Böblinger Schießlärm Anwohner: Bund soll Lärmschutz mitzahlen

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Die Anwohner des Panzerkasernen-Schießstands fordern Geld aus dem Erlös der US-Liegenschaften in Heidelberg und Mannheim. Damit könnte ein Teil der Überdeckelung der Schießbahnen bei der Panzerkaserne bezahlt werden.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
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Böblingen - Wer zahlt den Lärmschutz für den Schießstand der US-Army im Wald zwischen Böblingen und Schönaich? Die Frage ist noch immer nicht geklärt. Die Stadt Böblingen und die Gemeinde Schönaich könnten sich an den Kosten beteiligen, fordern die Anwohner unter anderem. Ganz abgeneigt scheinen auch Böblinger Stadträte nicht zu sein.

Drei Millionen Euro soll es kosten, die offenen Schießstände vier und fünf bei der Panzerkaserne mit einer schallschluckenden Kassettendecke zu versehen – Stand vor drei Jahren. Damals hatten Experten ein Konzept samt Kostenkalkulation vorgelegt. An der Notwendigkeit der Schalldämmung besteht kein Zweifel. Alle geltenden Werte des Lärmschutzes werden im Böblinger Wohngebiet Rauher Kapf weit überschritten. Manches Mal fühlen sich die Bewohner dort, als lebten sie mitten auf einem Schlachtfeld.

Seit drei Jahren bewegt sich nichts

Alle waren sich vor drei Jahren einig, dass die Schießanlage überdeckelt wird: die hochrangigen Vertreter der US-Army, die Abgesandten des Bundesverteidigungsministeriums genauso wie die des Finanzministeriums, dessen Behörde Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) für sämtliche Militärareale in der Bundesrepublik verantwortlich ist, und natürlich auch die Böblinger Verwaltungsspitze.

Erleichtert, ja euphorisch waren die Mitglieder der Bürgerinitiative Rauher Kapf, die seit 20 Jahren für einen Lärmschutz kämpfen. Schienen sie ihr Ziel nun endlich erreicht zu haben. Doch längst ist Ernüchterung eingekehrt. Seit drei Jahren schieben sich die Beteiligten gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Streitpunkt sind die Kosten. Die deutsche Seite sieht die Verursacher in der Pflicht. Die US-Army wiederum wartet auf ein Signal der Deutschen, sich an den Kosten zu beteiligen.

Geld müsste bei allen Partnern vorhanden sein. Mehr als 180 Millionen Euro hat die US-Army in den vergangenen Jahren in den Ausbau ihres Böblinger Standorts investiert, einen Supermarkt und ein Hotel für Neuankömmlinge gebaut. Momentan errichtet sie die zentrale Highschool für Soldatenkinder in der Region Stuttgart.

Andererseits hat sich die US-Armee aus etlichen Städten zurückgezogen. Riesige Areale sind in Heidelberg und Mannheim freigeworden. Diese im Besitz des Bundes befindlichen Gebiete verkauft die Bima nun – meist an die Städte. Bisher hat die Bima in Heidelberg ein 43 Hektar großes Areal abgestoßen – für etwa 40 Millionen Euro. In Mannheim hat sie bislang mindestens 30 Millionen Euro eingenommen. Dort steht der Verkauf eines weiteren 144 Hektar großen Anwesens an.

„Wir erwarten, dass von diesen Einnahmen etwas in die Lärmschutzsanierung des Böblinger Schießstands investiert wird“, sagt Ulrich Durst, der Sprecher der Bürgerinitiative Rauher Kapf. Auch die Stadt Böblingen und die Gemeinde Schönaich könnten ein Signal setzen und ein paar Hunderttausend Euro für die Sanierung zuschießen, meinen die Bürger des Rauhen Kapfs.

Böblinger Stadträte fordern Engagement der Stadt

Im Böblinger Gemeinderat werden ähnliche Stimmen laut. Die Fraktionen der CDU und Freien Wähler stellten bereits im Juli eine Anfrage an die Stadtverwaltung zum Schießlärm und signalisierten die Bereitschaft einer städtischen Kostenbeteiligung. Auf einen Betrag möchte sich Daniel Wengenroth, der Chef der Freien Wähler, nicht festlegen: „Aber fünf bis zehn Prozent müssten drin sein.“ Öffentlich ist die Anfrage im Gremium noch nicht verhandelt worden, wohl aber nichtöffentlich am Mittwoch.

Bei Anfragen verweist die Stadt auf den Besuch des Staatssekretärs Markus Grübel kürzlich (wir berichteten). Er hatte sich den Schießstand angeschaut und Eindrücke von der Situation verschafft. Er versprach, dass der Bund die Verhandlungen mit der US-Army moderieren werde. Finanzielle Zusagen aber machte er nicht.




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