verschoben werden, die Grippe hat Alexander Vogelgsang erwischt. Das Geburtstagskind kann also kurzfristig nur sehr eingeschränkt feiern. Ein abendliches Festessen im Kreis der Familie soll es trotzdem geben. Auch Tochter Antonia aus Köln will dazukommen. Vogelgsang, der seit Studienzeiten sehr gerne kocht, hat Entenbraten vorbereitet. Den wird jetzt seine Frau Andrea vollenden. Und der Jubilar kommt, so gut es geht, dazu und lässt sich noch etwas feiern.

36 Jahre politisch tätig

Volkswirt
 Alexander Vogelgsang wuchs in Ulm auf. Er studierte bis 1968 in Berlin und Basel Volkswirtschaftslehre und war im Anschluss bis 1974 beim Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos in Basel tätig.

Bonn
 Ab 1974 arbeitete er im Bundeskanzleramt. Von 1983 bis 1986 war er wirtschaftspolitischer Berater im Bonner Büro von Bundeskanzler Helmut Schmidt, der ihn beim OB-Wahlkampf aktiv unterstützte.

Oberbürgermeister
 1986 wurde Alexander Vogelgsang Böblinger Oberbürgermeister. 1994 und 2002 wurde er wiedergewählt und ging 2010 in Ruhestand. Vor ihm war Wolfgang Brumme OB (1948–1986), nach ihm Wolfgang Lützner (2010-2018). Seit 2018 sitzt Stefan Belz an der Rathausspitze.

 

 

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