Hunderte Jugendliche aus sieben Ländern, die sich alle paar Jahre zu sportlichen Wettkämpfen an einem anderen Ort treffen – die Böblinger Partnerstadt-Olympiade war über Jahrzehnte hinweg eine feste Säule des europäischen Kulturaustauschs. Dann brachte die Corona-Pandemie den regelmäßigen Ablauf durcheinander, doch bald soll das olympische Feuer wieder brennen.
Es war der 31. Juli 2017, als der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Lützner die bislang letzten Spiele in Böblingen feierlich beendete. Die Franzosen übernahmen die olympische Fahne, denn in Pontoise sollte das mehrtägige Partnerstadt-Sportevent im Jahr 2020 stattfinden. Der Bürgermeister des französischen Städtchens nördlich von Paris, Philippe Houillon, versprach damals: „Wir wollen versuchen, die Partnerstadt-Olympiade so gut zu organisieren, wie es Böblingen getan hat.“ Noch im März 2020 ging man fest davon aus, dass für die 16. Auflage nichts schief gehen könnte – dann kam Corona, und die Partnerstadt-Olympiade wurde schweren Herzens abgesagt.
Seitdem warten die Jugendlichen aus Böblingen und seinen Partnerstädten Pontoise, Krems (Österreich), Alba (Italien), Sittard-Geleen (Niederlande), Glenrothes (Schottland) und Bergama (Türkei) darauf, wieder zu dem Sportfest zusammenkommen zu können. Doch dass das Event einfach mit ein paar Jahren Verspätung in Frankreich stattfindet, ließ sich nicht realisieren. „Pontoise konnte die Ausrichtung der Partnerstadt-Olympiade aus logistischen und finanziellen Gründen leider nicht übernehmen“, erläutert der Böblinger Pressesprecher Peter Lausch auf Nachfrage, „unter anderem aufgrund der Olympischen Spiele 2024 in Paris, in die Pontoise als Vorort schon frühzeitig eingebunden war.“ Schließlich lässt sich das Jugendsportfest der Partnerstädte nicht nebenbei stemmen, der organisatorische und finanzielle Aufwand ist beträchtlich. In Böblingen waren 2017 insgesamt 1200 Jugendliche und Betreuer dabei, die untergebracht und versorgt werden mussten.
Doch nun gibt es Hoffnung, denn in Schottland prüft man derzeit, die Partnerstadt-Olympiade im Jahr 2027 auszurichten, voraussichtlich in der letzten Juli-Woche. „Glenrothes hat sich bereit erklärt, einzuspringen, und arbeitet nun konkret an der Umsetzung“, so Lausch. Allerdings soll die Veranstaltung in einem etwas kleineren Rahmen als in der Vergangenheit stattfinden – angepasst an die räumlichen und organisatorischen Möglichkeiten vor Ort. Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass Wettkämpfe in weniger Sportarten angeboten werden als in früheren Auflagen. Wie genau die Partnerstadt-Olympiade 2027 aussehen soll, wird sich aber erst in den nächsten Monaten konkretisieren.
Seit 1978 veranstaltet die Stadt Böblingen alle zwei bis drei Jahre gemeinsam mit ihren Partnerstädten diese Jugendspiele, der Veranstaltungsort wechselt. In Glenrothes ging das Sportevent zum letzten Mal 2003 über die Bühne.
Bisherige Partnerstadt-Olympiaden
Austragungsorte
1978 in Böblingen, 1981 in Pontoise, 1984 in Glenrothes, 1986 in Geleen, 1989 in Alba, 1992 in Krems, 1995 in Böblingen, 1998 in Bergama, 2000 in Pontoise, 2003 in Glenrothes, 2005 in Krems, 2008 in Sittard-Geleen, 2011 in