Josef Hänle liebt seine gebrannten Mandeln und Nüsse auch selbst. Was drin und drauf ist? „Familiengeheimnis“. Foto: Stefanie Schlecht
Josef Hänle ist seit Anbeginn des Böblinger Weihnachtsmarktes mit dabei: Seit mehr als vier Jahrzehnten verkauft er dort gebrannte Mandeln und steht selbst mit 76 Jahren noch bis zu 15 Stunden in seiner Bude. Bis zum Sonntag findet der Budenzauber statt.
Am Mittwochmittag ist auf dem Böblinger Marktplatz schon viel los: Die Buden und Dekorationen für den Weihnachtsmarkt sind aufgebaut, einige Kinder haben Spaß auf dem Karussell, das in der Mitte des Platzes aufgebaut ist. Wer sich durch die verschiedenen Stände in Richtung der Bühne durchschlängelt, findet ganz am Ende der Reihe die Bude von Josef Hänle und seiner Familie: Seit Beginn des Weihnachtsmarkts vor mehr als 40 Jahren verkauft er dort Süßwaren. Die gebrannten Mandeln, die die Familie vor Ort selbst macht, sind bei den Weihnachtsgängern besonders beliebt.
Und da sind sie nicht allein: Auch der Budenbesitzer höchstpersönlich würde zu den klassischen gebrannten Mandeln greifen, wenn er sich eine Sorte aus seinem Sortiment aussuchen müsste. Allgemein gilt bei Familie Hänle die Devise „süß geht immer“. Da ist man sich treu. Um die 50 verschiedene Süßigkeiten bieten Hänles jedes Jahr an, davon allein 16 Sorten gebrannter Nüsse. Daneben gibt es noch Magenbrot, saure Zungen, Fruchtgummis und Zuckerstangen – da ist für jeden was dabei. „Sind die gebrannten Mandeln vegan?“, erkundigt sich eine Weihnachtsmarkt-Gängerin. Im Sortiment ist alles mit dabei – vegan oder glutenfrei.
Auch mit 76 Jahren ist Josef Hänle noch nicht Weihnachtsmarkt-müde
Einige der Süßigkeiten bekommt Die Familie aus dem Großhandel, die berühmten gebrannten Mandeln allerdings stellen sie vor Ort her – die Maschine dafür steht direkt hinter der Theke, vor jeden neugierigen Kunden sichtbar. Während das Grundrezept sich ähnelt, bleibt der „Feinschliff“, wie es Josef Hänle nennt, Familiengeheimnis. „Viele Kunden sagen uns, dass wir die besten Mandeln weit und breit haben“, sagt er stolz. 76 Jahre alt ist er mittlerweile, aber noch kein bisschen Weihnachtsmarkt-müde: „Das macht uns wirklich Spaß“, sagt er. Das sieht man ihm auch an, stets hat ein kleines Lächeln im Gesicht.
Bei (teilweise) winterlichen Temperaturen zwölf oder gar 15 Stunden hinter einer Theke zu stehen, hört sich nach harter Arbeit an. Josef Hänle zuckt da aber nur mit den Schultern. „Ab und zu friert man ein bisschen, aber das steckt man weg“, sagt der 76-Jährige, der aus dem Kreis Biberach kommt und hauptberuflich ein Leben lang als Elektriker gearbeitet hat. Über seine Ehefrau, die früher bereits Süßigkeiten auf Märkten verkauft hat, ist die Familie auf dem Böblinger Weihnachtsmarkt gelandet. „Wir hatten ein Wochenende frei und haben uns für einen Platz beworben“, so nahm die Böblinger Bude laut Josef Hänle ihren Anfang. Seither ist die Weihnachtszeit bei den Hänles im wahrsten Sinne des Wortes Familienzeit: Alle packen mit an. Neben Josef Hänle, steht auch seine Tochter Nicole Strahl hinter der Theke und selbst die Enkel helfen aus. Neben Böblingen hat die Familie nämlich auch noch in Friedrichshafen, Rottweil und Biberach Buden auf Weihnachtsmärkten. Josef Hänles Ehefrau steht mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr hinter der Theke
Der Böblinger Weihnachtsmarkt findet zum zweiten Mal wieder auf dem Marktplatz statt /Stefanie Schlecht
In mehreren Jahrzehnten hat Hänle schon vieles mitgemacht: Zuerst die Zeit auf dem Marktplatz, dann der Umzug auf den Elbenplatz – nun wieder zurück. Beides habe Vor- und Nachteile. Der Marktplatz habe eine schöne Atmosphäre, aber der Aufbau sei schwieriger, weil es eng sei. Wegen Platzmangels ist die Bude etwas kleiner ausgefallen. Trotzdem sind sie zufrieden an der neuen, alten Stelle, Umsatzeinbußen hatte der Umzug des Weihnachtsmarkts für die Familie Hänle keine zur Folge, obwohl die Laufkundschaft am Elbenplatz ausgeprägter war.
Doch kommt es selbst beim standfestesten Weihnachtsliebhaber am Ende der geballten glitzer-fröhlichen Saison nicht doch irgendwann zum Weihnachtskoller? Spätestens, wenn zum 150. Mal „Last Christmas“ von Wham! innerhalb von zehn Stunden aus den Lautsprechern tönt? Nicole Strahl, die quasi auf Weihnachtsmärkten aufgewachsen ist, kann nicht genug bekommen von den alljährlichen Weihnachtshits. Josef Hänle und sein Enkel verziehen da schon eher die Gesichter: Wenn eine Handvoll Weihnachtslieder in Endlosschleifen abgespielt werden, ist das eine kleine Tortur – verständlich.
Wenn dann Weihnachten tatsächlich vor der Tür steht, ist im Hause Hänle nach Wochen voller langer Arbeitstage erst einmal Ruhe angesagt: „Da sind wir fix und fertig“, sagt der Budenbetreiber. Dann braucht er ganz sicher kein „Last Christmas“ mehr, sondern kann schonmal von der Couch aus an „Next Christmas“ denken.