Die Zeit des Leerstands am Böblinger Postplatz hat ein Ende: Im Traditionslokal Platzhirsch dampfen wieder die Töpfe. Dahinter stehen die beiden Pächter Tobias Faude und Jochen Breitmayer, deren gleichnamiger Gastrobetrieb neben dem Bootshaus am See auch die Reisser-Kantine sowie diverse Veranstaltungen in Stuttgart und Böblingen bewirtet. Es treten also Routiniers in die großen Fußstapfen, die Monika und André Jordan Ende Juli hinterlassen haben. Wie erfreut die Schönbuch Braumanufaktur darüber ist, machte der Geschäftsführer Werner Dinkelaker in seiner Begrüßung deutlich.
Denn der Platzhirsch sei nicht nur eines von vielen Lokalen. Er ist das Stammhaus der Brauerei, die im vergangenen Jahr ihr 200-Jahr-Jubiläum feierte. Die Geschichte des Lokals als Brauereigaststätte geht weit zurück. „Ich habe sogar Belege gefunden, dass es schon im 18. Jahrhundert bestand“, sagt Dinkelaker. Seinem Vorfahr und Gründer der Dinkelakerei, Karl-Gottfried, wurde für das Gasthaus 1842 das sogenannte Schildrecht zugesprochen, seitdem wird in der Hausnummer 5 am Postplatz Gerstensaft ausgeschenkt. Bis zur Jahrtausendwende firmierte das Lokal als Braustuben, danach wurde es in Platzhirsch umbenannt.
Dinkelaker bedankte sich bei den beiden neuen Wirten, ebenso bei deren Vorgängern, den Familien Jordan, Beer und Dehn. Sie alle hätten die Tradition des Stammhauses hochgehalten. Und so wollen es auch Faude und Breitmayer halten. „Uns war wichtig, den Wirtshaus-Charakter herauszuarbeiten“, sagt Tobias Faude. Die Einrichtung hätten sie behutsam erneuert, dabei aber vor allem das viele Holz im Blick gehabt. „Das strahlt einfach eine Gemütlichkeit aus“, sagt er zur Entscheidung, die Vertäfelung nicht mehr hinter Vorhängen zu verstecken.
Von Maultaschen bis Tafelspitz
Die Speisekarte hat Küchenleiter Pasquale Alibrandi nicht einfach vom Bootshaus kopiert, sondern erweitert um gut-bürgerliche Klassiker: Maultaschen, Käsespätzle und Rostbraten in drei Variationen stehen ebenso darauf, wie Schweinelendchen und Tafelspitz. „Eine neue Idee war der Metzgertag am Dienstag und Donnerstag“, sagt Breitmayer. Schwäbische Kutteln und saure Nierle gibt es an den beiden Tagen. Die Preise wollen sie fair gestalten: „Die Gäste sollen Spaß bei uns haben und lieber noch mal ein Bier nachbestellen“, sagt der Gastronom.
Eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Lokalen sei die Tatsache, dass man ohne Ruhetag auskomme: „Es gibt ja kein Tag, der besonders schwach ist“, sagt Faude. Also habe er durchgehend geöffnet. Während viele Gastronomen über Personalnot klagen, stimmen die beiden neuen Platzhirsche nicht ins Klagelied ein. Im Gegenteil: „Der Platzhirsch passt gut ins Konzept, da wir im Sommer mehr Geschäft im Bootshaus und auf Veranstaltungen haben. Im Winter können wir diese Kräfte jetzt besser auslasten.“
Eine Veränderung im Portfolio des Gastrobetriebes, der auch auf dem Stuttgarter Weindorf, dem Cannstatter Wasen und weiteren Großveranstaltungen vertreten ist, gibt es dann doch: „Das B3 am Böblinger Bahnhof haben wir verkauft“, sagt Faude. Im B3 solle nun ein türkisches Café entstehen, eine Partylocation sei es wohl nicht mehr.