Böblinger Pharmaunternehmen Wörwag wächst und zieht in neues Domizil
Das Böblinger Pharmaunternehmen steigert mit neuen Produkten erneut Umsatz und Gewinn. Zum 50. Geburtstag bezog Wörwag seinen Neubau.
Das Böblinger Pharmaunternehmen steigert mit neuen Produkten erneut Umsatz und Gewinn. Zum 50. Geburtstag bezog Wörwag seinen Neubau.
Böblingen/Flugfeld - Die Geschäfte bei Wörwag laufen gut. Sogar so gut, dass das Böblinger Pharmaunternehmen seit Oktober in einem neuen Gebäude an der Flugfeld-Allee 24 residiert, das dem Unternehmen selbst gehört. Bisher lebte man in der Calwer Straße 7 zur Miete, wo noch das schwarz-rote Firmenlogo an der Fassade prangt. „Das Schild für den Neubau ist noch nicht ganz fertig, es soll im März montiert werden“, sagt der Geschäftsführer Gerhard Mayer. Die gute Laune konnte das am Tag der offiziellen Einweihung aber nicht trüben, die Wörwag am Donnerstag beging.
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Dabei konnte Mayer gemeinsam mit Gesellschafterin Monika Wörwag nicht nur stolz den fünfstöckigen Neubau präsentieren, sondern auch erfreuliche Geschäftszahlen. Das Familienunternehmen beschäftigt mittlerweile über 1200 Mitarbeiter in mehr als 35 Ländern. Sie haben im Jahr 2021 einen Umsatz von 269,9 Millionen Euro erwirtschaftet, nach 235,8 im Vorjahr. Das entspricht einer Steigerung von 14,4 Prozent. Zum Gewinn will sich das Unternehmen nicht äußern, sagt aber, dass dieser „ebenfalls erfreulich“ sei. Die Corona-Pandemie hat dem Unternehmen demnach nicht zu Schaffen gemacht – im Gegenteil.
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Wörwag ist spezialisiert auf Präparate für Diabetiker, Erkrankungen des Nervensystems, ein stärkeres Immunsystem und den Bewegungsapparat. Eines der erfolgreichsten ist „B12 Ankermann“, das einen Mangel an Vitamin B12 ausgleicht. „Wir sind mittlerweile Marktführer im Bereich Zink“, sagt Gerhard Mayer. Präparate mit diesem Inhaltsstoff seien sehr gefragt, da sie die Immunabwehr stärkten. Ebenso glänzend liefen die Geschäfte mit Vitamin-D. Im vergangenen Jahr seien die Menschen außerdem wieder häufiger zum Arzt gegangen, nachdem es im ersten Corona-Jahr 2020 eine gewisse Zurückhaltung gegeben hatte. Mayer: „Dadurch stieg auch der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten.“
Doch Wörwag wuchs nicht nur durch Investitionen in sein Produktportfolio. Die Böblinger rollen ihr Sortiment auch auf immer mehr Länder aus, vor allem in Osteuropa. Der Umsatz in Russland etwa wuchs 2021 um 20 Prozent auf 39,8 Millionen Euro, in der Ukraine sogar um 33 Prozent auf 6,2 Millionen Euro. Die russischen Truppenaufmärsche entlang der ukrainischen Grenze und die dadurch ausgelösten Spannungen seien für Wörwag zwar „ein Thema, das uns beschäftigt“, sagt der Geschäftsführer Mayer. Das Unternehmen hofft aber, dass sich etwaige Restriktionen im Handel nicht auf den medizinischen Bereich beziehen und stockt daher seine Lager in Russland auf. Dort erwirtschaftete Gewinne transferiert das Unternehmen zügig ins Heimatland, aus Angst vor einem Verfall des Rubels.
Neu im Wörwag-Reich ist eine eigene Produktionsstätte. Bisher vergab das Unternehmen die Fertigung seiner Präparate immer an andere Unternehmen, im vergangenen Jahr kaufte Wörwag einen Hersteller im polnischen Lódz. Von der eigenen Produktionsstätte erhofft man sich Innovationen. Zu diesem Zweck hat das Pharmaunternehmen auch den Kreis der Geschäftsführung erweitert. Neben Gerhard Mayer (Finanzen) und Jochen Schlindwein (Marketing) stieß Lucia Cinque als Chief Innovation Officer neu zur Führungsriege hinzu. Sie will die Investitionen in diesem Bereich sukzessive auf drei Prozent des Jahresumsatzes steigern. „Wir wollen nicht nur durch Skalierung weiter wachsen, sondern auch neue Geschäftsmodelle entwickeln, in Start-ups investieren und mit Forschungseinrichtungen kooperieren“, sagt Cinque.
Um die ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen, sei vor allem gutes Personal vonnöten. „Keine einfache Aufgabe“, sagt Gerhard Mayer, der die Suche nach Fachkräften längst auf den internationalen Markt ausgeweitet hat. Durch den neuen Firmensitz will sich Wörwag als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. In dem fünfstöckigen Gebäude sind neue Arbeitswelten entstanden, die Raum für Kreativität schaffen und junge Talente anlocken sollen: lichtdurchflutete Büros mit höhenverstellbaren Schreibtischen, eine Vital-Bar, Dachterrasse, E-Bike-Garage und großzügigen Konferenzräumen.
Noch sind allerdings die Büros der 250 Beschäftigten bis auf wenige Ausnahmen verwaist – fast alle arbeiten pandemiebedingt noch immer im Homeoffice. 350 Arbeitsplätze stehen im Neubau zur Verfügung. „Wir können uns auch vorstellen, einige Flächen zu vermieten“, sagt Monika Wörwag, Tochter des Gründers Fritz Wörwag und verantwortlich für die Unternehmenskommunikation. Sogar ein weiteres Gebäude könnte entstehen: Im Juli 2018 kaufte Wörwag auch das benachbarte Grundstück. „Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir dafür aber keine konkreten Pläne“, sagt Mayer.
Wörwag Pharma: Von Böblingen in die Welt
Geschichte
Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Stuttgart-Zuffenhausen, wo Fritz Wörwag anno 1965 die „Stadt-Apotheke“ eröffnete.
Gründung
1971 kaufte er Bestände der Chemischen Fabrik Walter in Berlin auf und legte den Grundstein für Wörwag Pharma.
Wachstum
Daraufhin begann Wörwag mit dem Vertrieb von Erkältungssaft und blutdrucksenkenden Mitteln – zunächst nur mit einer Mitarbeiterin im Außendienst.
Erweiterung
In den Achtzigerjahren wuchs das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Magnesium, Zink oder Vitamin B 12, die noch heute die stärksten Produkte sind.
Umzug
Im Jahr 1996 zog Wörwag nach Böblingen in die Calwer Straße. Heute beschäftigt das Unternehmen über 1200 Mitarbeiter in 35 Ländern und macht 270 Millionen Euro Umsatz.