Neben Promi-Fastenrede und Kulinarik sorgt beim Aschermittwoch-Fischuppenessen jedes Jahr hochkarätiges Kabarett für Würze. Wo bekommt Böblingen diese Leute her?
Die Fischsuppe zum Aschermittwoch war auch in diesem Jahr wieder lecker und gut gewürzt. Für alle, die’s gerne noch ein bisschen schärfer mögen, war anschließend Philipp Webers Auftritt genau richtig. Der schnellsprechende Kabarettist sprach über Themen wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Beim Publikum kam der Auftritt des im Odenwald aufgewachsenen Gewinners des Deutschen Kleinkunstpreises an diesem Abend allerdings eher gemischt gut an – was vielleicht daran liegen mag, dass die mitunter recht zotigen Gags am Geschmack des zu großen Teilen eher älteren Publikum vorbeiging.
Dennoch ist Weber unbestreitbar ein großer Name in der Kabarettszene. Mancher dürfte sich da fragen, wie die Stadt Böblingen eigentlich Jahr für Jahr an solche bekannten Namen aus der Kleinkunstszene kommt. Schließlich waren beim Fischsuppenessen schon Szenegrößen wie Roland Baisch, Martin Herrmann, LinkMichel, Armin Fischer oder Thilo Seibel zu Gast.
Die Antwort findet sich auf dem Schlossberg – genauer gesagt im Alten Amtsgericht. Dort hat ein Veranstalterverein seinen Sitz, der seit vielen Jahren die Lach-Fachkräfte der Spitzenklasse nach Böblingen holt. Die Rede ist von den „Kultourmachern vom Alten Amtsgericht“. Der vor 15 Jahren aus der AG Song hervorgegangene Verein organisiert jedes Jahr im Dezember das Böblinger Comedy-Festival. Der aufwendig inszenierte Gala-Abend war ursprünglich als kabarettistischer Wettstreit um den Kleinkunstpreis der „Böblinger Mechthild“ konzipiert. Unter den Siegern und Kandidaten finden sich so prominente Namen wie Max Uthoff, Alain Frei, Michael Krebs, Sascha Korff, Chris Tall – und Philipp Weber.
Die hohe Qualität der Gäste verdankt das Festival der guten Vernetzung des Vereins. Eine besondere Rolle spielt dabei Theaterleiter und Vorstandsmitglied Gerhard Gamp. Der Böblinger Kulturpreisträger stand früher mit der Gruppe Streusalz selbst als Kabarettist auf der Bühne. Später machte er sich als Agenturleiter selbstständig. Mit seinen Kontakten in die Szene holt er immer wieder große Namen nach Böblingen – sei es für einen Auftritt im Alten Amtsgericht, beim Böblinger Sommer am See, beim Comedy-Festival – oder eben beim Fischsuppenessen. Sehr zur Freude des Publikums – meistens jedenfalls.