Am Montagmorgen gegen acht Uhr knatterten die Kettensägen auf dem Schlossberg-Plateau. Wie von der Stadtverwaltung angekündigt und in den vergangenen Tagen in der Öffentlichkeit hitzig diskutiert, wurden einige der Bäume gefällt, um am Standort des einstigen Böblinger Schlosses archäologische Grabungen zu ermöglichen. Doch von den neun Apfeldornen, die den alten Schloss-Grundriss umrahmen, wurden am Montag nur vier entfernt – weniger als zunächst kommuniziert. „Ursprünglich wollte das Landesdenkmalamt die gesamte Fläche umgraben“, berichtet der städtische Pressesprecher Gianluca Biela. Das habe man auf den relevanten Bereich des einstigen Schlosskellers eingrenzen können.
Doch als im Gemeinderat die Fällungen vor knapp zwei Wochen angekündigt worden waren, war die Entrüstung in der Öffentlichkeit groß. Neben intensiver Diskussionen kam es zu einem zusätzlichen Vor-Ort-Termin des Bauamts mit einigen Stadträten. Letztlich habe man sich die Situation noch einmal ganz genau angeschaut, so Biela – mit dem Ergebnis, dass zunächst nur diese vier Bäume auf und direkt neben dem Schlosskeller fallen mussten. Zwei von ihnen wären wegen ihres schlechten Zustands demnächst ohnehin entfernt worden.
Die Grabungen wird nicht das Denkmalamt selbst, sondern ein externes Unternehmen durchführen, voraussichtlich ab Sommer. „Aktuell sind wir noch dabei, die genauen Inhalte für die Ausschreibung mit dem Landesdenkmalamt abzustimmen“, berichtet Biela. Die Fällungen sollten aber im Wesentlichen vor dem 1. März stattfinden, weil dann der Vegetationsschutz das Entfernen von Bäumen und Sträuchern verbietet. „Allerdings kann es sein, dass weitere Apfeldorne gefällt werden, wenn es die Arbeiten des Denkmalamts erfordern“, erläutert Gianluca Biela. Dafür würde dann eine Sondergenehmigung beim Landratsamt beantragt. Man habe jetzt aber keine weiteren Bäume „auf Verdacht“ fällen wollen.
Die Ergebnisse der Grabungen werden Ende 2023 erwartet und sollen Aufschluss geben, wie erhaltenswert die Schlossmauern im Untergrund aus Sicht des Denkmalamts sind. Das kann erhebliche Konsequenzen für die geplante Bebauung haben. Auf dem Schlossberg soll eine neue Musik- und Kunstschule entstehen, die zunächst als Interimsquartier für die sanierungsbedürftige Paul-Lechler-Schule dienen soll. Das Projekt wird derzeit mit 36,5 Millionen Euro veranschlagt und ist in Teilen umstritten.