Böblinger Seestudio Dornröschenschlaf verlängert

Bis jetzt ist kein neuer Käufer für die Immobilie in Sicht, potenzielle Mieter haben sich abgewandt. Foto: Stefanie Schlecht

Hohe Mieten verlangen und dabei nicht investieren – das passt nicht. Es wird Zeit, die Abwärtsspirale rund um das Seestudio in Böblingen zu durchbrechen.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Die Nachricht, dass sich der Dornröschenschlaf des ehemaligen Seestudios in der Böblinger Poststraße weiter hinzieht, ist keine gute. Nicht für die Stadt Böblingen und ihre Innenstadt und auch nicht für die eigenwillige Eigentümerin, die nicht so recht zu wissen scheint, was tun mit diesem Haus. Es steht an einem markanten, eigentlich völlig unterspielten Ort. Dort, wo die Untere Poststraße sich oberhalb der Seen schlängelt und Böblingen beides zugleich sein könnte: urban und grün. Ist es aber nicht.

 

Die leeren Schaufenster der Hausnummer 14 gähnen seit Jahren vor sich hin. Darüber prangt in weißen Lettern noch der Schriftzug Seestudio. Im Innern spielt seit einer ganzen Weile keine Musik mehr. Die Eigentümerin, Tochter des einstigen Kaufmanns Doren, der dort in den Achtziger- und Neunzigerjahren einen Modeladen betrieben hatte, scheint den Bezug zu Böblingen verloren zu haben. Und auch ein wenig zur Realität. Denn 8000 Euro Miete für ein in die Jahre gekommenes Gewerbeobjekt zu verlangen, geht weit am Böblinger Immobilienmarkt vorbei. Dem Vernehmen nach gibt es in den beiden Ladengeschäften zur Poststraße hin nicht mal eine richtige Heizung.

Eine Tanzschule hätte das Quartier aufgewertet

Es ist offensichtlich: Die Eigentümerin hat über die Jahre wenig bis gar nichts in das Gebäude investiert. Da ist es kein Wunder, dass die Tanzschule Bode von den Überlegungen, dort einzuziehen, wieder Abstand genommen hat. Schade. In der Stadt sind Bodes eine Institution, sie hätten den Dämmerzustand beenden und vor Ort für eine spürbare Aufwertung sorgen können. Aber nicht um jeden Preis, das wird jedem einleuchten. Nun will die Eigentümerin das Gebäude verkaufen, zu ihren Preisvorstellungen ist nichts bekannt. Bei den einschlägigen Maklern ist es jedenfalls nicht angeboten, auch im Netz findet sich kein Eintrag dazu.

Auf welchem Wege auch immer das Gebäude einen neuen Besitzer findet – im Sinne der Stadtentwicklung wäre ein Eigentümer wünschenswert, der sich seiner Verantwortung für den Standort bewusst ist. Schließlich liegt die Immobilie an der Achse zwischen Elbenplatz, Unterem See, Albabrücke und Oberem See. Jener Verlängerung der Fußgängerzone in der Bahnhofstraße, die vor allem am Wochenende nur allzu gern von Flaneuren bevölkert wird. Doch für sie beginnt vom Elbenplatz her nach den gastronomischen Angeboten eine Durststrecke.

Café als Aufwertung weiter oben

Die endet seit September glücklicherweise etwas früher: Einen Steinwurf weiter oben auf Höhe der Albabrücke hat die Self-Made-Konditorin Marika Schäfer einen Farbtupfer in weiß gesetzt. Sie eröffnete ihr Café Seelenschmeichler am 15. September neu in der Tübinger Straße 4. Das Kindergeschäft „Die kleine Melone“, vormals „Rasselfisch“, hatte aufgegeben. Für Marika Schäfer war der Umzug ein Wagnis in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, für das Quartier ist es eine positive Aufwertung.

Der mittlere Teil der Uferpromenade am Unteren See ist von dieser Aufwertung noch ein großes Stück entfernt. Das verrammelte Seestudio ist alles andere als ein Hingucker, daneben folgt Hinterhof auf Hinterhof. Die kleinen Durchstiche zur Poststraße könnten lauschig sein. Die Betonung liegt aber auf könnten, denn der eine ist verwaist und der andere aus unerfindlichen Gründen schon längere Zeit gesperrt. Auf dem Boden vor der Treppe türmen sich bereits die Müllberge. Und die Brücke zur gegenüberliegenden Kongresshalle mitsamt ihrem Aufgang zum Seerestaurant war auch schon einmal einladender. Aufenthaltsqualität sieht jedenfalls anders aus. Es wird Zeit, die Abwärtsspirale an diesem eigentlich sehr schönen Ort in Böblingen zu durchbrechen. Das ehemalige Seestudio ist dafür das entscheidende Puzzlestück.

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