Böblinger Pharmaunternehmen Wörwag wächst stark in Asien

Wörwag-Geschäftsführer Jochen Schlindwein und Finanzchef Gerhard Mayer (v.l.) Foto: Wörwag

Das erfolgsverwöhnte Böblinger Pharmaunternehmen Wörwag agiert zunehmend global. Nach Osteuropa folgt nun der ferne Osten mit Thailand, Vietnam und den Philippinen als Wachstumstreiber.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

So nah und doch so weit auseinander: Während die Automobil- und Zuliefererindustrie im Kreis Böblingen seit Längerem im Krisenmodus fährt, kennen die Zahlen im Böblinger Familienunternehmen Wörwag Pharma seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Im Jahr 2024 erzielte das Unternehmen mit seinen weltweit rund 1500 Mitarbeitenden einen Umsatz von 331 Millionen Euro (Vorjahr: 303). Zum Gewinn schweigt das Familienunternehmen traditionell. „Wir wachsen in allen Geschäftsgebieten schneller als der Markt, teilweise doppelt so schnell“, sagt Finanzchef Gerhard Mayer.

 

Zwar ist Wörwags Hauptmarkt nach wie vor Deutschland, doch die Aktivitäten umspannen mittlerweile den halben Erdball – mit einem Schwerpunkt auf der Osthalbkugel. Im zurückliegenden Jahr rollte Wörwag Teile seines Produktportfolios in Thailand, Vietnam und den Philippinen aus. Der Umsatz dort spielt zwar insgesamt nur eine untergeordnete Rolle, wuchs im Jahr 2024 allerdings stark um 72 Prozent auf 8,3 Millionen Euro.

Auch für das Jahr 2025 erwarten die Böblinger einen weiteren Anstieg des Asiengeschäfts, der Markt sei dynamisch, die Mitarbeiterzahl dort habe sich seit 2019 verdoppelt. Sie besteht im Wesentlichen aus Außendienstlern, die an die jeweiligen Märkte angepasst agieren.

„Während es in Vietnam und Thailand darum geht, in den Krankenhäusern gelistet zu werden, tritt der Außendienst auf den Philippinen an die großen Apothekenketten heran“, sagt Gerhard Mayer. Wichtiges Produkt dort sei ein Präparat zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie. In den Vorjahren legte Wörwag den Fokus auf osteuropäische Länder wie Aserbaidschan und Usbekistan, ist mit der Entwicklung aber noch nicht zufrieden. „Da haben sich die Investitionen noch nicht aufgelöst“, sagt Mayer. Das Geschäft in der Ukraine leide freilich unter dem andauernden Krieg. In Russland blieb Wörwag trotz des Angriffskrieges aktiv, wie viele andere Pharmahersteller auch. „Pharma ist von den Sanktionen ausgenommen“, sagt Geschäftsführer Jochen Schlindwein, der seit Kriegsbeginn keine Investitionen in den russischen Markt getätigt hat.

Wörwag-Arbeitsplätze im Neubau auf dem Flugfeld Foto: Eibner//Roger Bürke

Wörwag entwickelt am Hauptsitz in Böblingen sowohl verschreibungspflichtige Präparate als auch sogenannte Over-the-Counter-Produkte, die ohne Rezept, aber nur in der Apotheke erworben werden können. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Präparate für Diabetiker, Erkrankungen des Nervensystems, für das Immunsystem und den Bewegungsapparat. Eines der erfolgreichsten ist B12 Ankermann, das einen Mangel an Vitamin B12 ausgleicht. Weitere Produkte enthalten Vitamin D, Zink oder Folsäure. Ein weiteres soll das Portfolio im Jahresverlauf erweitern: ReDia. Es soll helfen, den Blutzuckerspiegel nach Mahlzeiten weniger stark ansteigen zu lassen. Das Präparat soll in den eigenen Produktionsstätten hergestellt werden, was der Strategie von Wörwag folgt, mehr und mehr Produkte selbst herzustellen. Im polnischen Lodz sitzen seit 2022 die Wörwag Pharma Operations, eine Produktionstochter. Im Jahr 2023 wurde der Standort Wörwag Pharma Production im bayerischen Pöcking akquiriert. „Seit dem Zukauf haben wir das Produktionsvolumen durch die erfolgreiche Etablierung unserer Produkte kontinuierlich gesteigert“, sagt CFO Mayer. „Im Jahr 2025 werden 42 Prozent der verkauften Wörwag Pharma Packungen und 33 Prozent des Produktportfolios von unseren beiden Produktionsstandorten in Polen und Pöcking stammen.“

Mehr in Eigenproduktion

Die Wörwag-Strategie ist es, sowohl selbst, als auch mit externen Partnern zu produzieren, um bei Lieferengpässen flexibel reagieren zu können und unabhängiger von externen Produzenten zu werden. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs 2024 weiter um 86 Kräfte auf 1420, 2025 soll es so weitergehen. Nur rund 250 davon arbeiten im neu gebauten Hauptsitz in der Flugfeld-Allee 24. Deren Zahl soll konstant bleiben. Ursprünglich wollte das Unternehmen dort sogar noch ein zweites Gebäude in ähnlicher Dimension errichten. Von diesen Plänen ist derzeit allerdings keine Rede mehr.

Gemeinsam mit der Belegschaft haben sich die Böblinger außerdem eine klare Mission auf die Fahne geschrieben: „Together for a healthy life“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Gemeinsam für ein gesundes Leben.“ Mayer: „Es war gar nicht so einfach zu diesem Satz zu kommen, soll er doch in wenigen Worten unsere Unternehmensphilosophie transportieren.“ Man müsse diese Botschaft außerdem oft wiederholen, um sie in die Köpfe der Mitarbeiter zu bekommen.

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