Böblinger Pläne Kommt das Bauernkriegsmuseum an die Stadtmauer?

Erste Grobskizze: Am Eingang der Altstadt könnte das geschichtliche Zentrum entstehen. Foto:  

Böblingen möchte einen besonderen Ort für seine Geschichte schaffen. An historischer Stätte in der Unteren Gasse soll ein „Stadtforum“ die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Stadt präsentieren. Auch Bauernkriegsmuseum und Archiv könnten dort Platz finden.

Es ist rund 40 Jahre her, als Böblingen einen weit reichenden Beschluss über seine Geschichte fasste. Statt eines Museums, das die gesamte Historie der Stadt präsentiert, wollte man sich auf einen einzigen geschichtlichen Schwerpunkt konzentrieren: Der Bauernkrieg, dessen entscheidende Schlacht in Böblingen tobte, sollte genügen, um die städtische Geschichte ins Bewusstsein zu heben: Ein Bauernkriegsmuseum in der Zehntscheuer war beschlossene Sache. Die Hoffnung auf einen Schauort mit überregionaler Strahlkraft schlug damals die Bedürfnisse, die gesamte Böblinger Vergangenheit zu zeigen und aufzuarbeiten.

 

Heute wird wieder wird deutlich, dass der absolutistische Umgang mit der Geschichtspräsentation seine Schwächen hat, wenn wichtige Epochen und Ereignisse im Schatten des Bauernkrieges verblassen oder Exponate der Stadtgeschichte in den Archiven vegetieren. Oberbürgermeister Stefan Belz setzte daher bereits in seinem Wahlkampf einen Impuls und versprach, sich für ein „Stadtforum“ einzusetzen – kein Stadtmuseum im klassischen Sinne, sondern ein Ort der „pfiffig“ aufzeigt, „woher wir kommen, wo wir sind und wohin wir gehen“.

In die Museumslandschaft kommt frischer Wind

Nun, vier Jahre nach Amtsantritt und mehreren Diskussionsrunden mit der Öffentlichkeit, hat die Verwaltung im Kulturausschuss Planungen präsentiert, die den frischen Wind in der Böblinger Museumslandschaft mit einem konkreten Ort verknüpfen und die Basis für eine Neuorientierung bieten sollen. Das Kulturamt und die Städteplaner legten die Ergebnisse zweier Machbarkeitsstudien vor, die sich sowohl mit der Hülle als auch mit dem Inhalt eines zukünftigen Museums auseinandersetzten.

Stefan Belz betonte, dass das, was die Stadträtinnen zu hören und sehen bekamen, keine Entscheidung bedeute. Es gehe um einen „nächsten Schritt“ auf dem Weg des bereits 30 Jahre währenden Diskussionsprozesses zur Zukunft der Böblinger Museen.

In der Unteren Gasse ist noch ein Stück Wehrgang erhalten

Dieser Weg führte direkt an einen Ort, an dem Böblingen noch einen Rest historischer Bausubstanz besitzt. Städteplaner Dietmar Weber nahm die Bürgervertreter mit in die Untere Gasse. Dort, am Eingang zur Altstadt, gelang es der Stadt vor zwei Jahren ein historisches Gebäude zu erwerben, in dem noch letzte Reste der Stadtmauer nebst einem Wehrgang aus dem Jahr 1290 existieren. Zusammen mit der benachbarten Scheune, einem weiteren Gebäude und dem daneben existierenden Parkplatz hat die Verwaltung diesen geschichtsträchtigen Ort als Schauplatz für ein zukünftiges Ensemble im Visier, das die Geschichte der Stadt beherbergt.

Doch können die alten Gemäuer die hehren Wünsche erfüllen? Dieser Frage ist die Bauverwaltung mithilfe von Experten in einer Machbarkeitsstudie nachgegangen. Das Ergebnis: Sowohl die Bausubstanz als auch die Räumlichkeiten taugen für die geplante Nutzung, erläuterte Dietmar Weber. Womit der Weg frei wäre für eine Neuordnung der Böblinger Museumswelt. Denn seit vielen Jahren teilen sich die städtische Galerie und das Bauernkriegsmuseum die Zehntscheuer – eine Koexistenz, die aufgrund der Enge mehr schlecht als recht funktioniert. Auch das im Rathaus untergebrachte Stadtarchiv benötigt dringend neue Räume.

Schwieriges Zusammenleben in der Zehntscheuer

Dietmar Weber und sein Team haben in zuletzt fleißig gepuzzelt und Lösungen gesucht, wie diese Nutzungen in der Unteren Gasse unter ein Dach zu bringen sind. Schnell wurde klar, dass eine kleine Lösung ohne zumindest eine teilweise Überbauung des Parkplatzes dies nicht bieten kann, und: dass es wohl das Bauernkriegsmuseum ist, das aus der Zehntscheuer ausziehen muss, da die klimatischen Bedingungen in den alten Gemäuern nicht galerietauglich sind.

Wie groß soll der neue Geschichtsort werden?

Weber erläuterte, dass das Konzept eine flexible, in Abschnitten realisierbare Erstellung bietet – von der Kleinversion, die nur Platz für Archiv und Stadtforum erlaubt, über eine mittlere Variante mit Bauernkriegsmuseum, Stadtforum und Stadtarchiv bis hin zur XL-Variante mit zusätzlichen Möglichkeiten für Sonderausstellungen.

Ob es überhaupt zur Realisierung kommen wird und wenn, zu welchen Variante – dies zu klären wird eine der wichtigen Zukunftsentscheidungen des Gemeinderats sein. Dies hänge auch davon ab, wann die finanziellen und personellen Kapazitäten zur Verfügung stehen, betonte Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger. Die Stadträte zeigten sich begeistert vom neuen Raum für die Geschichte der Stadt. Dass sie dabei eher zur räumlich größeren Dimension tendieren, daraus machten sie keinen Hehl.

Im Juli wartet bereits die nächste Museumsrunde auf die Stadträte. Dann geht es um die Zukunft des Fleischermuseums.

Die lange Geschichte der Böblinger Museen

Bauernkriegsmuseum
 Das Museum wurde 1988 eröffnet. Anlass war die Entscheidungsschlacht des Bauernkriegs bei Böblingen im Jahr 1525. Das Museum teilt sich die Böblinger Zehntscheune mit der städtischen Galerie, was zu Einschränkungen beider Nutzer führt.

Museumskonzeption
 Die geforderte Trennung von Museum und Galerie führte 1993 zum Versuch einer Neukonzeption der Böblinger Museen, die auch 30 Jahre später noch nicht abgeschlossen ist. Nach dem Scheitern eines Galerie-Neubaus auf dem Schlossberg 2005 nahm die Diskussion 2015 wieder an Fahrt auf. 2017 wurde ein Gutachten vom Gemeinderat in Auftrag gegeben, dessen Empfehlung, das Bauernkriegsmuseum aufzugeben, auf Widerstand beim Verein der Museumsfreunde führte. Die Gutachter brachten die Idee eines neuen Formates, ein so genanntes Stadtforum, ins Spiel.

Stadtforum Das Stadtforum soll kein klassisches an Epochen orientiertes Stadtmuseum mit Sammlungen und einem Rundgang sein. Die Idee sieht vor, die Geschichte der Stadt themenorientiert in einen Zusammenhang mit der Gegenwart und der Zukunft zu stellen. Wie das aussehen könnte, soll im kommenden Jahr ein Pilotprojekt zeigen.

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